Ausgabe 
28 (2.2.1868) 5
 
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Nr. S.

2. Februar ^1863

Angsbnrger

Thu nnr das Rechte in deinen Sachen,

Das Andre wird sich von selber machen.

Göth e.

Rache und Liebe.

(Fortsetzung.)

VIII.

Äm andern Tag begab sich Pantine in aller Frühe zu der besprochenen Unter»redung in die Wohnung des Pfarrers.

Mein Kind," sagte dieser ernst,ich habe Sie hiehcr kommen lassen, um ungestörtmit Ihnen sprechen zu können. Ich kenne Ihre Scelenstärke, die nicht in eitler Philo-sophie, sondern in der Demuth des Herzens ihren Grund hat; so hören Sie denn, welchePrüfung Gott Ihnen auferlegt."

Sie wollten mir von Georg sprechen," unterbrach ihn Pauline angstvoll,liebt ermich etwa nicht mehr?"

Im Gegentheil, Sie müssen an diese Liebe nicht anders mehr denken, als um fürihn die Verzeihung des Himmels zu erflehen."

Was sagen Sie da! Wie können Sie einer Frau die Liebe zu ihrem Gattenverbieten!"

Wenn Sie aber erfahren, daß er durch ein Verbrechen sich Ihrer Liebe unwürdiggemacht hat."

Ich würde nicht daran glauben/"

Aber wenn man Ihnen die Beweise lieferte?"

So würde ich," sagte die junge Frau in steigender Aufregung," mit ihm weinenund beten, denn dann bedürfte er meiner Liebe um so mehr."

Wie aber, wenn gerade auf Sie die Folgen des Fehlers zurückfielen, wenn erIhnen die traurigste Ansnahmsstellung damit bereitet hätte?"

Es ist immer besser, ich bin die Beleidigte, denn nirgends kann er mehr Nach-sicht finden."

Das war es nicht, was der Pfarrer erreichen wollte, denn in dem Augenblick wareS ihm nicht darum zu thun, Verzeihen von Beleidigungen einzuschärfen. Er erwidertedaher:Wenn wir auch den Schuldigen nicht hasten sollen, so müssen wir doch die-Schuld verabscheuen und das Mitleid nicht in strafbare Schwäche ausarten lasten."

Um des Himmels willen, so reden Sie doch, ich höre."

Nun, arme Frau, Herr Vericourt hat Sie betrogen."

Er liebt eine Andere?" rief Pauline.

Er war nicht frei, Ihre Hand anzunehmen; während seines Aufenthaltes in denAntillen hat er eine andere Verbindung eingegangen."

Pauline begriff den ganzen Ernst der Anklage noch nicht

Oh, das war sehr Unrecht!" sagte sie.Wie muß das arme Mädchen gclttenhaben, sich in ihrer Neigung getäuscht zu sehen. Aber Sie sagten, gegen mich habeGeorg gefehlt, ich finde, daß die verlassene Fremde sich am meisten zu beklagen hat."