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(Der Chignon.) Damen, die Chignons tragen, werden mit Vergnügen hören,daß die Angabe, das Haar dazu werde von den Leichen der in Hospitälern und sonstigenöffentlichen Anstalten sterbenden Personen genommen, nicht auf Wahrheit beruht. Sobaldder Tod eintritt, wird das Haar spröde und läßt sich nicht mehr locken und flechten. —Marseille ist der Hauptplatz für den Handel mit menschlichen Haaren, und mehr als40,000 Pfund dieses Artikels werden dort alljährig, hauptsächlich aus Italien , undspeciell aus Sicilien, Neapel und dem Kirchenstaate, zum Theil auch, jedoch in gerin»geren Quantitäten, aus Spanien und einzelnen französischen Departements, eingeführt.Von den Provinzen Frankreichs liefern die Bretagne und die Auvergne die stärkste Zu-fuhr; die Käufer gehen dort an den Markttagen umher und lassen die Mädchen, die ihrHaar verkaufen wollen, auf ein Weinfaß steigen und ihre Frisur lösen, worauf um dasHerabwallende Haar ein eifriges Bieten erfolgt. Da ein gewöhnlicher Chignon nicht mehrals 3'/2 Unze wiegt, so würde die Zufuhr für den Markt in Marseille allein für180,000 Kopfzierden hinreichen. Ein großer Theil des dort importirren Haares wird inder Stadt verarbeitet und dann wieder nach Spanien und Algier cxportirt. Die Friseurevon Marseille , die alle mehr oder weniger sich mit der Fabrikation und dem Handelmit Chignons befassen, zählen gegen 400 Mann, und vier große Fabriken bringen jähr-lich 55,000 Chignons allein für heimische Consumption in den Handel, wovon 30,000in's Innere geschickt, die übrigen 25,000 in Marseille und dessen Vorstädten verbrauchtwerden. Ein einziges Pariser HauS in der Passage des Petits Pcres setzt jährlich imDetailverkauf nicht weniger als 15,000 Chignons ab. Die Preise wechseln zwischen12 — 70 Francs, obwohl es auch einzelne Chignons 250 FrancS per Stück gibt. Amtheuersten werden die rothen bezahlt, die meist aus Schottland kommen. Von Frankreich wurden nach England im vorigen Jahre 11,954 Stück und außer diesen noch für7000 Francs Haare zu Chignons ausgeführt, welche letztere in England zurccht gemachtwurden. Der Gesammtwerth der französischen Ein- und Ausfuhr von Chignons iuHaaren im vorigen Jahre belicf sich aus 1,206,500 Francs. Die besten Kunden warenEngland und Amerika .
(Eine Legende der Neger.) Jedes Volk hat seine Legenden, selbst den Negernam Senegal fehlt es nicht daran. Eine derselben erzählt die Schöpfung des Menschen-Geschlechts in folgender Art:
Nach ihrer Angabe nahm Gott , als er die ersten Menschen erschaffen wollte, Thon,knetete denselben, bildete daraus die Form eines Menschen, die er in einen Ofen stellte,um sie dort zu brennen, und ihr dann, wenn der Körper fertig hergestellt sei, eineSeele zu geben.
Die irdene Statue, welche den Wirkungen des Feuers zu kurze Zeit ausgesetzt ge-wesen war, kam blaß aus dem Ofen. Gott hatte den Weißen erschaffen, den Europäer,das unvollendete Geschöpf, welches der göttliche Künstler als seiner ganz unwürdig w fgab.
Den zweiten Versuch des menschlichen Wesens ließ er länger im Ofen und zog ihndann heraus; seine Farbe war dunkler, aber sie war noch nicht die Vollkommenheit;Gott hatte nur den Mauren erschaffen.
Gott nahm nun sein Werk zum dritten Male auf, und dann ging auS dem Brenn-Ofen der Neger, d. h. die Vollkommenheit, hervor.
Gott ließ dann die drei erschaffenen Wesen — den Mauren und den Neger —einschlafen und während ihres Schlafs stellte er eine Börse und ein Pferd neben sie. —Der Erste, welcher erwachte, war der Weiße; er sah das Pferd und die Börse undnahm das Geld.
Der Maure öffnete als der Zweite die Augen; er bemächtigte sich des Pferdes,sprang auf den Rücken desselben und eroberte die Wüste.