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die in seinen Schrecken Hansen! Er sollte einmal mitgehen und einen Sturm ansehenauf dem Funtensee oder ein Gewitter über dem steinernen Meer, und er sollte wohllernen, an die Walkyren glauben!"
„Aber es ist auch des Herzogs Gebot, daß wir Christen sein sollen und sollen nichtmehr an die alten Götzen glauben! Du bist ja auch getauft worden, Vater!"
„So haben sie mir gesagt!" cntgegncte mit fast spöttischem Lächeln der alte Waid-mann und schüttelte das graue Haar. „Ich weiß aber nicht, was das bedeuten soll undbegehre nicht, es zu wissen! Der Herzog Diet hat befohlen, ich soll mich vor demManne im weißen Gewände beugen, und mir Wasser aus's Haupt gießen lassen . . .ich hab' es gethan, weil es Befehl des Herzogs war — aber die paar Tropfen haben,des alten Chricmbcrts starren Sinn nicht wcggewaschen oder geschmeidig gemacht! Inunserer Bergwildniß fragt Niemand, was ich glaube . . . Wie es damit einmal nach.mir werden wird — das weiß und sorg' ich nicht, aber so lang ich lebe, will ich beiden alten Göttern aushalten, die bei mir ausgehalten haben, mein ganzes langes Lebendurch — ich will mit ihnen heimfahren und auch zu ihnen!"
Der Jüngling erwiderte nichts; er hatte den Schwänen nachgesehen, die Plötzlichvon der erst genommenen Richtung abweichend, im Fluge umkehrten und nun hoch überden Köpfen der Männer wieder nach der Wand des Kaunstcins hin schwirrten. EineFeder flatterte herab und siel wie hingcstrcut zu den Füßen des Jünglings nieder. —Dieser bückte sich, sie aufzuheben. „So will ich wenigstens ein Denkzcichcn haben," sagteer, „und mir den Flaum auf den Hut stecken ..."
Ehe er sein Vorhaben auszuführen vermochte, hatte der Alte den Fuß darauf ge-setzt und daS zarte Gefieder in Wasser und Schlamm untergetreten. „Du sollst nicht!"rief er entrüstet. „Lächle nicht und schüttle den Kopf nicht, — spring in den Kahn,stoße ab und danke mir lieber, daß ich Dich warne und vor der Gefahr bewahre! Indem Schwanenkleid und seinem Gefieder sitzt der Zauber . . . hat die Walkyre es abge-legt und ein Mann findet das Gewand und nimmt es zu sich, so muß sie ihm Unter-than sein und gehorchen, bis es ihr gelingt, das Schwancnhcmd wieder zu gewinnen undmit ihm zu entfliehen ... Ist aber ein Mensch thöricht oder unvorsichtig genug, auch.nur ein Fedcrchcn aus dem Gefieder am eigenen Leib zu tragen, so ist er dafür ihr ver-fallen auf ewig . . . Stoß' ab, sag' ich Dir und folge meinem Wort ... ich habe
Dich gelehrt, wie man die Waffen braucht zu Kampf und Waidwerk: Du wirst auch da.Wohl fahren, wenn Du thust, was ich begehre und wenn Dir ein solch' gespenstig Weibin Weg kommt ... sie sind leicht zu erkennen, denn wenn sie auch Menschengestalthaben, sind sie doch gebannt, daß sie immer etwas voin Schwan an sich tragen müssenund wär' es nur ein einziges Fcderchcn . . . Kommt eine Solche Dir in den Weg,so schaue nicht nach ihr, Markulf, mein Sohn: geh' fürbaß und weise den Zauber ab,sonst bist Du verloren ..."
Der Jüngling hatte schweigend mit ungläubigem Lächeln zugehört und indessen dieRuder am Kahne völlig zu recht gemacht. „Es wird mir Keine in den Weg kommen,"sagte er halblaut und machte den ersten Rudcrzug.
„Das walte Dein gutes Glück," rief der Alte, „Du bist ein ungläubiger Thor»der über die Gefahr lacht, weil er sie nicht kennt! Wolle' ich Dir erzählen, was ich
noch in diesen Tagen geschaut, Du würdest wohl anders reden... So fahre denn zu
und bringe mir ein tüchtig Netz voll Salmen heim! Und wenn Du um die Secwandherum fährst in den untern See, so sich' zu, daß Du Dich rechts haltst, nicht zu weitlinks, gegen die Atmend hin... es gibt Untiefen dort, an denen Du stranden könntest...
Markulf hörte die letzten Worte nicht mehr: einige kräftige Züge hatten genügt, ihnaus dem Bereich der Rede des Alten zu bringen; dieser aber blieb stehen und folgte mitdemÄikgen', bis der Nachen die vorspringende Secwand erreicht hatte, und um dieselbevorbeugend verschwunden war. Glossen lnpsie- er dann das im Gürtel steckende breite