Ausgabe 
28 (12.4.1868) 15
 
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Beil, wie um zu erproben, daß es leicht und handlich zu haben sei, wenn eS dem er-warteten Bären belieben sollte, den Kampf in nächster Nähe aufzunehmen; dann legte erden Spieß gemächlich über die Schultern, und schritt links am Felshange des Gestadeshin, auf schmalem Steinpfad, in allerlei Windungen, oft hoch über dem Wasser schwe-bend, gleich einem an's Gestein sich anklammernden Vogel, bald hernieder steigend bis andessen Rand, wo derselbe thurmtief und senkrecht abstürzt in die unheimlich grün darüberwallende Flut.

(Fortsetzung folgt.)

(Aus der alten Zeit.) In deutschen Blättern kursirt jetzt folgende Anekdote:Das erste Ruhekissen des verstorbenen Königs Ludwig I. war sonderbarer Natur. Derselige König wurde bekanntlich am 25. August 1766 in Straßburg imZweibrücker-Hos" geboren. Sein Vater war der Prinz Maximilian von Zweibrückcn, und der KönigLudwig XVl. von Frankreich wollte selbst einer der Pathen des Sohnes des PrinzenMaximilians sein. Die überlebenden Zeitgenossen dieser Taufe erzählten in dieser Be-ziehung eine originelle Anekdote, welche Herr Piton in seinem Werke8tra8bour§illustre^ erwähnt. Als Prinz Maximilian einige Tage nach der Geburt seines Sohnessein Regiment musterte, war er sehr erstaunt, die Grenadiere des Infanterie-RegimentsElsaß ohne Backen- und Schnurrbärte zu sehen, welche die Zierde ihrer Gesichter gewesenwaren. Wer hatte denn, ohne Einwilligung des Prinzcn-Obcrsten, eine solche Licenz zuertheilen gewagt? Der Prinz gericth in Aufregung wegen dieser Insubordination, alszwei Unteroffiziere des Regiments vortraten und ihrem Oberst ein kleines Kiffen über-reichten, welches, anstatt mit Federn oder Roßhaaren, mit den Schnurr- und Backen-bärten der Grenadiere des Corps gepolstert war. Der Prinz lachte sehr über dieseHuldigung, sichtlich einzig in ihrer Art. So jasticf denn Ludwig I. in seiner Kindheitauf einem mit militärischen Schnurr- und Backenbärten gefüllten Kopfkissen. Trotzdemhat er nie eine rechte Neigung für das Militär bekommen.

(Ludwig I. als Philhellene.) Von Rom aus machte König Ludwig 1836einen Abstecher nach Athen zu feinem Sohne Otto, dem Opfer der väterlichen Vorliebefür die Classicität. Die Akropolis besuchte er fast täglich, und selten verließ er diesenGipfelpunkt des Hellenenthums, ohne einen Stein, als Bruchstück eines der ehemaligenZierden derselben, mitzunehmen. Die ganze Sammlung warf bei der Abreise derKammerdiener weg. König Ludwig unterhielt sich in seiner Weise gern mit den deutschenSoldaten, die in Bayern für Griechenland angeworben worden waren, aber er wolltekeine Klagen hören. Einem dickbäuchigen Feldwebel, der in Athen auf die Frage:Wiees gehe?" antwortete:Schlecht, Jhro Majestät!" sagte der König:Fehlt halt dasMünchener Bier. Mir geht es auch nicht zum besten, hab' wenig Dank vom Landtagdaheim." Als etliche Soldaten über das Essen klagten, bemerkte der König und dies istsehr charakteristisch:Ich kann nicht begreifen, warum ihr klagt; auf meine Tafel inMünchen kommen Oliven als Seltenheit, und hier ißt sie der gemeine Soldat!"

* (Wer hat den schlechtesten Hut?) Zur Eröffnungs - Feier des inter-nationalen Casino's in Nizza hatte sich auch König Ludwig I. eingesunken. Er warbekanntlich gewohnt, frühzeitig zu Bette zu gehen, und als er sich deßhalb um zehn Uhrentfernen wollte, konnte man seinen Hut, der im Trouble des Empfanges verlegt wordenwar, lange nicht finden. Der König ging ungeduldig hin und her und rief:MeinenHut, meine» Hut!" Alles suchte bestürzt nach dem Hute des KönigS und in derkomischen Verwirrung, die hiedurch entstand, erblickte König Ludwig seinen Flügcladjutan-