U9
ten: „Laroche!" rief er, „Laroche, sucheu Sie doch auch meinen Hut! er ist ja leichtfinden, eS ist der schlechteste, der allerschlechteste!"
(Ein verkannter Dichter.) Von dem verstorbenen König Ludwig I. vonBayern wird eine noch wenig bekannte Anekdote mitgetheilt. Einige Tage, nachdemKönig Max II 1853 den Maximilians-Orden für Kunst und Wissenschaft gestiftet, be-gegnete der alte Herr dem Ministerial-Rath Daxenbergcr, der unter dem Namen KarlFcrnau einige Poesieen veröffentlicht hatte und Privat-Secretär des Königs gewesen war.„Ah, gratulire," redet er ihn an, „gratulire! Mein Sohn hat Ihnen den neuenOrden verliehen. Aber ich habe ihn nicht bekommen, und doch sind Ihre Gedichte umkein Haar bester, als die mcinigen — lauter Bavel!" Sprach's und ließ den ver-dutzten Kunstordcnsritter erbarmungslos stehen.
(König Ludwig I. und ein vergessener Gelehrter.) Als im Jahre 1855Dr. Ludwig Arndts , damals Professor und Rector an der Ludwig-Maximilians-Univer-sität in München , zur Stiftungsfeier die Rcctorsrede zu halten hatte, erwähnte er unterden Berühmtheiten der Universität in einer Note auch des im 17tcn Jahrhundert leben-den großen Mathematikers und Astronomen Chr. Scheiner, der unter Anderem zuerst dieSonnenflecken beobachtet hat, und sprach seine Verwunderung aus, daß derselbe in dervon König Ludwig gegründeten bayerischen Ruhmeshalle keinen Platz gefunden habe. —Der König, der solche Publikationen immer aufmerksam las, war über diese Stelle sehrerregt; es griff ihm an's Herz, einen bayerischen Gelehrten von Verdienst und Namen inder That vergessen, ja gar nicht gekannt zu haben. Schon in den nächsten Tagen ließer den Rector Arndts zu sich rufen und fragte ihn umständlichst nach den Werken undder Bedeutung Scheiner's. Glücklicherweise fand sich auch in einem alten Schweinslcder-Bandc nach der Sitte jener Zeit das Bild des berühmten Mannes in Kupfer gestochen,und nun trug König Ludwig Sorge, das Vcrsäumniß gut zu machen. Da ProfessorArndts inzwischen einer Berufung nach Wien gefolgt war, so richtete er an diesen einenBrief, der sowohl dem hohen Briefsteller als dem Empfänger gleich sehr zur Ehre ge-reicht. Wir können ihn im Wortlaute mittheilen: »
Herr Professor Arndts, die Feder ergreife ich, Sie in Kenntniß zu setzen, daß, was Ihre hiergehaltene letzte (leider letzte) Rede, Scheiner betreffend enthält, mied bestimmte, dessen marmornesBrustbild für Bayerns Rubmcshalle anzuordnen, und daß sie bereits da aufgestellt ist. Ein em-pfindlicher Verlust für Münchens Hochschule bleibt es, daß Sie nicht mehr an ihr lehren. Männervon Arndts Wissen und Gesinnung, solcher bedarf es. Sie nicht mehr ein Mitglied derselbennennen zu können, bedauert sehr Jbr wohlgeneigter
(Wie man in China Tauben vor Raubvögeln bewahrt.) In der Nähe vonPecking werden große Mengen von Tauben gehalten. Wenn diese in großen Masten sicherbeben und herumschwärmen, so erschallen verschiedenartige ganz eigenthümliche Töne; auchsieht man sonderbarer Weise dieselben von keinem Raubvogel angegriffen, obschon deren vielesie verfolgen. Um nämlich die letzteren für die Tauben unschädlich zu machen, haben dieChinesen eine eigenthümliche Vorrichtung au diesen angebracht. Es werden ihnen kleine, ausBambusrohr oder kleinen Kürbissen construirte Pfeifchen von verschiedener Größe angehängt,welche dann in Folge des Eindringens des Windes die verschiedenen Töne verursachen unddie Raubvögel verscheuchen. Diese kleinen Pfeifchen, die kaum '/< Quentchen wiegen, werdenmittelst starken Fäden an den Schwanzfedern angebunden, hauptsächlich jenen Tauben, diegewöhnlich an der Spitze des Schwarmes fliegen. Die Pfeifchen sind gefirnißt, um den Ein-flüssen der Feuchtigkeit und Trockenheit widerstehen zu können. Außer dem Nutzen, den dieseEinrichtung bringt, haben die Chinesen auch große Freude an diesen oberirdischen Concerten.