Ausgabe 
28 (12.4.1868) 15
 
Einzelbild herunterladen

120

(Wunderbare Rettung.) Die Zeitung für Pommern läßt sich aus Colberg folgendeWunderbare Geschichte schreiben: Am letzten Dienstag Nachmittags spielten mehrere Knaben-sn der beim Mühlenthor befindlichen Brücke iu der Nähe der Mühle des Hrn. W. hieselbst.Einer derselben, der Sohn eines Predigers M. in unserer Nähe, ist so kühn, sich bei diesemSpiele auf ein hölzernes Dach zu wagen, das zum Schutze eines an der dortigen Mühle befind-lichen Mühlrades von zwanzig Fuß Durchmesser angebracht worden ist, welches letztere sichiu diesem Augen blicke in voller Thätigkeit befindet. Das Dach ist alt und morsch, undals der Knabe sich gerade über dem Mühlrade befindet, bricht er durch und fällt auf das invollem Schwünge befindliche Mühlrad, fällt aber auf eine Stelle desselben, an der zufälligmehrere Schaufeln fehlen, stürzt 20 Fuß tief in das Innere des sausenden Rades hinab undkommt gerade in dem Momente auf der anderen Seite an, in welchem dieselbe schadhafte Stelle,durch die er in das Innere des Rades gelangt ist, sich hier von neuem ihm öffnet und ermit furchtbarer Gewalt, durch die Wasserschnelle des sich bewegenden und schäumende Wogenschlagenden Rades befreit,weit fortgeschleudert wird an eine dort befindliche Mauer. Hiersind, durch das Geschrei der Umstehenden aufmerksam gemacht, Personen aus der Mühle her-beigeeilt, welche mit Stangen, die sie dem Versinkenden entgegenreichen, bemüht sind, ihnherauszuziehen. Die Kraft des Knaben ist indessen nicht mehr stark genug, die Stange zu er-greife»; er sinkt und ist nur dadurch dem Tode des Ertrinkens entgangen, daß ein Landmannsich mit Hilfe einer Leiter ins Wasser begab und so den Knaben rettete

(Revanche für Pavia.) In England stellte eine Dame bei jedem neuen Dienst-boten, den sie bekam, eine Probe der Ehrlichkeit an, indem sie ein Geldstück in einer Weiseirgendwo hinlegte, daß es als verloren oder vergessen angesehen werden konnte. Die meistenDienstmädchen behielten das Geldstück, dann aber machte die Dame Lärm und überlieserte siedem Gerichte. Manche davon kam nicht mehr aus der Verbrechersphäre, in welche sie dadurchgerieth. Eines dieser Mädchen heirathcte nachher einen Erzgauner und es wurde ein Rache-plan verabredet. Als die Dame wieder ein Mädchen suchte, ward ihr ein schlaues, in dieVerschwörung eingeweihtes Geschöpf zugesendet, das sie auch nahm. Dieses Mädchen ließ dashingelegte Geld liegen, aber im Besuchzimmer der Dame, wohin immer Geschäftsleute kamen,eine Fünfzigpfundnote fallen. Die Dame hob sie aus und verwendete das Geld zu ihremNutzen; sie glaubte, ein Geschäftsmann habe diese Note verloren. Kaum hatte sie aberdieselbe ausgegeben, ward sie« verhaftet und in Untersuchungshaft gesetzt, denn die Notewar gefälscht. Die Gauner konnten aber nicht stille sein und es kam endlich heraus, wiedie Sache sich zugetragen.

Ein Pariser Theaterblatt erzählt von dem jüngst verstorbenen französischen Dramen-Dichter Marc-Michel nachstehende Anekdote. Im Theater des Palais-Royal wurde einStück dieses Autors unbarmherzig ausgepfiffen. Das Unglück wollte, daß Marc-Michel,der der Aufführung beiwohnte, gerade neben einem Menschen stand, der den Hauptscandalmachte, indem er auf seinem Hausschlüssel pfiff. Um sich zu rächen, bat er den Pfeifer umdiesen Hausschlüssel, indem er ihm weißmachte, er wolle darauf noch einen weit stärkeren Lärmmachen. Kaum aber hatte der Verfasser des unglücklichen Stücks den Schlüssel, so drängteer sich durch die Masse und verschwand.Der Kerl soll wenigstens die Nacht auf der Straßebleiben," rief er triumphirend aus.

Frage: Weßhalb sind die Diebe klüger, als die Aerzte.

Antwort: -yhzj UMzz m q Kva, ^ussiim spsi ^tuhMsm oarquosiai osi uuoai zuM

Auflösung der Charade in Nr. 13

Freigeist."

Druck, Berloa und R-d°lti°n de« Ut-r-rttch-n JustilutS von vr. M. Hutller.