Ausgabe 
28 (19.4.1868) 16
 
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Nr. 1«.

- 19. April 1868.

Arrgsburger

Der Teufel kann sich auf die Schrift berufenEin arg Gemüth, das heil'ges Zeugniß vorbringt.

Ist wie ein Schalk mit Lächeln auf der Wange,

Ein schöner Apfel, in dem Herzen faul.

O, wie der Falschheit Außenseite glänzt!

Shakespeare, Kaufmann von Venedig A. l. 3.

SancL Jarthelmä.

' Eine Dorfgeschichte aus alter Zeit.

> (Fortsetzung.)

In dem kleinen Rasen-Eiland, das, wohl allgemach aus dem herabgeschwemmtenGeröll der Eisbäche entstanden, in einer Einbuchtung des Watzmanns wie eingebettetliegt, war es indessen nicht minder still; das Bild, das sich dort entrollte, war nochruhiger und auch anmutiger, als daö am obern Ende die beiden Männer unter demUebcrhange des Kaunsteins geboten hatten. In sanfter Senkung stieg das reich begrünteGelände gegen den See hinab, der mit wohlgefälligem Plätschern um den Kies desseichten Ufers zu spielen schien, in leicht vorspringendem Bogen schweifte es tief in denSee hinein, daß die Fahrbahn zwischen ihm und der gerade gegenüber sich aufthürmendenSeewand nur eine unbeträchtliche Breite hatte. Es war unmöglich, daß ein Nachenhindurch oder vorüber konnte, ohne bemerkt zu werden: es bedurfte sogar nicht einmalbesonders scharfer Sinne, um die Gesichtszüge der vorüber Fahrenden zu erkennen undjedes Wort zu vernehmen, das sie etwa miteinander sprachen. In dem hohen glänzen-den Grase lagen und wanderten Kühe weidend hin und her, kleine nicht eben ansehnlicheThiere mit kurzem stumpfem Gehörn, aber munter und kräftig und von schöner tiefbraunerFarbe, die durch den gleichmäßigen weißen Stern am Kopf und den sich fortsetzendenRückenstreifen noch mehr hervorgehoben wurde. Dazwischen liefen Lämmer und Schafeherum und in dem Hain von Buchen und Ulmen, der in einiger Entfernung den Weide-platz wie eine Umzäunung abgrenzte, sprangen einige Ziegen zwischen den Stämmenherum, und suchten sich Blatt und Blütendolde der Zaunrübe herabzureißen, die hie undda sich wie zierliches Gewinde und Behäng aus dem untern Buschwerk emporgearbeitetund am Gezweige festgcrankt hatte.

Etwa in der Mitte des Platzes, aus einer kleinen Anhöhe, erhob sich eine hölzerneHütte, geräumig genug, bei einbrechendem Unwetter dem Almvieh ein Obdach zu geben,aber mit einfachster Kunst aus übereinandergelegten Balken erbaut und im Giebel mit^ solchen gedeckt. Die Ritzen und Fugen waren mit Moos und Rinde verstopft, das Dach

^ durch Steinblöckc festgehalten, welche das Gebälk in die Fugen einschweren mußten. An

der vordem Seite ließ die offen stehende Thüre ein kleines abgesondertes Gemach erkennen,worin ein feuergcschwärztcs, oben abgeplattetes Felsstück die Stelle des Herdes, ein PaarStücke eines Baumstamms jene von Tisch und Bank vertraten: in der Ecke war aus Heuund Blättern ein Lager aufgeschüttet und von einer darüber gebreiteten Wilddecke zusammen-

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