Ausgabe 
28 (19.4.1868) 16
 
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cs ist eine Glocke und kein Zaubermittcl . . . Darum laßt die Walchendirn , VaterChricmbert, und geht Eure Wege!"

Der Alte stand unschlüssig.Willst mich fortwcisen?" sagte er dann.Willstmir gebieten, die Hörige einem Freien?"

Ueber das Gesicht der Sennin flog eine augenblickliche Wallung des Unmuths.Eine Hörige?" sagte sie dann.Ja, ich bin's weil Eure wilden Vorfahren dieMeinigcn, die in diesen Bergen seit Jahrhunderten sich angesiedelt und aus der Wildnißein blühendes Land geschaffen hatten, überfallen, verdrängt und vernichtet haben!Ja, ich bin eine Hörige aber nicht die Eure! Ich bin es nicht an diesem Orte!Hier steh' ich auf der Walchen-Atmende, auf Grund und Boden derer von der Roms-Au, die mich zu ihrer Sennin bestellt haben und darum biet' ich's Euch, daß Ihr nichtden Frieden der Gemarkung stört oder ich sorge, daß Ihr der Gemeinde dafür büßt...auch für den freien Barschalken gibt es ein Gesetz!"

Verstelle Dich, wie Du willst!" entgegnctc der Alte nach kleiner Pause in etwasmilderem Tone.Ich weiß doch, was ich von Dir zu denken und zu glauben habe...aber gib meinen Sohn los: laß meinen Markulf frei und ich will nicht weiter fragennoch wissen, was Du treibst!"

Was kümmert mich Euer Sohn?" fragte das Mädchen rasch und erglühend.Ich will nichts von ihm! Er hat beim Waidgang in der Sennhütte in der WalchcnAlmende gastlich eingesprochen, wie mancher anderer Jäger und Bergfahrer . , . Ver-bietet es ihm, so es Euch gefällt, so der Sohn des freien Barschalkcn sich gebieten läßt!"

Er wird und muß!" rief zürnend der Alte.Noch ist er nicht mündig istnoch in meinem Haus . . . aber wohl weiß ich, daß Warnung und Gebot nicht nützt,

wenn Du ihn nicht frei gibst aus der Gewalt, in die Du ihn gezogen!"

Das Mädchen hatte sich wieder gefaßt.Das thu' ich nicht und hab' ich nie ge-than!" sagte sie ernst.Markulf, Euer Sohn, dünkt mich ein wackerer Gesell, dem ichalles Gute gönne und wünsche weiter haben wir nichts miteinander zu schaffen,unsere Wege führen nicht zusammen!"

Wer der glatten Rede trauen dürfte!" entgegnete Chricmbert, indem er sie for-schend betrachtete.Das ist es. Deines Stamme Erbtheil, womit Du zu verlocken

weißt . . . wenn es Dein Ernst ist, was Du sagst, so schwör' es mir zu in meine

Hand . . . Gelobe mir, daß Du ihn fürder nicht an Dich locken willst!"

Ich thue, was ich für Recht halte und hab' cs immer gethan, ..." sagte dasMädchen fest und entschieden.Wollt' ich Euren Sohn au mich locken, cS wär' einUnrecht, das unterlasse ich, auch ohne Gelöbniß und Schwur!"

Du weigerst cs?" rief Chricmbert, Plötzlich wieder in ernstem Zorne aufbrausend,weil Du Dich nicht binden, weil Du ihn nicht lassen willst! Wohlan, so gelob' ichDir Hinwider bei Donar und seinem heiligen Hammer ich will ihn von Dir losmachen, gelte cs, was es wolle! Ich will ihn eh' todt zu meinen Füßen sehen, alslebend in Deinen Armen! . . . "

Auch Ihr mögt thun, was Euch recht bedünkt," sagte sie,ich trotze nicht, aberich fürchte Euch nicht ... Ich bin eine Christin . . . hier ist mein Schuh ... derHerr wird mit Placida sein ..."

Dein Schutz?" brüllte der Alte und seine Augen rollten und glühten im Abglanzejener besinnungslosen Wuth, die nach der Sage furchtbarem Bericht den Berserker fort-gerissen zu grauenvoller That.Also ist hier Dein Zauber verborgen? Das sollst Dumir nicht umsonst verrathen haben und so wahr dieß Zeichen unter meinen Händen fällt..."

Er hatte das Beil vom Gürtel gerissen und drang, es hoch übcr'm Haupte schwin-gend, auf das Kreuz ein. Placida erwiderte nichts; sie regte sich nicht in ihrerganzen Höhe aufgerichtet stand sie vor dem Stamm mit befehlendem Blick und gebieterisch