Ausgabe 
28 (19.4.1868) 16
 
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ausgestreckter Hand. Von dem Glctschcrhorn des KaunsteinS siel rother Widerschein aufsie herüber, als wäre es ein Zauberlicht, womit eine höhere Macht sie umgab...Geblendet ließ der Alte das Beil sinken und eilte davon.

(Fortsetzung folgt.)

Zur Geschichte der weiblichen Haarmoden.

In den frühesten Zeiten trugen die Frauen das Haar schlicht, bis der ihnen ange-borene Trieb, sich zu schmücken, sie zu der Fertigkeit brachte, dasselbe auf mannichfaltigeWeise zu ordnen nnd zu flechten. Lange Zeit bedeckte man den Kopf nur mit einemSchleier; die Griechinnen und Römerinnen hielten ihr Haar durch goldene und silberneNadeln zusammen, durchflochtcn es mit goldenen Kettchen oder umwanden dasselbe mitrothen und weißen Binden. Auch puderte man den Kopf mit Goldstaub.

Die rothblonden Haare der Alemannen bildeten eine so wesentliche Schönheit desweiblichen Geschlechts, daß Brünetten, welche nicht so glücklich waren, ihrem Haar durchTinktur eine solche Farbe beizubringen, dasselbe lieber abschnitten und eine blonde Perrücketrugen. Diese Sitte war so allgemein geworden, daß die Dichter voll Begeisterung vonden (oft falschen) rothen oder blonden Locken ihrer Herzensköniginnen sangen.

Die römischen Schönen wechseln mit diesen erborgten Zöpfen mehrere Male desTages; sie hatten besondere für die Morgentoilette, andere für die übrige Tageszeit undfür hohe Festlichkeiten.

Dieser Gebrauch erhielt sich sehr lange unangefochten, bis im Jahre 692 das Konzilin Konstantinopel alle diejenigen mit dem Kirchenbann bedrohte, welche falsche Haaretragen würden. Doch behauptete trotz alledem der falsche Haarschmuck seine Herrschaft.Petrus Lombardus nennt ihn noch im zwölften Jahrhundert einegräuliche Entstellung",eineverdammcnswerthc Unverschämtheit". Alexander Alesius (ft 1215) und Bernhard deVienne erklärten ihn für eine Todsünde, und der heilige Panlin versicherte, der Herrwerde die Frauen, die dergleichen trügen, demüthigen, indem er sie zu Kahlköpfen machenwerde.

So vielen Anfeindungen gaben die Damen endlich Gehör und adoptirten wieder denSchleier, der bis auf die Schultern reichte und alles Haar verhüllte; Königinnen undPrinzessinnen trugen darüber ein Diadem, Wittwen dagegen eine Kopfbinde, welche dieStirn bedeckte, auch über Wangen und Gesicht herab hing und Hals und Brust verhüllte.

Hierauf folgte die Mode derSchlapphütc", die sehr breit und mit Perlen reichbesetzt waren. Unter Ludwig dem Schönen (ft 1314) und seinen Nachfolgern kam beiden Damen ein Kopftuch in Flor, das die Gestalt eines enormen Zuckerhutes hatte, vondessen Kegel ein Gazeschleier niederwalltc, wobei das Haar noch immer sichtbar blieb.Jsabella von Baicrn, Gemahlin Karls VI trug Bonnets, wie die späteren zweistutzigenHüte der Männer geformt; von den stark aufgebogenen Enden hing ebenfalls ein langerKreppschleicr mit Franzen bis auf den Gürtel herab. Weil sie ungeachtet der kriegerischenUnfälle diesen Luxus nicht aufgab, ward sie nolvns volens eingesperrt.

Diese Kopfgebäudc wurden unter Karl VIII . um einige Stockwerke niedriger, bis sieunter Ludwig dem VIII. gänzlich verschwanden, um einer einfachenSchwanzkappc" oderCapuchon Platz zu machen.

Aus einer Klcidervcrordnung zu schließen, die der Rath zu Brcslau 1453 publicirte,müssen die damals üblichen Hauben den Thürmen ähnlich gewesen sein; denn es heißt:Itvm : Die Frauen sollen ablegen die großen ungewöhnlichen Hauben, und nicht größerals eine halbe Elle lang tragen, welcherlei sie tragen wollen, und sollen keine Pcrlins(Berliner) Hauben tragen; welche dawider handelt, soll eine Mark Strafe erlegen."

Unter Franz I. fingen die Damen an sich zu frisiren, und trugen einen spani-