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Vor Ingrimm schrecklich brummend, verfolgte Petz seine Peiniger, die sich jedochglücklich retteten und die Thür verrammelten; da ihm die Schuldigen entgangen waren,tobte er durch's Kloster, einen neuen Gegenstand seiner Rache suchend. In wilder Hastsuchte sich Alles vor dem wüthenden Thier zu retten und verbarrikadirtc sich förmlich inden Gebäuden.
^ Man versuchte nun mit vieler Mühe und den zärtlichsten Schmeicheluamen, Petz
auf friedlichere Gedanken zu bringen.
Aber vergebens!
Brauchte seine natürliche, lang verhaltene Wildheit einen Ausbiuch, hielt er sammt»liche Mönche für milschuldig an dem Komplott oder fürchtete er endlich eine harteStrafe? — Nichts konnte ihn besänftigen.
Endlich, nachdem er lange genug herumgetobt hat, zieht er sich nach dem Zimmer»Hof zurück, klettert auf einen Haufen Holz und setzt sich dort in Vertheidigungs-Zustand.Man hütete sich indeß, ihn anzugreifen und ließ ihn ruhig in seiner Beste sitzen.
Was aber alle Schmcichelnamen nicht vermochten, bewirkte der Hunger.
Als der Magen gar zu arg knurrte, kroch er zu Kreuz, stieg gemüthlich herunterund ließ sich ruhig ergreifen und an die Kette legen.
'(Die Erfindung der Knhp ockenimpfung.) „Ich bin geschützt vor Mcn»schenblattern", sagte eine Bäuerin (1768) zum Chirurgen Ludlow, Jenners Lehrherrn,„denn ich habe die Kuhpocken überstanden; das wissen wir Melkerinnen aus uraltenZeiten". Des Weibes Rede wurde dem Lehrlinge zur «immer schweigenden Mahnung,die Wahrheit dieser Volksbeobachtung zu ergründen und zur praktischen Anwendung zubrngen. Im Jahre 1776 beginnt er seine Untersuchungen in den Maiereicn vonGloucestcrsl-ire. Reichliche naturhistorische und vergleichend-anatomische Kenntnisse befähig-ten ihn zur Lösung der gestellten Aufgabe. Nach mehr denn zwanzigjähriger Forschung,nach langsam reifendem Entschlüsse -— denn noch 1789 impfte er den eigenen Sohnmit Mcnschenblattern, nach Beseitigung aller immer wieder aufsteigenden Zweifel undBedenken schreitet er zu der segensreichen That. In seinem Geburtsorte Berkeley, einemFlecken der Grafschaft Gloucefter impfte er am ewig denkwürdigen Ick. Mai 1796 denachtjährigen James Philipps von dem Milchmädchen Sara Rilms, welche sich beimMelken einer pockenkranken Kuh an ihrer von Kornähren geritzten Hand angesteckt hatte.Glücklich war der Erfolg. Die Geschichte nennt den genannten Tag den Geburtstag derSchutzpockenimpfung. Nach zwei Monaten, den 1. Juli, wurde zur Gegenprobe desExperiments der Knabe mit ächtem Blatternstoffe geimpft, die gleiche Impfung später-wiederholt: in keinem Falle kamen die Blattern. Die günstigen Resultate dieser und derim folgenden Jahre fortgesetzten Impfungen veröffentlicht Jcnner in einer eigenen, welt-berühmt gewordenen Schrift, im Jahre 1798 bringt er sie nach London . Groß ist dasAufsehen, welches sie erregt. Sein Genius spendet der Menschheit das uralte Volksmittelzur bleibenden Wohlthat für alle Zeiten. Keine Entdeckung fand jemals eine. lebendigereTheilnahme und eifrigere Nachahmung. Nach kaum einem Jahre waren über 19,000Menschen in London vaccinirt. Unter denselben waren über 5000 an der öffentlichenImpfanstalt (.Iknnviiau 8uc>Ll>^) mit ächten Mcnschenpocken inokulier und — in derThat Alle wurden für dieselben unempfänglich gefunden. Mit Blitzesschnelle wuchs dasInteresse für Jenners Jmpfmcthode; daß alle Vaccinirten bei den Pockenepidemieen ver-schont bleiben, alle Nichtvaccinirten von den Blattern befallen werden, bestätigte die täglicheErfahrung. Dies entsprach selbst dem schlichten Verstände des Volkes. Daher dieImpfung der Kuhpockcn sich mit unglaublicher Schnelligkeit überall ausbreitete: nicht nurin Europa , sondern auf der ganzen Erde, wohin dieses Welttheiles Civilisation vorge-drungen war, fanden ihre großen Segnungen baldigsten Eingang. Die erste Impfungin Deutschland vollzog zu Wien am 30. April 1799 de Ferro an seinen Töchtern und