Ausgabe 
28 (19.4.1868) 16
 
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bald darauf dc Carro an seinen Kindern. Im Jahre 1801 war daselbst das ersteSchutzpockenimpfungsinstitut gegründet. Eine gleiche Anstalt wurde am 5. Dezember 1802in Berlin unter der Leitung desalten" Stein eröffnet, nachdem bereits Frankreich ,Italien, die Schweiz mit gutem Beispiele vorausgegangen waren. Im Jahre 1800 und1801 war die Knhpockenimpfung in den meisten Landern Europa's bis Konstantinopel,Bagdad und nach Rußland ausgebreitet. In letzterem Lande war die Kaiserin -Mutterihr eine besondere Gönnerin. Bald genossen auch die übrigen Wclttheite ihre Früchte:1800 kam die Vaccination nach Nordamerika, 1802 nach Ostindien, Java, Grönland ,1806 nach Kalifornien u. s. w.

Welche drei Schlachten werden als die blutigsten unter allen auseuropäischem Boden vorgekommenen bezeichnet? l) Die Schlacht in denCatalannischen Feldern bei Chalons an der Marne (die Marne , ehemals Matrona ge-nannt, ist ein rechter Nebenfluß der Seine) im heutigen Frankreich zwischen dem Hunnen-könige Attila auf der einen und den verbündeten Römern (unter Aätius), Westgothen,Franken , Alanen und Sachsen auf der andern Seite. Sie ward im Jahre 451 n. Chr.geschlagen und fiel für die Hunnen ungünstig aus. 162,000 Todte deckten nach wenigStunden die Wahlstatt. Vom Blute soll ein kleiner Bach angeschwollen sein. 2) DieSchlacht, welche die Franken unter Karl Martell den Arabern oder Mauren unter demlhalifischen Statthalter Abdorrahman lieferten. Es geschah dies an einem Sonnabendim Oktober des Jahres 732 zwischen den französischen Städten Poitiers und Tours.Allein von den Arabern blieben 375,000 Mann auf dem Schlachtfelde, unter denen sichder besiegte Held Abdorrahman befand. 3) Die auf dem Lechselde stattgehabte Schlachtder Deutschen unter Kaiser Otto I. mit den Ungarn . Sie wurde am 10. August 955geschlagen. Von dem aus mehr als 100,000 Mann bestehenden ungarischen Heere sollen,nach der Versicherung des Otto von Freisingen , nur sieben Mann ohne Nasen undOhren als Hiobsboten nach Hause gekommen sein. Auch die Deutschen erlitten fürchter-liche Verluste. Das Blut rann von der Wahlstatt.

(Napoleon I >k. ehemals Pflasterer.) Unmittelbar nach der Julischlacht vou1848 ging eio junger Mann durch die Vorstadt St. Antvine, wo di^elben Leute, ine wenigeTage vorher das Pflaster zum Barrikadenbau aufgerissen, beschäftigt waren, die Pflastersteinewieder in Ordnung zu bringen und die Straßen von Paris wieder gangbar zu machen.Kaum befand er sich in der Mitte der Leute, als eine alte Frau plötzlich ausrief:Der jungeHerr da mit den gelben Handschuhen thäte auch bester, wenn er uns helfen würde, ldasPflaster in Ordnung zu bringen."Sie haben Recht, meine gute Frau," war seine Ant-wort,ich bin gekommen, um die Ordnung wieder herzustellen und das Pflaster an seinenalten Platz zu setzen." Damit übergab er seinem Bedienten seinen Spazicrstock und seineHandschuhe, nahm einen Pflasterstein, fügte denselben gehörig an Ort und Stelle ein undging hierauf, eine erstaunte Menge hinter sich zurücklassend. Dieser Pflastertreter war LouisNapoleon Bonaparte , heutzutage Kaiser der Franzosen.

Charade

( Dreisilbig.)

O wie so gerne unterhält,

Las Erste schauend stundenlang,

Sich überall die Kinderwelt.

Wie wird bei Zweitem angst und bangAuch manchem, den sonst Muth beseelt.Wie fand beklagten UntergangDes schönen Viel zu einer Zeit,

Da mit der größten HeftigkeitAch über's Erste, das so fein,

So zart, das Zweite brach herein.Das Ganze? man nun Frage stellt:Ein Faktum, das uns Zeugniß gibt,Was blinder Eifer dann verübt,Weun rohe Macht sich beigesellt.

Druck, V-rlao und Ardakiion deS ltt-r.irischcn Instituts von 0r, W Huuier.