Ausgabe 
28 (26.4.1868) 17
 
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Nr. ir.

26. April 1865.

Angsbnrger

Etwas fürchten und hoffen und sorgenMuß der Mensch für den kommenden Morgen,

Daß er die Schwere des Daseins ertrageUnd das ermüdende Gleichmaß der Tage,

Und mit erfrischendem WindeswebcnKräuselnd bewege das stockende Leben.

Schiller.

SancL Jarihelmä.

Eine Dorfgeschichte aus alter Zeit.

(Fortsetzung.)

II.

Unter den Trümmern.

Herrlich verglühte der Abend des nächsten Tages über dem weiten, flachen Grunde,der von Gebirgen umrahmt, sich zwischen Säle und Salzach, den stürmischen Berg-flüssen erstreckt. Weites grünes Weideland wechselte mit braunen Moorstrichen, in denenBäche blitzten und breite Wassertümpel schimmerten; zwischcnhin zogen Gebüsche undStreifen dunkelgrünen Waldes darüber im wcitgcschlungenen Kranze trugen der breiteStaufen, der hohe Göhl, der wundersame Untersbcrg und der eingebrochene Watzmann die einsamen Häupter stolz empor in den bläulich rothen Abendduft.

Wo die Salzach sausend zwischen zwei nahegcrücktcn Hügeln sich hindurch drängt,stieg das rechte Gestade nach kurzer Ebene bald aufwärts, den Abhang hinan, in über-einander aufsteigenden, bald schmäleren, bald breiteren Einschnitten und Abplattungen,deren Regelmäßigkeit allein schon hinreichte, ihre künstliche Entstehung zu bezeugen; eshätte hiezu der Trümmer verfallenen Maucrwcrks nicht bedurft, welche, überall zerstreut,von einem reichen bewegten Leben Künde gaben, das einst hier gehaust, aber vom Stromeder Zeit hinweggcspült war, wie auf überschwemmtem Lande, aus dem Stcingcröll empor-ragend, hie und da nur noch ein karger Strauch oder ein verkümmernder Baum von derPracht und dem Segen der Fluren erzählt, die einst unter dem Werke der Verwüstunggegrünt. Der Boden war überall mit üppigem Grase, mit Gestrüpp und raiskcndcmGewächs bedeckt, das an geborstenen, halb eingesunkenen Wänden, über Säulentrümmcrnund Tropfsteinen Halt genug fand, einzuwurzeln und aufzuklimmen. Wo es der Raumgestattete, waren Tannen und Ulmen emporgewachsen, durch Stämme und Kronen bewei-send, daß mehr als ein Jahrhundert vorübergegangen, ohne daß eine Menschenhandihrem Wachsthume gewehrt und ihnen den gewählten Standort streitig gemacht hatte.Ganz oben vom Gipfel des Hügels schauten als krönender Abschluß die Reste halb-verfallener viereckiger Thürme und riesenhafter Wehrmauern hernieder, als wäre es nochihre Pflicht, den Heerwcg zu bewachen, der längs des Stromes dahinzog, eine kümmerlicherhaltene, mühevoll steinige Bahn.

Am Wege stand ein einfaches ländliches Gehöft, umgeben von einem Gehege starkeroben zugespitzter Pfähle, unter sich durch dichtgeschloffencs Weidengeflccht verbunden. DasHaus, nur aus einem Erdgeschoße bestehend, war schlicht aber fest aus behauenen Balken