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„Freilich wohl," sagte Eigel lachend, „aber nicht nach Piding — den Namen gibtes nicht mehr: seit der Herzog den frommen Bischof Chrodbert vom Rhein gerufen undihm die alte römische Trümmerstadt geschenkt hat, damit er sie und das Land und unsAlle zu guten Christen mache, seitdem ist sie die Salzburg geheißen . .
„Mag sein!" brummte Chriembcrt. „Kann mir das Alles nicht mehr merken!Da droben, auf dem Jmberg, steht noch der heilige Hain des Pid, des Kriegsgottes,zu dem wir einst gebetet haben . . . weißt Du es noch, Eigel? Ich wenigstens kannes nicht vergessen, und habe immer die alten Namen und Dinge im Kopf! D'rum willich auch den Herzog einmal wieder sehen und ihm ein Gastgeschenk bringen . . . Sieh'her," fuhr er fort, indem er ein längliches Fäßchen vom Rücken nahm, „ein weidlichGericht von Salmlingen aus dem Wildsee, frisch gefangen und so schön, wie selten! —Es ist ein lecker' Esten und ich weiß, daß es dem Herrn vor Zeiten besonders wohlgemundet hat! Die Fische soll er haben und Du mußt mich zu ihm führen!"
„Soll geschehen," war Eigel's Antwort, „wirst Dich aber bis spät in den Abendgedulden müssen, der Herzog mit seinen Falknern ist in's Ried hinausgeritten zur Reiher-beize... Hoho," unterbrach er sich, durch niedrige Fenster hinausrufcnd, „Raynhild ...Leutbirg... hört Ihr nicht, Ihr Weiber? Nehmt das Fäßlein da — 'sind seltene Fischedrinnen . . . bindet's an ein Seil und laßt es hinab in den Ziehbrunnen, daß sie frischund munter bleiben!"
Die Wohnstube des Eigelhofs bot nicht viel der Gemächlichkeit, noch der Zier. DieWände oder das Gebälk waren thcilweise von den Jahren angedunkelt, thcilweise vomRauch geschwärzt, dem von der Feuerstätte in der Ecke, die zugleich als Ofen und alsKüche dienen mußte, nach allen Seiten hinzuziehen gestattet war. Ein langer unge-schlachter Tisch mit Querfüßcn und eine Reihe von Bänken und Stühlen von nichtminder kunstlosem Gefüge umgaben denselben - an den Wänden auf einfachen Holz-gesimsen standen einige Krüge und Schüsseln, darüber war die Ausrüstung des Mannesfür Jagd und Krieg, Schild und Eiscnhaube, Spieß und Schwert, Kolben und Streit-axt sammt Halsbcrge und Kettenhemde aufgehangen. In der Ecke hing ein schlichtesKreuzbild, zum Zeichen, daß das Haus ein christliches sei und befremdlich genug warenan dem Gebälk über'm Herd allerlei Runen und Zeichen mit Kohle angeschrieben, die,wie das geschlossene Fünfeck, damit nicht wohl zusammenstimmten. Eine Thüre seitwärtsführte in's Schlafgcmach, eine andere über einige Stufen hinab in ein unterirdischeskellerartigcs Gelaß, wo Rocken und Webstuhl erkennen ließen, daß es die eigentlicheWerkstätte des Fleißes der weiblichen Hausgenossinncn sei. Ein etwas erhöhter, mitschwarzem Bärenfell belegter Sitz am Ende der Tafel bezeichnete den Ehrenplatz desHerrn und Hausvaters.
„Nimm den Hochsitz ein," sagte Eigel zu Chricmbert, „dem Gast gebührt die Ehre!"Dieser gehorchte, der Wirth lagerte sich ihm zur Seite und bald trat die Hausfrau ein,eine blendend weiß gescheuerte Platte aus Lindenholz in den Händen, worauf eine kaltegebratene Schwcinskeule lag, zum Theile bereits in bequeme Stücke zerlegt, die gleichmit den Fingern ergriffen und genossen werden konnten. Der Wirth des Hauses nahmeinen Bissen, tauchte ihn in das auf dem Tische stehende Salzfaß und reichte ihn demGast, indem er zugleich das breite Schnitzmesser vom Gürtel nahm und mit Gewalt indie Tischplatte stieß, zum Zeichen, daß der Gast nun im Schutze des Hauses undseines Herrn stehe.
Unmittelbar hinter der Hausfrau erschien die Tochter, schnell in ein reines HellesObergcwand gekleidet, rasch von Staub und Schweiß der Gartenarbeit gereinigt, mitlichten Armen und klarem Angesicht. Sie trug ein mächtiges Stierhorn, am Rande mitblankem Silber beschlagen, wohl erkennbar als ein Werthstück und Ehrenbesitz des Hauses,der nur bei besonderem Anlaß hervorgeholt wurde. Es war Pflicht und Auszeichnungder Frauen, zumal der Töchter, den Ehrenbecher zu kredenzen, und bei Mahl und Gelag