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üls anmuthige Schenkinnen zu dienen: ihnen lag es ob, das Trinkhorn mit angemessenemSpruch und Reim zu begleiten.
Lentbirg trat zu dem Gaste, reichte ihm das Horn mit sittig niedergeschlagenemBlick und sagte:
„Die Schwalb' und em Gast bringt Glück in's Haus.
„D'rum tbut Bescheid und trinket daraus!"
„Trink', alter Z-Hntgenoß," rief Eigel, „und laß' es Dir munden! Das ist rotherWein vom Schloß Teriol, den ich unlängst selber mit heimgebracht von einer Saumfahrtüber den Dauern — es ist ein edel Getränk. Habe auch die Rebe mitgebracht und habesie angepflanzt zum Versuch, ob die Sonne von Salzburg kräftig genug sei, so köstlichenMost gar zu kochen!"
Der Gast hatte sich erhoben; er hielt das Trinkhorn hoch empor und neigte esüber, dgß einige Tropfen auf den gedielten Boden nicderträufelten. Er sprach:
„Donar sei der erste Trunk gewelkt —
„Auf's Glück des Hauses trink' ich Bescheid!"
Dann setzte er das Horn an den Mund, leerte es reichlich in Einem kräftigen Zugzur Hälfte und gab es dem Hausherrn hinüber, der es vollends ausschlürfte, dann aufdie Hand umstürzte, daß der letzte Tropfen auf dem Nagel des Daumens sitzen blieb.Rasch hatte die Tochter das Horn wieder gefüllt und es auf dem Gestell befestigt, daS,aus den Ständern und Fängen eines Adlers geformt, zu solchem Dienst auf der Tafelbereit stand. Dann zogen die Frauen sich zurück und bald wurden die Laute ihrerThätigkeit draußen im Garten wieder hörbar, während die Männer sich in's Gesprächvertieften, der gemeinsam verlebten Jugend gedenkend, in der Erinnerung noch einmalsich erfreuend an den in Waid- und Kriegs-Werk überstandenen Führlichkeiten und Aben-teuern. Sie erzählten einander, wie sie seither gelebt und gewirthschaftct; Chriembcrtrühmte das Töchterlein des Wirths und sein unmuthig Gebühren und meinte, der Eidam,der sie ihm entführe, werde nicht lange auf sich warten lassen, Eigel dagegen fragte nachdes Gastes Sohn und erfuhr, wie er vom Vater zurückgelassen worden, zu Wach' undWehr für das einsame Gehöft in der noch einsameren Schönau.
Zuruf von außen unterbrach das Gespräch; die Frauen hatten inzwischen wiederfort gegraben und die Tochter kam rufend an's Fenster, sie hätten beim Graben einenseltsamen Fund gemacht, der Vater solle heraus kommen mit dem Gast, es sei noch ebenhell genug, das sonderbare Gebild zu beschauen.
Die Männer folgten und betrachteten verwundert das Gefundene — das Bruchstückeiner erzenen Figur, dicht mit Moder und Grünspan bedeckt, Oberkörper und Kopf einesschönen Jünglings vorstellend, welch' Letztem eine hutartige Mütze bedeckte, mit einemFlügelpaar geschmückt. Während das Erzstück von Hand zu Hand wanderte, vonmanchem Ausruf des Staunens, mancher Frage nach dessen Bedeutung begleitet, töntefeierlich frommer Gesang durch die stärker einbrechende Dämmerung.
„Was bedeutet das?" rief Chriembcrt verwundert und horchend.
„Das sind die Mönche mit den Knaben," sagte Eigel, „sie haben drüben überder Salzach die Zellen, die im Felsen eingehauen und ausgehöhlt sind, bezogen und denGrundstein gelegt zu einer neuen Kirche. Da wohnen sie nun und haben ein HäufleinKnaben um sich gesammelt, die sie erziehen und unterrichten . . . Vermuthlich ist einervon den Vätern mit den Knaben lustwandeln gegangen. Sie pflegen das öfter so zuhalten, und mögen sich heut verspätet haben, den ungewöhnlich schönen Abend zu genießen— ist es doch fast schon dunkel und unter den Sternen ist der Heerwagcn schon hochherauf gerückt, schier über die Firstsäule meipcs Hauses . . ."
Während der Rede waren die Knaben schon herangekommen, alle in lange dunkle,mönchartige Gewänder gehüllt, auö denen die runden vollen Kinderköpfe anmuthig heraus-sahen; sie schritten munter einher und wie ein Lustgesang, in den sich die Freude der