Ausgabe 
28 (26.4.1868) 17
 
Einzelbild herunterladen

133

jungen Gemüther ergoß, tönte das feierlich getragene Kyric von ihren Lippen. EinMönch in schwarzer Kutte war ihnen als Führer und Begleiter zur Seite.

Was ist das?" fragte Chricmbert flüsternd.Sie sind geschoren sind eShörige Knaben?"

Nicht doch," entgegnctc Eigel ebenso,es sind die Söhne der frciesten und bestenMänner darunter es drängen sich gar Viele zu der Aufnahme: aber sie sollen einmalchristliche Priester und Sendboten werden und darum tragen sie jetzt schon Haar undGewand wie diese ..."

Kopfschüttelnd hörte der Alte zu und gewahrte, wie die ganze Familie beim Heran-kommen des Mönches näher an die Umzäunung trat und wie der freie Mann undBarschalk, einst sein Blutbruder und Kampfgenoß Kopf und Nacken vor demselben beugte,während die Frauen kniend die gefalteten Hände in demüthiger Verehrung empor hoben.

Der Mönch blieb steh'n und überblickte die Gruppe: er mochte mit Verwunderungdes alten Jägers gewahr werden, der allein unachtsam und aufrecht stand. Es war einschlanker hochgewachsener Mann, mit röthlichcm Bottbart, frisch gefärbtem Angesicht undklugen feurigen Augen.Der Herr segne Euch," sagte er mit fremdklingender Betonung,welche wie die Farbe seines Haares an die irdische Heimat mahnte, der er entstammte,er schütze Euch diese Nacht und gebe nicht zu, daß der Engel des Verderbens Euchschade. Amen! ... Ihr seid noch so spät fleißig gewesen," fuhr er dann in freundlichermunterndem Tone fort,und wie es scheint, zur guten Stunde, denn Ihr habt wohleinen seltenen Fund gemacht?"

Er deutete auf die Erzfigur, welche Eigel noch in den Händen gehalten hatte undihm nun überreichte.

(Fortsetzung folgt.)

Das Gloria des Teufels. -2)

Nicht sehr lange vor dem Auftreten der reichen Fuggcr lebte in der kunstsinnigenReichsstadt Augsburg ein Meistcrsänger, Namens Peter Umlauf, der neben seinemLiederschätze eine seltene Beigabe- auch des Geldes und Gutes im Ueberflussc be-saß. Der Alte machte gar kein Hehl von seinen Reichthümern, sondern that sich viel-mehr ein Ziemliches darauf zu Gute, indem er mit großer Ruhmredigkeit von seinenKunstfahrtcn erzählte, und welche Fürsten und Machthaber alle, geistliche wie weltliche,ihn mit Kleinodien beschenkt hätten. Es fanden sich indeß welche, die bezweifelten, daßer seinen ungewöhnlichen Wohlstand allein dem Gesänge danke, zumal nicht unbekanntwar, wie er auch mit den tieferen Wissenschaften sich befasse und in der Sterndeuterei,sowie im Gebrauche des Erdspiegels und der Wünschelruthe wohl erfahren sei. Miß-günstige Menschen sprachen sogar von einem Bunde mit den bösen Geistern, ein Ver-dacht, welcher in jenen Zeiten Manchen traf, der in die Geheimnisse der Natur bessereingeweiht war, als die unwissende Menge. So viel hatte seine Richtigkeit, daß frommeGesinnung nicht die hervorragende Eigenschaft unseres Künstlers war. Man sah ihnäußerst selten in der Messe und mit Noth des Jahres einmal am Tische des Herrn,

Wir haben diese launige Erzählung den gegenwärtig zur Subscription aufliegenden,gesammelten Schriften" Ädalb. Müller's entnommen, um durch dieses Probestück unsere Leserzetzt schon aus diese demnächst erscheinenden Schriften aufmerksam zu machen. Die einfache unddoch fesselnde Darstellung, der natürliche Humor, mit dem diese Erzählung gewürzt ist, ist sicher-lich geeignet, einen günstigen Maßstab zur Beurtbeilung aller Erzählungen dieser reichhaltigenSammlung an die Hand zu geben. Sie enthalten Sagen und Legenden aus Südveutschland,Fromme Lieder, Fliegende Blätter, Miscellen. Bestellungen sind in derM. W äsn er'sehen Buch-handlung zu Regensburg oder auch in jeder beliebigen Buchhandlung Bayerns zu bewerk-stelligen. Preis 1 fl. 45 kr. Die Red.