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^ Bannerführer und der hübsche blasse Jüngling,, den er am Arme führt, ist Dietwalt,
I unseres Herzogs jüngster Sohn . . ., der ist weniger besonnen und ernst, wie sein
voranschreitender Bruder und es will verlauten, als sei er zu lang verweilt an dem aus-gelassenen Langobarden-Hofe zu Pavia . . . Aber komm jetzt hinein in's Haus, Freund.Chriembert: es wird Zeit sein, uns auf den Weg zu machen, wenn Du Dein Gast-geschenk heut' noch übergeben willst. . ."
^ Sie gingen, die Thüre des Gehöftes schloß sich; bald darauf traten die Männer
an der Rückseite wieder heraus und schritten zwischen den Trümmern einen etwas be-schwerlicheren aber kürzeren Pfad an der Anhöhe dahin und der Brücke zu.
Als der Zug der Langobarden an dem Gehöfte vorüber war, hielt Prinz Dietwaltseinen Gefährten, den wälschen Fürsten unmerklich am Arme zurück und flüsterte ihm einpaar Worte in's Ohr. Lachend ließ dieser seinen Arm los und schritt mit allen klebri-gen voran: Niemand ward es gewahr, daß Dietwalt mit einem Begleiter allein zurück-blieb. Als Musik und Fackelschein über der Brücke verklungen und erloschen waren,trat der Prinz aus dem Weggebüsche, hinter dem er sich verborgen halte, hervor undnäherte sich dem Gehege. Er glaubte allein zu sein: es hätte auch ein scharfes nacht-gewohntes Auge dazu gehört, in der Finsterniß ein paar Gestalten zu unterscheiden,welche ihn offenbar beobachteten und wie an seine Sohlen geheftet, stille standen, sobalder anhielt, und ihm folgten, wie er weiter schritt.
„Geh' zur Seite," raunte der Prinz seinem Begleiter zu, „aber bleib' in der Näheund harre meines Rufs ... als wir heut Morgen an diesem Hofe vorbeizogen, habeich ein schönes Dirnlein gewahrt; ich will versuchen, ob ich nicht vermag, sie heraus-zulocken . . . ^
„Ich kenne sie," — lachte der Knecht, „es ist Leutbirg, des Barschalken FlorianusTöchterlein — ein holdselig Kind, schlank und helläugig wie ein Falke!"
„Und ebenso scheu!" entgegnete Dietwalt. „Ich rief und lachte ihr zu, aber sie^ huschte in's Haus, wie ein aufgeschreckter Vogel! Das gefällt mir eben, laß sehen, ob^ sie nicht kirre zu machen ist — es sind schon wildere gezähmt worden, sollt' ichmeinen ..."
Er versuchte, das Thor im Gehege zu öffnen; es wich nicht und über seinemRütteln begann der wachende Wolfshund zu knurren.
„Ihr werdet Lärmen machen," flüsterte der Knecht.
„Das schadet nicht," entgegnete Dietwalt, „vielleicht meldet sie sich doch, um nachdem Störenfried zu sehen: mehr will ich für's Erste nicht erreichen . . ."
Inzwischen war die Ejne der spähenden Gestalten unbemerkt völlig herangekommen:wie der Prinz wieder an das Gehege faßte, legte sich ihm eine Hand auf die Schulter.Erschrocken prallte er zurück, die Hand am Schwertknauf, zur Abwehr eines Angriffsbereit.
„Was ist hier?" rief er. „Wer verlegt mir den Weg? ... Ein Weib?" fuhrer dann wieder näher tretend fort, nachdem er die vor ihm stehende Gestalt schärfer in'sAuge gefaßt. „Wer seid Ihr?"
„Ja — ein Weib . . . " erwiderte eine tief und voll tönende, aber vor leideu-' schaftlicher Erregung bebende Stimme. „Kennt Prinz Dietwald dieses Weib nicht mehr?Muß es ihm seinen Namen nennen?"
„Amalaswiuth ..." stammelte betroffen der Prinz; während die Gestalt den, dunklen Mantel, der sie umhüllt halte, vollends fallen ließ — über dem weißen lango-> bardischen Unterkleide ward ein eng anliegendes Gewand von dunkelrother Farbe sichtbar,am Saume und rings an Hals und Aermeln mit weißem Schwanenflaum besetzt.Rothblonde Locken ringelten um eine finster gesaltene marmorweiße Stirn, die Augenflackerten blau und unheimlich wie Irrlichter.
i „Ich bin's," sagte sie bebend. „Hast Du meinen Namen doch nicht vergessen, wie