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Frühling außen, Frühling innen.
Viel tausendmal sei mir gegrüßt,
Du jugendlicher Held!
So rufst du, wenn der Lenz dich küßt,Der Liebling aller Welt!
Zerstäubt ist ja das LeichentuchDes Winters, blaß und fahl,
Dahin des Sterbens Pestgeruch,
Nur Leben überall!
Wie stärket sich das Auge jetztAm neuen frischen Grün,
Den Blümlein dann, die sich gesetztAuf diesen Teppich hin!
Aus düstrer Stube treibt's dich fortHinaus auf Flur und Wald;
Denn Lerchen, Amseln wollen dortNicht singen unbezahlt!
Wer sollte auch nicht freudenvollSie loben ob der Müh',
Mit der sie wcih'n als EhrenzollDem Schöpfer Harmonie!
In ihren Sang nun stimme einO theures Menschenherz,
Erschwinge mit den VögeleinDich munter himmelwärts!
Doch ach; wie traurig fällt's mich anSo plötzlich — und warum?
Wiewohl jetzt alles jubeln kann.
Möcht' ich fast werden stumm!
Du Menschenherz, du bist's allein,
Das mich zur Trauer stimmt!
Bei dir will's oft nicht Frühling sein,Wic's auch für dich geziemt!
Der Sünde harte Kruste decktDich zu, wie festes Eis,
Der Reue Thräne nicht erwecktDas kleinste Tugendreis!
Den heil'gen Engeln ist's verwehrt,Zu schauen rein und klarDes Herzens Büchlein unbekehrtIst's frostig und ganz starr!
Der Gnade Sonne scheint gar heißSchon lang anf selbes hin!
O laß doch schmelzen dieses EisUnd ändre deinen Sinn!
Der Buße blaues- Veilchen blüh'
Auf thränenfeuchtem Grund;
Denn ohne Buße wirst du nieVom Herzen aus gesund!
Zu diesem Blümchen werden sichGesellen andre bald,
So daß, wenn nur die Sünde wich.Entsteht ein Blümchenwald.
Dahin der Herr dann Engel schicktHinweg von seinem Thron,
Damit ein jeder Blumen pflücktFür deine Hiinmelskron!
Welch' Freude für die Engel dochEin solches Herz mag sein,
Wo weggeräumt des Winters JochErwacht der Frühling rein!
Erstanden ist der holde Mai,
Er blüht auf Feld und FlurEs ist geworden alles neuIm Kreise der Natur!
Doch unser Herz eS fei're mit,
Es bleibe nicht zurück!
Ja das, was innerlich erblüh't,
Es bringt erhabner's Glück!
Zum ew'gen Frühling klärt sich jaDer Seele inn'rer GlanzUnd leuchtet einst, ob fern, ob nahAls goldner Himmelskranz I
s.
InLausanne besteht, neben der Lehranstalt für Blinde und dem Hospital für Augen»kranke, seit 1856 auch eine Druckerei von Werken für Blinde. Diese Druckerei hat imletzten Jahre ein großes Unternehmen zu Ende geführt, nämlich den Druck sämmtlicherkanonischen Schriften des alten und neuen Testamcn tes in französischer Sprache. Die Anstalthat auch Bücher in deutscher Sprache, z. B. das Evangelium nach Johannes und dasSprachbüchlcin von TH.Schcrer in je 300 Exemplaren geliefert. Die Blinden lesen be-kanntlich mit den Fingerspitzen, und damit Dieß möglich sei, müssen ihnen die Schriftenerhaben und ziemlich groß vorgelegt werden. Daraus folgt, daß man das Papier nur