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auf einer Seite bedrucken kann, und daß ein Buch für Blinde ungleich voluminöser wirdals ein gewöhnliches. So Vernehmen wir aus dem kürzlich von Herrn Direktor H. Hirzelerstatteten Bericht, daß die Blindenbibcl aus 32 Bänden besteht, wovon 24 die alttesta-mentlichcn, 8 die neutestamentüchcn Schriften enthalten. Es sind im Ganzen 4595 Blätter.Eingebunden wiegt ein Exemplar 114 Pfd. hält ungefähr Kubikfuß und kostet Fr. 52. 80,bei welchem Preis überdieß nicht einmal alle Herstellungskosten strikte gerechnet sind. Im Durch-schnitt wurden 264 Exemplare von jedem Buch abgezogen, im Ganzen 8441 Bünde, derenHerstellung Fr. 26,745. 70 gekostet hat; 3291 Bünde sind verkauft, 5150 noch auf Lager.Die meisten Exemplare gingen ab vom Evangelium nach Johannes und von der Apostel-geschichte, 176 und 171, die wenigsten von Obadjah und Maleachi , nämlich nur 42. Die er-haben punktirte, aber farblose Blindenschrift ist für das Auge sehr ermüdend, so daß eineArbeitslehrerin, welche gewöhnlich die Korrektur besorgte, zwei Mai von einer gefährlichen Augen-krankheit (Jritis) heimgesucht wurde; die Blinden lesen aber mit den Fingern bald mit großerLeichtigkeit. Ein blindes Mädchen las z. B. das Evangelium nach Marcus (89 Folio-seiten) in 2 Stunden 20 Minuten, ohne irgend eine Ermüdung zu spüren, ein Knabedasselbe gar in nur 1 Stunde 45 Minuten, war aber am Ende im Ellenbogen etwas steifgeworden. Es ist auch vorgekommen, daß eine Blinde, welche zufällig wegen Frostbeulenbaumwollene Handschuhe trug, trozdem ganz geläufig las.
(Wie das Wetter gemacht wird.) Vor einigen Jahren gab ein KomornerBuchdrucker einen Kalender heraus, in welchem, wie dies bei Vvlkskalcndern üblich, fürjeden Tag des Jahres die Witterung angegeben war. Beim 13. Februar war jedochim Manuscript die Angabe vergessen worden, und der Setzer schickte daher den Setzer-jungen zum Herrn hinauf, der eben Tarock spielte, um ihn zu fragen, was er hinsetzensolle. Der Herr, welcher Pagat Ultimo angesagt hatte, überhört im Eifer des Spielesdie Frage und stößt, da ihm der Pagat abgestochen wird, ein grimmiges „Donnerwetter!"heraus, das vom Setzerjungen als die vermeintliche Antwort in die Druckerei und vomSetzer pflichtschuldigst in den Satz befördert wird. Der Kalender erscheint mit dieserkühnen Wrtterungs - Prophezeiung und der Herausgeber wird weidlich aufgezogen. Abersiehe da, der Zufall will, daß gerade an diesem 13. Februar das seltene Phänomeneines Wintcrgcwitters sich ereignet, und seit jener Zeit schwört der Schüttler Bauer nichthöher, als auf den Komorner Kalender, von dem jedesmal die ganze Auflage ver-griffen wird.
Der Mensch lehrte die Zeit (durch den Glockenschlag) reden, damit sie nicht ohneAbschied entfliehe; seitdem gab jede Stunde eine Marke bei uns ab. Der Besuch istgemacht, und wohl dem, der zu Hause war, sie mit Achtung empfing und ihre Gegen-wart benutzte: sie eilen unwiederbringlich von uns und erwarten als Zeugen unsererHandlungen uns dort, wo Rechenschaft zu geben unser Aller Loos sein wird.
(Wer?) In einem Provinzialblatt ward kürzlich über ein stattgehabtes Duellmit den Worten berichtet: Der eine der beiden Gegner ward tödtlich in die Brust ge-trostem, der andere schoß in die Luft. — Frage: Wer war sonach der Urheber derVerwundung?
„So häßlich Sie sind," versicherte Jemand einer Dame, „ich gehe dennoch mitIhnen um, als wären Sie die Schönste!" — „Und ich mit Ihnen, so dumm Sie sind,als wären Sie der Verständigste!" gab Jene zur Antwort.
Druck, Brrlau und Ridalttoa des Nlirartschrn JnstilUtS von vr. M. HuiUer.