Ausgabe 
28 (17.5.1868) 20
 
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Nr. SO.

17. Mai 1868.

Augsburger

Soniitaas-Blatt.

Daß von diesem wilden Sehnen,

Dieser reichen Saat von ThränenHimmelslust zu hoffen sei,

Mache deine Seele frei!

Göthe .

Sanct Jarthelmä.

Eine Dorfgeschichte aus alter Zeit.

(Fortsetzung.)

III.

In der

Sonne, zieh' weiter!

Hier glühst 'du vergebensNimmer crgrünenDie Tannen, es trotzenGwig die Gletscher:

Zieh' weiter zum schönstenWinkel der Erde!

Roms - Au.

Mit dir zieh' ich,

Wo in Blüte» reifenGoldene NepfelUmhegt von LorbeerDie Tiber flutetIm schönsten, liebstenWinkel der Erde!

So klang es nach eintönig lang gezogener schwermüthiger Weise aus einem Hausehernieder, das an der Sonnenseite des langgestreckten Romsaucr - Thales auf sonnigerHalde lag, überragt von den schlanken Stämmen und mächtigen Wipfeln einiger Kirsch-bäume. Draußen im wärmeren Flachlande war die Zeit ihrer Blüte längst vorbei, hieraber begannen die weißen Knospen eben aufzubrechen, als hätten sie verschlafen, undmüßten sich wie auf einen Traum erst darauf besinnen, was ihr Brauch gewesen imheißen heimatlichen Asien . Unten am Fuße des Hügels auf dem Saumpfade, der sichdaran vorüberzog, kam ein Zug von Reitern heran, deren Einer in Wehr und Waffenin beträchtlicher Entfernung voraus trabte, um zu erkunden, wohin der Weg führe undob er wirklich für ihre Thiere gangbar und für die Herrin des Zuges rathsam seinmöge. Es war Amalaswinth, die schöne Langobardin, diesmal nicht in das Gewandeiner Edelfrau, sondern in die Ncisctracht gehüllt, in welcher die Kaufleute damaliger Zeitihr fahrendes Gewerbe zu treiben pflegten. Das Kleid war wie aus Einem Stück, ausdunklem Stoff geschnitten, der die hohe Gestalt mantelhaft umhüllte; nirgends war Zier,Schmuck oder kostbar Gcrüth zu erkennen, nur vorn dunklen Hute nickten ein paarSchwungfedern, aus Schwancnflaum kunstreich gebunden. Die Maulthicre, mit mancher-lei Ballen und Gepäck beladen, waren nach Art des Südens mit rothem Trottelwerk undallerlei Glöckchen behängen, die begleitenden Reiter mit ihren stattlichen Rossen sahen sichan wie ein mannhaftes und wehrbcrcites Geleite.

Die Schaar zog eilfertig des Weges und doch mit einer gewissen Aufmerksamkeit,welche sich nichts entgehen ließ, was nach irgend einer Seite zu entdecken war und aufden Gedanken bringen mochte, es gelte zu suchen und jeden Augenblick bereit zu sein.