Ausgabe 
28 (17.5.1868) 20
 
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Lächeln. . .aber auch schön... oh, so unsäglich schön! Ich seh' ihn noch, den immerwolkenlosen, tief blauen Himmel ich fühle sie, die warme weiche wonnige Lust . . .es ist hart, sich von dem Himmel zu trennen und von dieser Luft und hier ist es sokalt, so schaurig bis in'S tiefste Herz hinein. . ." Wie um ihren verwirrten Gedankenzur Ordnung zu verhelfen, glitt sie mit der Hand über die Stirn und fuhr weiter.Komm' immer näher, schöne Base Vitellia ... ich bin Lucia. . ., erkennst Du michnicht wieder? Wundere Dich nicht, daß Du mich hier in der armseligen Hütte findest...das schöne fröhliche Haus in Juvavia ist verbrannt: wir haben uns hier verbergenmüssen, bis er kommt, uns zu Holm..."

Wer?" fragte Amalaswinth, die, mit der Alten wieder allein gelassen, den erste»befremdlichen Eindruck rasch überwunden hatte und nichts mehr empfand, als ein fasthöhnisches Bedürfniß, sich zu unterhalten.

Frage nicht," erwiderte die Greisin geheimnißvoll,er will unvermuthet kommenund will uns überraschen er hat es so oft gethan! Wenn er seinen Namen ausge-sprochen hörte, könnte es ihn wieder verscheuchen ... er hat es nie geliebt, bei seinemNamen genannt zu sein... Aber er kommt, er hat es bei der unterirdischen Hekate ge-schworen! Er muß kommen, muß uns heimführen aus dem eisigen in das schönewarme Land . . . drüben, jenseits dieser schaurigen Berge... O sage, Vitellia, blauter noch d'rübcn, der Himmel von Italien ? Komm näher noch näher," fuhr siedann nach kleiner Pause fort, und streckte die lange magere Hand nach der Richtung, wosie die Fremde vermuthete,in Deiner Rede klingt etwas wieder von den verklungenenTönen der Heimat. . . Sie glauben mir nicht, der Mann und das Mädchen, siesind hier im Lande des Winters geboren und groß gewachsen: sie halten mich für wahn-witzig, wenn ich vom Süden rede und von dem, was einst gewesen... O es ist soschön . . . und auch in Juvavia war es schön wenn die Sonne darüber hing, konnteman wohl träumen, in Hespericns Gärten versetzt zu sein. . . Und am Strome, amsausenden Juvavus da stand ein schönes Haus, eines Kaufmanns Haus, der war desHandels wegen dahin gezogen und war reich geworden, und der Garten des Hausesstieß an den Strom ... da schwammen die reich beladenen Flöße und Schiffe heran bisan die Schwelle und leerten ihre Schätze an Oel und Würze und Wein . . . und Abends,wenn es ringsum stille geworden, und die Augen des Tages schliefen, da wandelte unterden Bäumen ein glücklich Paar ... Lucia des Kaufherrn Tochter und ein Jüngling, dersich aus dem Palaste gegenüber in den Garten schwang, weil er es nicht wagen durfte,offen das Haus zu betreten ... es war FlornS, des Präfcctcn Sohn ... ein jungerritterlicher Mann, edel wie Apollo und herrlich..."

Stören wir sie nicht," flüsterte Placida, welche mit dem Abendmahle, in Brod,Eiern und einem Becher Wein bestehend, herantrat,es ist wunderbar, was sie bewegt in solchem Zusammenhange hat sie uns nie erzählt!"

(Fortsetzung folgt.)

(Kvl uk8 levl kaks.) Als der Großfürst-Thronfolger vor Kurzem nachNizza reiste, berührte er unter Anderem ein kleines Städtchen in Esthland. Der Bür-germeister des Ortes, von der Ankunft des hohen Reisenden im Voraus unterrichtet,hatte den Eingang zum Städtchen trotz Kälte und Frost dekoriren lasten und überschauteschmunzelnd sein Werk, als die Reisenden ankamen. Ucberrascht blieb der Großfürststehen und rief aus:yuol luxe!^- (Welche Pracht!) Der Bürgermeister hielt diese«Ausruf für esthnisch, trat gravitätisch vor und sprach also:Verzeihen Ew. kais. Hoheit,kel kaks!" Zum Glück befand sich im Gefolge des Prinzen ein Mann, der esthnischverstand, und dieser konnte das unbezahlbare Wortspiel erklären, nämlich: kol Uhr,üks eins und kuki, zwei.