160
Hon uns thcure lutherische Pastor Cuvier stand in seinem einfarbig schwarzen Priesterrockvor dem Altar, bereit auch im Namen seiner lutherischen Kirche, den Ehebund zu weihen.Mit milder, aber fester Stimme sprachen seine ermahnenden Worte, welche als Wortevon Gott voll himmlisch-tröstend er Kraft waren. Diese Kraft und der Blick auf dasseltene Paar, das hier vor ihm stand und dessen innere wie äußere Führung er kannte,gab seinem Munde die Weihe zu seiner eltcnen Beredsamkeit des Herzens. Nachdem erdie nämlichen Fragen wie zuvor der Kanzler an die beiden Liebenden gethan und diebejahenden Antworten vernommen hatte, legte er die Hände segnend auf ihre Häupterund beschloß die Feier mit den Worten: „Was Gott zusammengefügt hat, soll derMensch nicht trennen." Hierauf folgte noch das eigenhändige Eintragen der Namen derNeuvermählten und ihrer Zeugen in das Kirchenbuch. —
Als Napoleon I. im Jahre 1804 den frommen Papst Pius Vll. zu seiner Krönungnach Paris gezogen hatte, da wollte man die Feier des Festes durch eine außerordentlicheKirchenmusik erhöhen. DaS Orchester in der Kirche war mit achtzig Harfen besetzt; dieWirkung der harmonischen Laute eines solchen achtzigfachen davidischen Saitenspiclcs aufdie Sinne der Zuhörer mußte, so erwartete man, eine ganz gewaltige seyn. Die Feier-lichkeit begann, die achtzig Harfen tönten, mit Winken und zuflüsternden Worten drücktesich die Menge der anwesenden Gebildeten aus der großen Stadt ihr Entzücken aus.Jetzt nahte sich der Papst dem Altar. Statt der Töne der Harfenspieler hörte mandie Sänger seiner Kapelle aus Rom, welche das alte Lied der Kirche 'l'u l'etrus an-
stimmten. Da war Las Gelispel, das Entzücken der Menge in dem Gefühle einesStaunens verstummt, das in vielen Seelen eine Erhebung der Andacht weckte.
(Aus den „Erinnerungen aus dem Leben Ihrer kgl. Hoheit Helene Louise, Herzoginvon Orleans :c.", von Dr- Gotthilf Heinrich von Schubert . >l>. Aufi.)
Nicht überall wird die Lynchjustiz so rücksichtslos geübt, wie in Nordamerika . DieUngarn scheinen sogar mit einigem Humor dabei zu Werke zu gehen. Äm Pcsthcr-Theatcrgebäudc ist ein Bierhaus, zur „Stadt Alt-Ofen" genannt, das eines der amstärksten besuchten Lokale dieser Art ist. Bei der Nebcrfüllung kommt es leicht vor, daßein Gast davon schleicht, ohne zu bezahlen. Wird aber ein solcher Ausreißer erwischt,so folgt ihm die Strafe gleich auf dem Fuße. Er wird in den Keller des Hauses ein-gesperrt und nicht eher freigelassen, als bis er ein bis drei Wurzeln Meerrettig (nachVerhältniß der Seidel, die er unbezahlt getrunken) gerieben hat, wobei es nicht ausbleibenkaun, daß er Thränen seiner Schuld und Strafe vergießt.
Charade.
l Zweisilbig.)
Ob Beide sind auch winzig klein,
So können sie doch schädlich sein;
Das Ganze ist es immerdar,
Wie man am Holze nimmt gewahrDas ganz besonders, wenn es alt,
Dem Ersten dient zum Aufenthalt';
Und das von diesem wird verletzt,Obwvhl's das Zweit' ihm nicht versetzt.
Auflösung der Charade in Nr. 18:„Wermuth."
rzDrock, »erloo »«» RevoMou b«e Ninorisch«» JoftiwIS rc» ve. M. Hoitler.