Ausgabe 
28 (24.5.1868) 21
 
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Nr. SL

24. Mai 1863.

Augsburgs?

Die angebornen Bande knüpfe fest.

Ans Vaterland, ans theure, schließ' dich au,

Das halte fest mit deinem ganzen Herzen/

Hier sind die starken Wurzeln deiner Kraft.

Schiller, Dell, II. Aufzug, Scene 1.

Sanct JarLhetmä.

Eine Dorfgeschichte aus alter Zeit.

(Fortsetzung.) '

Aber die Tage der alten Götter und ihre Herrlichkeit gingen dahin!" rief dieGreisin in ergreifendem Klageton,das Volk siel ab von ihnen und wandte sich zu demneuen gekreuzigten Gatte da wandten sich auch die alten Götter von ihm und dasVerderben kam über das Volk, wie wenn der Sommer den Schnee schmilzt, die wüthen-den Bergbäche anS den Schluchten hernieder stürzen in das dem Verderben geweihteThal!' Wohl hatte Einer der Priester dcS neuen Heilands aus weiter Fern einen Botenund Warner gesendet, cS zogen wilde unzählbare Völker heran, die Alles vor sich niederwerfenund tödten, was lebt und was aufrecht steht aber der Prüfest der Stadt glaubte derWarnung nicht. Er hatte die römischen Zcichcndcnter gerufen, die hatten aus demVogelfluge verkündet, es sei keine Gefahr zu befürchten, und sie jubelten in thörichterSicherheit, und als die Nacht kam, lagen sie rathlos und betäubt von der Freude desFestes, das sie gefeiert. . . Aber mit der Nacht kamen die Völkerhorden herbei, zahlloswie der Sand, Plötzlich wie der Wind, schrecklich wie der Blitz . . . Ueber die unbe-wachten Mauern drangen sie in die Stadt, und bald rauchte und dampfte sie vom Bluteder erschlagenen Bewohner, von der Glut der über ihren Todten zusammenstürzendenHäuser-. . . Niemand vermochte zu entrinnen . . . aber in des Kaufmanns Haus, woder Garten an den Juvavus stieß, war noch eine schwache Hoffnung auf Rettung gege-ben .. . Lucia und ihr Vater trugen Florus, der schwer verwundet am Hause nieder-gesunken, in den Nachen und unbeachtet von den plündernden Barbaren glitt das Fahr-zeug bald über die sausenden Wellen dahin, in welche das Blut herabsickerte und dieFunken niedersprühten... Es gelang den Flüchtigen, die Berge zu erreichen und sichin ein rauhes, darum wenig bekanntes und fast unzugängliches Thal zu verbergen. . .Nach Monaten, als die Hochflut des Völkcrsturms verronnen sein mochte, wagte derVater sich auf Kundschaft hinaus: trostlos kam er wieder er hatte von Juvavia nurSchutt und Trümmer gefunden: was einst in ihnen gelebt, war todt oder fortgeschlepptin die Gefangenschaft..."

Und FloruS?" fragte Amalaswinth, da die Erzählerin aufathmend innc hielt.

Florus," begann die Greisin wieder und es ward bemerklich, daß die Erregungund Anspannung, die über sie gekommen war, wieder nachzulassen und der frühernErstarrung zn weichen begann,Florus blieb in der Verborgenheit, bis er genesen war...Die Schranken, die ihn von Lucia getrennt, bestanden nicht mehr, sie gehörten einanderan und schwuren beim Acheron, daß es ewig so sein sollte! Als es wieder einmal Früh.ling geworden, da faßte ihu das Verlangen, sich durch die Berge nnd Lande hindurch zu