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und gescholten haben: Du sprachst nur im gerechten Anmuth, ihn von Dir zu weisen!Sieh, Placida, ich weiß ja, es kann Dein Ernst nicht gewesen sein! Wohl haben wir
bis zur Stunde nie von dem geredet, was uns zu einander führte — ick habe Dir
niemals gesagt, wie sehr ich Dich liebe und weiß doch, es ist Dir nicht verborgen ge-blieben ... So weiß auch ich, obwohl Du es nie bekannt. . . mein eigenes Herz sagtmir, daß das Deine mir nicht abgeneigt ist. . . Deine freundliche Stimme, Dein holdesAuge, Dein ganzes liebevolles Wesen hat es mir verrathen ... O sage, es war nichtDein Ernst, als Du jene bitteren Worte sprachst?"
„Warum nicht?" cntgegncte das Mädchen, die aus dem Gefühl der Nothwendigkeitdie Kraft zu immer kälterem Trotze gewann. „Ich wüßte nicht, Dir je dergleichen ver-rathen zu haben... soll ich für das einstehen, was Deine Einbildung zu sehen meint..."
„Placida..." stammelte Markulf, wie außer sich.
„Warum sollst Du mir mehr sein, als ein anderer Gast?" fuhr sie noch bittererfort. „Geh' zur Freierei, wo es sich für Dich geziemt — mich laß mein Loos tragen,als hörige Magd... ich gebe Dich los! Dein Vater soll erkennen, ob ich Dich anmich gebunden mit Zauber und Neidingswerk. . . Geh' . . . was ich Deinem Vater
auch gesagt... so wahr ich hier vor Dir stehe... es war mir Ernst damit!"
„Mädchen. . rief Markulf im Ausbruchc des wildesten Leids, „wiederhole dasWort nicht... es macht mich unglücklich und meinen Vater mit und kann Dir selbernimmermehr Glück bringen! Stoße solch' treues Lieben nicht so feindselig von Dir!Ich will ja nicht, daß Du mir Liebe bekennen oder geloben sollst — sage mir nur, daßich Dir nicht wie jeder Andere, daß ich Dir nicht glcichgiltig bin: das nur sage mir undich will nicht ruhen und rasten, bis ich jedes Hinderniß besiegt, bis ich jede Kluft, diezwischen uns liegt, ausgefüllt und Dich darüber hinweg geführt habe in meiner VorfahrenGehöft, a!s mein freies, gclicbrcS Weib ..."
So dringend Wort und Ton des Jünglings waren, sie wären noch dringender ge-worden, Hütte er vermocht, Placida zu erblicken, welche im Dunkel der Fensternische ver-borgen, die letzten schwersten Zuckungen des widerstrebenden Herzens niederkämpfte. Wiegern hätte sie der schmeichelnden Lockung des Jünglings nachgegeben, der ihr so theuerwar, als sie selbst nie gewußt, als sie erst jetzt im Augenblick des Verlustes erkannte ...Er bat so herzlich und was er bat, war ihr eigenes, ihr crschntestes Glück: sie durftenur die Hand ausstrecken, so siel ihr die reife Goldfrncht beseligend entgegen — dannaber sah sie wieder den alten trotzigen Barschalken vor sich stehen, hörte sich mit Droh-wortcn und Schmähungen überhäuft und fühlte den Blick der Verachtung, den er imUebcrmuthe auf ihr ruhen ließ ... Ihr Blut wallte auf, ihr Sinn stemmte sich dagegen!Sie sollte nicht als Lügnerin vor ihm stehen, er sollte sich vor ihr beugen müssen unddie verschmähte Walchendirne achten lernen... Mühsam fand sie Athem, noch müh-samer Worte .. .
„Dein Vater hat ganz recht gesagt," stieß sie heraus, „cS war mein völliger Ernst!"
„Nun denn, so hast Du zu verantworten/ was geschieht," rief hinwcgstürzcndMarkulf mit dumpfem Tone und war im Nn hinter den nächsten Büschen verborgen.Er gelangte aber nicht weit: unter einem der Kirschbäumc zog seines Schmerzes Ucber-gcwicht den Erschöpften nieder in das feuchte, mit abfallenden Blüthcnblättern bestreuteGras. —
(Fortsetzung folgt.)
Das Schloß von Lndwigsburg.
Das Schloß von Ludwigsburg gehört mit zu den größten und — wenn maneinmal diesen Zopf- und Nococcostil gelten läßt — auch mit zu den schönsten, jedenfallsmit zu den großartigsten Fürstcnschlössern Deutschlands . Man ist erstaunt über diesegroße Ausdehnung, nicht minder über die Pracht der Ausstattung im Einzelnen, obwohl