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der Seufzer, die einst das Würtemberger Land, damals um die Hälfte kleiner, als jetzt,über diese ganze Schöpfung, über diese ganze Lust und Pracht seiner Herzoge ausgestoßen.
Die Ausstellung des Leichentuches Christi in der DomkircheznTurin hat schon ihrer großen Seltenheit wegen das Herbeiströmen einer nach vielenTausenden zählenden Volksmenge zur Folge gehabt. Diese heil. Reliquie wird in einemkostbaren Schrein in der der Mctropolitankirche von St. Giovanni angebauten Kapelle deshl. Schwcißtuches aufbewahrt. Scchsundzwanzig Jahre waren verflossen, seitdem dieselbenicht mehr aus ihrer dreifach verschlossenen Krypta hervorgeholt worden war, nämlichseit dem Jahre 1842, als Viktor Emanuel sich mit der österreichischen ErzherzoginAbelaide vermählte. Bei der am 24. v. M. geschehenen Eröffnung waren zugegen derKönig, daS kronprinzliche Paar, die Königin von Portugal, die Herzogin von Genua ,die Herzogin von Aosta, die Prinzessin Klotildc, Prinz Amadeus, Prinz Thomas undPrinz Carignan. Das Tuch ist ein sehr langes und nicht breites Linnentuch, da diealten Juden den Leichnam nicht in dasselbe einhüllten, sondern nur darauf legten und amKopfende überschlugen und dasselbe wieder bis zu den Füßen gehen ließen, so daß aufder Reliquie der vordere und der Hintere Theil des Leichnams abgedruckt erscheinen, welcheam Scheitel in einander verlaufen. Die Eröffnung scbst geschah durch den Erzbischofvon Turin , Grasen Nicardi di Nctr), unter Kontrole des Ministers dcS k. Hauses,Marchcse Gualterio, und des mit der Bewachung der Kapelle beauftragten Domherrn.Nachdem die Reliquie von dem Könige und den andern hohen Herrschaften geküßt worden war,wurde dieselbe am Hochaltar der Mctropolitankirche der Verehrung der Gläubigen ausgesetzt.
In Rußland bat in letzter Zeit ein siebenfacher Mord ungeheures Aufsehen gemacht.Der Mörder der Fanutce Shemarin in Tambvm, Gymnasiast Gerski, hat nun feine Thateingestanden. Nicht uninteressant auch für weitere Kreise sind die einzelnen Umstände diesessiebenfachen Mordes, welche der Verbrecher schriftlich dargelegt hat. Danach hat der KaufmannShemarin sieben Tage vor Verübung des Verbrechens 3000 R. empfangen und dieselbenseiner Frau zur Verwahrung übergeben. Diese ließ darauf die Summe durch die Kinderüberzählen und bat den im Hause anwesenden Gorski, darauf zu sehen, daß die Kinderrichtig zählten. Gorski erfuhr vei dieser Gelegenheit, daß binnen Kurzem noch mehr Geldereintreffen sollten. Seit der Zeit verfolgte er den Plan des Mordes, zu dessen Verübung ersich einen Revolver kaufte und einen Todsichläger bestellte, den er als ein zu gymnastischenUebungen zu verwendendes Instrument darstellte. Um die Hausbewohner an plötzlicheDetonationen zu gewöhnen und so bei der Verübung der That durch die ersten Schüsse nichtgleich einen uuzeitigen Lärm zu veranlassen, ;choß Gor ki im Laufe von fünf Tagen wieder-«holentlich aus dem Revolver, wozu er natürlich Zündhütchen ohne Kugeln benutzte. DieKinder interessirten sich lebhaft für diese Belustigung, Shemarin selbst ermuthigte die Spie-lenden, und die Zimmer des Hauses ertönten nicht selten von diesen Schüssen. Um dieserBelustigung vollends den Anstrich eines reinen Scherzes zu geben, wählte Gorski gewöhnlichden Augenblick, wo eines der Familien-Mitglieder etwas nachdenklich war; er schlich sichdann heran und feuerte vor dem Ohre des Zerstreuten das Zündhütchen ab, was gewöhnlich-ein allgemeines Gelächter und allerlei Scherze über den Erschrockenen hervorrief. Von dieserSeite sichergestellt, erwartete Gorski den günstigen Augenblick zur Verübung der That. Am13. März schritt GorLki während der Abwesenheit des Herrn und der Frau vorn Hauseund des Stubenmädchens zum Morde. Das erste Opfer war der älteste Sohn Shemarins,dann kam die alte Mutter au die Reihe. Den Hausdiener erschoß GorSki, als er gerade mitder Köchin Thee trank. Als diese den Schuß hörte, lachte sie, da sie ihn für einen einfachenSchreckschuß hielt; es war dieß ihr letztes Lachen, denn ein folgender Schuß streckte sie todtzu Boden. Nachdem Gorski die im Hause befindlichen Personen ermordet, wollte er die nachHause zurückkehrende Frau Shemarin gleich im ersten Zimmer erschießen, der Schuß versagtejedoch. Die unglückliche Frau, welche glaubte, daß Gorski wieder Scherz treibe, bat diesenaufzuhören, da sie diese Schüsse fürchte, aber gleich darauf sank sie von einem neuen Schussegetroffen, todt zu Boden.
Dru4, verlas »nd Redaktion de< ttterarijcheu JnstirstS vsa vr. V. Huttler.