Nr. ÄS.
31. Mai 1868.
Suche nicht »ergebne Heilung!
Unsrer Krankheit schwer GeheimnißSchwankt Zwilchen UebereilungUnd zwischen Versäumniß.
Sanci JarLhelmä.
Eine Dorfgeschichte aus alter Zeit.
(Fortsetzung.)
Vom Watzmann kam eine finstere Wolkenwand herangezogen, und drängte sich vorden Mond — ein unheimliches Helldunkel flog durch die Nacht.
Placida harrte einen Augenblick, bis sie Markulf's Schritte nicht mehr vernahm:unter Thränen, die sie jetzt nicht mehr zurück zu halten strebte, sank sie dann auf ihrreines Lager — sie nahm von der Wand das dort hängende kleine und unscheinbareHolzkreuz, preßte es in den gefalteten Händen fest an die schmerzlich pochende Brust, er-geben in alle Qual der Entsagung und des mit ihr verheißenen Friedens.
So leise das Gespräch der Beiden geführt worden, war es doch nicht unbelauschtgeblieben. Das Geflüster hatte Amalaswinthas wachendes Ohr erreicht: auch in ihremGemüthe ging der Sturm zu hoch, als daß die Wellen vermocht hätten, sich zum ruhen-den Spiegel zu glätten — leise hatte sie das schlaflose Lager verlassen, und war ausdem leicht verschlossenen Hause getreten. Ihre Aufmerksamkeit wurde zur gespanntenNeugier, als sie in dem Manne den jungen Jäger erkannte, der bestimmt war, Diet-walt's Waidführer zu sein. Mit immer zufriedenerem Lächeln hörte sie zu und flüstertemit zustimmendem Nicken in sich hinein: „So bin ich doch nicht umsonst des Wegesgefahren. . . hab' ich auch seine Spur nicht entdeckt, jetzt glaube ich zu wissen, wer mirmein Wild sicher in's Garn jagen soll!"
Sie folgte Markulf zur kühlen Lagerstätte seines Gram«; er ward ihr Nahen nichtgewahr, bis sie aus dem rauschenden und nickenden Haselgestäude trat und dem über-rascht empor Springenden die Hand auf die Schulter legte. Indeß ein flüchtiger Blickdes Wohlgefallens die kräftige Schönheit des Jünglings überglitt, grüßte sie ihn mitdenselben leise geflüsterten Worten, wie bei der ersten Begegnung des vorigen Tags.„Was sinnest Du so gramvoll, schöner Waidmann? Dir könnte wohl geholfenwerden!" —
„Du wieder hier?" entgegncte Markulf, sie anstarrend. „Was swillst Du von mir?"
„Ich von Dir?" erwiderte Amalaswinth. „Nichts — oder doch so viel als nichts lDeinetwegen komm' ich . . . ich will Dir helfen!"
„Mir vermag Niemand zu helfen!"
„Doch — wer weiß es! Wenn Du wirklich Leib und Seele verschworen an dasbleiche Gesicht mit dem kalten Herzen — wenn Du nicht siehst, wie nahe das Lebenseine farbigsten glühendsten Blüthen vor Dir entfaltet..."
„Ich bin gebannt," seufzte Markulf, „ich muß vergehm und schwiudeu ohne sie!"