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„So gilt es, ihre Liebe zu gewinnen und ihr das eisige Herz zu schmelzen," riefFlmalaswinth, „ich vermag es und ich will es, wenn Du meinem Geheiß Dich fügenwillst! Diene Du mir — dafür will ich Dir dienen ..."
„Rede, was Du verlangst... Um diesen Preis bin ich zu Allem bereit. . ."
Amalaswinth neigte sich zu ihm, damit auch die Aeste und Blätter um sie her dieWorte nicht vernehmen sollten, die sie sprach. „Bist Du bereit?" fragte sie dann mitNachdruck.
„Ich bin es," erwiderte Markulf in fieberischer Hast . . . „und Du gelobst mirdafür..."
„Die spröde Dirne soll Dein sein und in Liebe vor Deinen Füßen vergeh'» ..."
„So befiehl' über mich," rief der Jüngling, „erfülle Dein Wort und der Himmelhabe keine Stelle für mich, wenn ich das meine nicht halte!"
„Welches Feuer!" murmelte die Langobardin halbleise mit eigenthümlichem Blickund Ton. „Und wie thöricht vergeudet! Nun denn, so habe was Du Dein Glücknennst," fuhr sie zu Markulf gewendet, fort. . . „Trage dieß Zeichen an Dir und amdritten Tage ist Deine Liebesglut gestillt..."
Sie nahm eine der Schwanfedern vorn Haupt und steckte sie auf Markulf's Hut:eh' er sich besinnen konnte, war sie verschwunden.
„Weh' mir — die Walkyre — ich bin in ihrer Gewalt!" rief er schaudernd undwollte, eingedenk der Worte des Vaters, die Feder vom Hute reißen — im nämlichenAugenblick sank ihm die Hand zurück. „Nein," murmelte er grimmig, „ich kehre nichtzurück... ich bin verloren, ich weiß es, aber Placida wird mein!"
IV.
Das Schwanenhernd.
Wie eine zweite luftige Flut lag undurchdringlicher Nebel über dem Gewässer desWildsee's, und ferne hinaus, so weit das Auge zu dringen vermochte: es war eingraues, hie und da von Silber durchblitztes Meer, in welchem hie und da die höchstenGipfel des Gebirgs oder Stellen des Flachlandes mit schroffansteigenden Spitzen oderbreit hingestreckten Ebenen inselartig schwammen: der Kaunstein allein, von welchem mandas Nebclgcwoge übersah, hob sein Alles überragendes Eishorn blau schimmernd unddoch goldglänzend scharf und hell in das sonnendurchlodertc Blau hinein, das wolkenlosdarüber sich erhöhte und breitete.
Die aber auf dem Gebirge standen, gewahrten nicht das wundersame Bild, das inFerne und Nähe sich glänzend vor ihnen aufthat: sie waren nur mit dem Gestein undden wunderbar gestalteten Felsformen des Kaunstcins beschäftigt, der über der kleinentrümmerbedeckten Hochebene wie eine ungeheure Pyramide furchterregend emporstieg, denndie Felsen ragten und lagen übereinander bis zu einer Höhe, daß das Auge die schwin-delnde Spitze kaum zu erreichen vermochte. Das ward fast nur dadurch möglich, daßdie Pyramide wie ein riesiges Horn sich krümmend gegen den See zu überhing — zumFalle bereit wie sich zerbröckelndes Thurmgemäuer, dem sie auch darin glich, daß sie dasAnsehen hatte, als wäre sie aus riesigen, übereinander gelegten Quadern aufgeschichtet.Jahrtausenden hatte das gewaltige Stcingcbilde trotzig widerstanden, aber es trug dieWunden und Narben des nie rastenden Kampfes überall zur Schau. Der Sonnenbrandhatte Wände und Schrofen angeglüht und gedehnt, der Frost hatte sie wieder zusammen-gezogen und gekeilt, bis es gelungen war, die vermürbenden Masten zu sprengen und denströmenden Ergüssen der Wolken den Weg zu bahnen, auf daß sie, die Riste auswaschcndund allmählig zu Klüften und Schluchten erweiternd, das Werk der Zerstörung vollendszu Ende bringen sollten. Kein Pfad führte zu dem Gipfel der regellos übereinander ge-thürmten Blöcke; am Fuße des Kegels lagen deren viele wie angesammelt und aufgestaut,gleichsam ein künstliches Bollwerk, das überstiegen werden mußte, wollte man in die