Ausgabe 
28 (31.5.1868) 22
 
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seinem Kinde weihen und ob er auch nie davon erfahren: ob Du es nie geahnt vormir selber habe ich meinen Schwur gehalten und werde ihn halten! Ich habe Dich aufden Armen getragen, habe mit dem Kinde gespielt, das Mädchen hab' ich gelehrt, wasich lehren konnte die Jungfrau hab' ich beschirmt, so weit ich sie zu beschirmen ver-mocht! Du bist das Einzige, was ich im Leben geliebt ich lebte nur in der Freudean Dir, in dem Wohlgefallen an Deiner immer herrlicher erblühenden Schönheit: DeineLust war mein Glück, Dein Leid meine Verzweiflung . . . Glaube mir, Domina . . .hätt' ich ein leiblich Kind und ihm wäre geschehen wie Dir... und es wollte hier stehenwie Du... ich würde es nicht abhalten! Ich würde es begleiten, wie ich Dich begle-itet habe, und wenn seine Hand erzittern sollte würde ich sagen, hier ist meine Hand sie ist stärker!"

. . . So bleibe denn," flüsterte Amalaswinth, und drückte bewegt dem Alten dieHand.Als mein Genosse magst Du bleiben . . . mein Diener zu sein, hast Du vondiesem Augenblicke an aufgehört. . . Horch! Mir ist, als hört' ich Schritte nahen . . .der Augenblick der Erfüllung rückt heran..."

(Fortsetzung folgt.)

Vater Hermann.

Zu Laguercs in Südfrankreich befindet sich ein Karmclitcrkloster, an dessen Gründungsich für uns Deutsche ein ganz besonderes Interesse knüpft. Das Kloster daselbst ist1856 errichtet worden, und diese Gründung wird als das Werk eines Mönchs angesehen,des Pere Augustin Marie du tres samt Sacrament in dem Sinne, daß das Interesse,welches sich an seine Person knüpfte, das Zustandekommen der bedeutenden, zum Baueerforderlichen Fonds ermöglichte, und daß namhafte Künstler, wie Horacc Vernet, derBildhauer Bonassteu und die Orgelbauer Cavaille und Coll, aus demselben Grunde mitihrer Hände Werk die schöne, Klosterkirche geschmückt haben. Dieser Mensch ist keinanderer, als der frühere Pianist Hermann Cohn aus Hamburg , ein geborenerIsraelit und Schüler Liszts , dessen Bekehrung (1847) und späterer Eintritt in denOrden der Karmeliter seiner Zeit viel Aufsehen erregte. Der Vater Hermann, wie erjetzt noch allgemein genannt wird, ist aber außerdem eine in ganz Frankreich bekannteund volksthümliche Figur geworden, seine Geschichte, sein früherer Lebenswandel, seinespätere Buße, sein glänzendes Orgelspiel, die vielen Kantaten, die er komponirt, unddie Glaubeusbegeisterung, die aus allen seinen Worten und Thaten lodert, haben ihnüberall eingeführt und mit einem besonders hohen Grade von Verehrung umgeben. Erist im I. 1821 in Hamburg von reichen jüdischen Eltern geboren und entwickelte früh-zeitig ein großes musikalisches Talent. Vcrmögcnsverluste veranlaßten die Mutter,mit dem Knaben zur Ausbildung seiner Anlagen nach Paris (1834) zu gehen, nachdemman ihn als Wunderkind in Deutschland öffentlich hatte auftreten lasten, wo ihm über-all, und zumal am Mecklenburg-Schwerin 'schen Hofe, eine besondere Aufmerksamkeit zuTheil wurde, worauf er wiederholt in seinen späteren Briefen zurückkommt. In Paris machte er Bekanntschaft mit Liszt , der ihn weiter ausbildete und dem er auf eine Zeitlang nach Genf folgte, als jener sich dorthin zur Gründung eines Conservatoriumsbegab. Cohns Talent erregte überall das größte Aufsehen. Er gerieth aber bald auflasterhafte Wege, die auch seinen Vater von ihm abwandten, wovon er selber sagt:1'4tui8 lu prois c!ö toutss >68 inl6mp6runee8, <io to»8 le8 plsi8ir8, <!v tou8 I«Z8cke8orci>-68 «is lu jeun 6880 . Er kam in Verbindung mit allen socialen und religiösenNeuerern, Atheisten, u. s. w., deren eifrigster Zögling er ward. Die Umwandlungging plötzlich in ihm vor, im Jahre 1846, mitten im Strudel des ausschweifend-sten Lebens, in dem er täglich verkehrte. In einer Kirche, wo er die Leitungeines Chores übernommen hatte, und später in Eins während einer Messe, war es, wie