Ausgabe 
28 (7.6.1868) 23
 
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wildniß! Vor Jahrhunderten ist dort ein Gipfel des Tunern eingestürzt, und hat dieSchlucht ausgefüllt und Stunden weit Alles mit Trümmern überdeckt."

»Der Name ist gut gewählt," sagte der Prinz und ließ den Blick sinnend auf derSteinwildniß ruhen.Es sieht sich wirklich an, wie ein Meer ... wie ein im vollenSturm und Aufruhr begriffenes Meer, das mitten in seinem Toben mit allen Wellenund Wogen erstarrte! Mir ist, als kennte ich ein solches Meer... ein in der Leiden-schaft zu Stein gewordenes Herz..." Es mochte eine schmerzliche Anwandlung sein,was durch die Seele des Prinzen ging, denn ein tiefer Athemzug, der fast wie einSeufzer klang, drängte sich aus seiner jungen Brust: wie um sich selbst von diesen Bil-dern und Gedanken abzubringen, blickte er unter den naheliegenden Felsen herum undrief lachend:Doch ich gewahre noch immer den Eingang zu der verheißenen Höhlenicht uud schäme mich nicht, zu sagen, daß es mich wieder dringlich an das Mahl erin-nert, das sie bringen soll ... "

Markulf trat zu dem Spalt, der in das Innere des Berges führte.Hier ist derEingang," sagte er.Seid Ihr aber auch völlig verkühlt, Herr es ist dumpf undschaurig in dem Stcingewölbe..."

Wie bist Du doch so sorglich, Gesell!" sagte Dietwalt.Bist Du mir sozugethan?"

Ja, Herr," rief Markulf mit Wärme,ich freue mich jetzt, daß der Herzog michzu Eurem Führer machte! Ihr seid so freundlich, so leutselig ich möchte wohl immerin Eurem Gefolge sein!"

Dazu kann Rath werden auch Du gefällst mir und ich will es Dir gedenken»wie sorgsam Du mich geleitet hast und wie treu!"

Wie ein Dolchstoß traf das Wort in Markulfs bewegtes Gemüth: er erröthete vorsich selbst, als der Prinz ihn ob seiner Treue rühmte, da er den Arglosen doch nachgehcimnißvoller Absicht einem unbekannten Ziele cntgcgenführtc, das ihm noch nie sounheimlich erschienen war, als gerade jetzt im Augenblicke der Entscheidung. Ohne selbstrecht zu wissen, was er that, war er vor den Höhlenspalt getrcren und machte eine Ge-berde, als wollte er den Prinzen von dem Eintritt zurückhalten. Dieser aber drängteihn mit heiterem Lachen bei Seite.

Was ist Dir doch, wunderlicher Geselle?" rief er.Gehabst Du Dich doch, alsstünde mir da drinnen ein Unheil bevor und nicht ein fröhliches Jägermahl! Oderglaubst Du, ich scheue mich vor dem dunklen Eingang, der in unbekannte Räume führt?Ich weiß nicht, was scheuen und sorgen heißt, mein junger Freund... ich habe immerfröhlich genossen, was mir die Stunde bot und habe nicht gefragt, was wohl die nächstebringt! Rasch hinein ich kenne keine Sorge!"

Die sollt Ihr auch an meiner Seite nicht befahren!" rief Markulf herzlich.Steigt immer hinab in die Höhle, Herr Euer treuer Führer ist bei Euch..."

Prinz Dietwalt war während der letzten Worte bereits in den Fclseneingang hinab-gestiegen ; rasch folgte Markulf wenige Augenblicke später ward hart neben der Spalte,tief an den Boden hingedrückt, das graubärtigc Antlitz des alten Langobarden sichtbar,wie der Kopf eines in sicherem Versteck auf seine Beute lauernden Raubthiers.

Staunend blickte der Prinz um sich und maß mit bewundernden Blicken das unge-heure Fclsengcbäude.Du hast nicht zu viel gesagt, Gesell," rief er,das ist eineHalle, die eines Königs nicht unwcrth wäre! Es ist kaum glaublich, daß solch' ein Werkentstanden ohne Menschcnhilfe!"

Mein Vater sagt, die Zwerge haben es gebaut," erwiderte Markulf,der Königder Schwarz-Alfcn hatte hier sein Reich, bis ihn die Christenpriester drüben in der Salz-burg fortgebannt... Im Verborgenen aber Hausen sie noch immer hier und Mancher,der durch's Gebirge geht, hört es, wie sie hier schalten und rumoren, und mit ihre«.Hämmern an's Gestein schlagen. . ."