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Die sterbende Mutter
Vou Schaufert.
Wenn Du am Bett der Mutter kniest,Ihr in's erlosch'ne Auge siehst,
Die Hand, die einst Dich treu gewiegt,Schon kälter in der Deinen liegt;
Wenn vor der blaffen DulderinDein Herz in Thränen schmilzt dahin,Und Dich's gemahnet wehmuthsvsllAn manchen Trotz, an manchen Groll,
Und leise fleh'st in bitt'rer Reu':
Ach, gute Mutter, ach, verzeih',
Und sie, der längst die Rede schwand,Noch spricht mit mattem Druck der Hand.
Dann magst Du fühlen tiefbewegt,
Daß nichts die weite Erde hegtDem frommen Mutterherzen gleich,
So voll Geduld, so gnadenreich.
Ob glücklich, wenn es in Dir spricht,Dies graue Haar verklagt mich nicht.Wenn nicht der Furchen LeidenschriftDein Herz,mit scharfer Geißel trifft.
Wohl Dir, wenn in der letzten StundEin Lächeln um den stillen MundVou einem guten Herbst erzählt,
Dem nicht der Liebe Frucht gefehlt.
Wenn es Dir sagt: „Du guter Sohn,Ich künde Dir des Himmels Lohn,
Du hast mein Alter froh gemacht.
Und fröhlich sag' ich gute Nacht."
Oh dreimal selig ist das Kind,
Das solchen Segen sich gewinnt.
Er baut auf Felsen ihm das Haus,Schmückt es zu Gottes Tempel aus.
Er lacht ihn an vom HimmelsblauUnd aus des Frühlings goldner Au'.Er schwebt um ihn wie Sternenblick,Scheucht jeden bösen Geist zurück;
Weht seinem Schweiße Kühlung znUnd seinem Leiden Himmelsruh':
Er steht im Sterben ihm zur Seit',Eiu Eugel licht im lichten Kleid.
Er schließt ihm auf des Himmels Thor,Er grüßt ihn aus der Sel'gen Chor:„Geh' ein, geh' ein, du guter Sohn,Geh' ein, die Mutter wartet schon."
Er hat «och nicht Truthahn zu mir gesagt
Amerikcmisckeö Sprichwort.
Besonders in den westlichen Staaten der Union hört der Neueinwandcrude eineMasse englischer, oder vielmehr echt amerikanischer Redensarten und Sprichwörter, die erwohl vergeblich in einem Dictionär suchen möchte, ja über die ihm viele Amerikaner selbstkeine Auskunft-geben können.
Am räthselhaftcsten war immer die Rede: ^Iio nover suick turkö^ lo mo!^oder im Deutschen: „er hat zu mir nicht ein einziges Mal Truthahn gesagt," woruntersie etwa verstehen, daß Jemand ihnen irgend etwas nicht angeboten oder gegeben habe,was sie ihrer Meinung nach verdient hätten.
In Arkansas jagte ich längere Zeit mit einem alten Backwoodsmann, NamensMeiers. Den fragte ich schon in den ersten Tagen, als ich mit ihm zusammenkam, nachder Bedeutung des Worts und er erzählte:
Oben in Missouri jagten auch dann und wann Weiße mit den Eingebornen, undwenn diese sich auch eben nicht viel aus den Bleichgesichtern machten, duldeten sie dieselbendoch zwischen sich. Durch diesen Umgang lernten die Rothhäutc aber auch ein wenigenglisch , wenn sie es auch gebrochen sprachen, und konnten sich doch wenigstens einemandern Christcumenschen verständlich machen.
Dort jagten auch einmal ein Weißer und ein Eingeborncr mit einander, und dadie Letzter» den weißen Eindringlingen schon nichts Gutes zutrauen, und die Weißenebenfalls von deck Indianern behaupten, daß es diebisches nichtsnutziges Gesinde! wäre.