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als bei seinem sonstigen leicht erregbaren Wesen zu erwarten war, und während Markulf ».gleich einem Rasenden wider die Felsen stieß und gegen den, die Eingangsspalte ver-schließenden Block tobte, bis er in lebloser Betäubung zusammenstürzte, brach der Prinzschweigend auf ein Felsstück zusammen, die beiden Hände vor's Angesicht schlagend: nurdie Tropfen, welche einzeln sich zwischen den Fingern hervorstahlen, waren die ver-räthcrischcn Zeugen der Erregung, von der bei der völligen Ruhe des Aeußern sein ^Gemüth ergriffen war.
Nach einiger Zeit der Ruhe und Sammlung erhob er sich mit entschlossener Hal-tung und trat zu dem Genossen. „Steh' auf, Markulf," überlaste Dich nicht der Mut-losigkeit! Noch leben wir — laß' uns Männer sein, die ihr Leben zu schätzen und zuwahren wissen! Wir wollen uns nicht selbst aufgeben, ehe nicht das Aeußcrste versucht ist!"
„Es ist nichts mehr zu versuchen, Herr," erwiderte Markulf düster, kaum vermögend,sich etwas emporzurichten . . . „Wir sind lebendig begraben!"
„Wenn wir mit meinem Gefolge nicht zusammentreffen," entgegnete Dietwalt,
„wird man uns suchen..."
„Suchen — ja, aber nicht finden!" rief Markulf jammernd. „O, daß ich Euchselbst allen Trost nehmen muß! Daß ich es nicht vermag, auch nur einen Strohhalmzu bieten, an den Eure Hoffnung sich klammern könnte! Wie sollten Eure Leute ahnen,daß wir uns hier befinden? Am Watzmann werden sie Euch suchen und wenn sie Euchdort nicht finden, uns für verunglückt halten und verloren geben... Fluch über meineLeichtgläubigkeit," fuhr er in neu ausbrcchendcm Schmerze empor, „Fluch über michselbst und über jedes unwahre Wort, das meine Lippe sprach! Ich habe der Lüge dieHand gereicht — sie faßt mich daran und reißt mich unerbittlich mit sich in die Hölle —
mich, den Treulosen, den Vcrräthcr zu gerechter Qual und Euch, meinen edlen Herrn...
Euch, der mir ohne Arg' vertraut... Euch, den Schuldlosen, mit mir!"
„Schuldlos?" erwiderte der Prinz leise und sah niit scheuen Blicken um sich.
„Sprich das Wort nicht aus, Geselle... es taugt nicht an diesen Ort! Schweige, dieFelsen könnten es hören... ich fürchte, sein Hall könnte sie aus ihrem lockeren Gefügerütteln, daß sie übereinander stürzend uns erst wirklich in sich begraben! . . . Ich darfmich nicht schuldlos nennen — ich wage nicht, zu verdammen, was Du an mir gethan:
Du warst nur das Schwert, das mich trifft, die Hand der rächenden Vergeltung ist'S,die es schwingt und lenkt! Ich habe mit Liebe und Vertrauen, mit Treuen und Glaubenan die heiligsten Betheuerungen ein frevelhaftes Spiel gespielt . . . darum sind es dasVertrauen auf Dich, der Glaube an Deine Worte, die rasch gefaßte Zuneigung zu Dir,welche mich verderben und an mir zum Rächer werden! Darum komm, Genosse meinerSühne, wie meiner Schuld und ermanne Dich! Ich ahne, wie Du, daß wir die Schwelleunseres Grabes überschritten haben — aber wenn die dunkle Pforte sich wieder für unsöffnen sollte, dann will ich dieser Höhle eingedenk sein und der Stunden, die ich in ihrvollbracht! Noch einmal, sammle Dich ... die Bosheit meiner Feindin hat uns mitNahrungsmitteln versehen — wohlan, was sie gespendet, um tückisch unser Leiden zuverlängern, soll uns die Kraft geben, es zu enden! Du bist erschöpft, Markulf... ißund trink, damit Du wieder Stärke findest und Besonnenheit..."
„Ich bedarf dessen noch nicht," rief Markulf aufspringend. . . „nehmt Wein undBrod für Euch, Herr... es ist wenig und ist lange verzehrt, eh' Jemand auf den Gc- j
danken kommen wird, uns hier zu suchen!" i
„Wir wollen rufen," sagte der Prinz, „durch den Felsenspalt wollen wir den ^Suchenden, wenn sie in die Nähe kommen, zuwinken und ein Zeichen geben!"
„Es ist unmöglich ... die Entfernung ist zu groß, die Höhe, in der wir uns be-finden, zu riesig!" erwiderte Markulf, an die Oeffnung tretend. „Von hier dringt keinTon zu den Lebenden hinunter oder er wird unverständlich, daß er unbeachtet bleibt unter ^
den Thierstimmen der Einöde... Kein Zeichen ist von hier aus zu sehen... es würde U