Ausgabe 
28 (21.6.1868) 25
 
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verschwinden, wie der Flügel eines vorbeihuschendcn Vogels... aber es sei, edler Herr!Ihr sollt mich nicht klcinmüthig finden! Ich bin es auch nicht für mich allein binich wohl gefaßt, aber den Gedanken, daß es auch Euch treffen soll, vermag ich nicht zuertragen! Ich will noch einmal versuchen, ob es nicht gelingt, irgendwo einen Auswegzu erkunden ..., ich will mich hier über den Felsen-Erker hinausschwingcn und an derSteilwand hinunter klimmen... sie ist viel zerklüftet, daß Hand und Fuß wohl Platzfindet, sich anzuhalten und aufzutreten..."

Mit gewandtem Sprunge stand er bereits auf der Stcinbrüstung, den gefährlichenWeg auszuspähen, aber der Prinz hielt nnd zog ihn kräftigen Armes zurück.Ver-gebens," rief er,,es geht senkrecht hinab, wie eine Thurmwand: Du müßtest die Krallendes Thurmfalkcn haben, Dich anzuklammern... der erste Schritt stürzt Dich hinunterund zerschmettert Dich-... "

Und macht meinem Elend ein Ende!" stöhnte Markulf aus tiefster Brust: derPrinz aber legte ihm die Hand auf die Schultern und sagte leise:... Und ließe michallem in noch größerem Elend zurück!"

Ja, Ihr habt Recht, Herr," rief Markulf feurig.Euch gehör' ich an Euchallein! So ist kein anderer Gedanke mehr, als daß wir noch einmal versuchen, deuBlock am Eingänge wegzubringen ... wohl hab' ich Schwert und Jagdspicß schon zer-brochen über der Arbeit: ich habe nichts als meinen Arm, aber der Stein soll hinwegoder meine Knochen sollen brechen!

Stürmisch drang er wieder auf den Fclsblock ein und stemmte sich, von Dictwaltunterstützt, mit aller Gewalt gegen denselben; die Sehnen der Arme schwollen, daß sie zureißen drohten und der Schweiß troff ihm von der Stirne umsonst: unbeweglichlastete das Gestein, nach kurzer Anstrengung mußten sie athemlos und erschöpft inne-halten, um wortlos, regungslos in die frühere stumme Trauer und Verzweiflungzurückzusinken.

In der Höhle ward es noch düsterer, denn die Sonne hatte draußen die Mittags-höhe des Seethals und des Kaunstein überschritten und der Schatten breitete sich überdessen Gehänge...

Stunden waren so dahin gebrochen... da fuhr Dictwalt plötzlich aus der Erstar-rung auf . ..Was ist das?" rief er mit erglühenden Wangen .. .Horch auf,Markulf! Mir ist, als vernähm' ich in den: Gestein ein Knistern, ein leises Rollen..."

Auch Markulf hätte aufgehorcht.Es ist nichts," sagte er dann,die Felsen desKaunstein sind wie lebendig und geben allerlei Ton von sich... ich hab' es hundertmalgehört, wenn ich auf dem Waidgauge war. . . Es sind die Schwarzalfcn, die unsicht-bar an dem Gestein hämmern ..."

Nein, nein," rief der Prinz aufspringend wieder,das ist kein Geisterspnck! Hörenur, Gesell... das wiederhole sich! Es dauert fort... Ist es der nahende Tod, dermich mit Wahnsinn täuscht, oder sind das Schritte? ... Ewiger Gott, es ist, es ist!Es sind Stimmen Laute aus Menschenbrust, was ich vernehme..."

Wahrlich," flüsterte Markulf, um über dem Laut der eigenen Worte nichts vondem Geräusche zu verlieren, das auch ihm nicht mehr entging,das sind Mcuschen-stimmcn... Sind es unsere Verfolger, welche zurückkehren oder andere? ... Werkönnte sie hieher geleitet haben...?"

Beide schwiegen und lauschten angehaltenen Athems... ferne, durch das Gestein ge-dämpft, ertönte es wie der langgezogene Ruf eines Jägcrhorns. . . Aufjubelnd riß derPrinz das Hüfthorn von der Seite und blies mit Macht hinein, daß das Gewölbewiedcrhallend erdröhnte...

Dann hielt er innc einen Augenblick waltete drinnen wie draußen das Schwei-gen des Todes dann antwortete von draußen das Jagdhorn immer lauter, immernäher und Markulf stürzte zu des Prinzen Füßen, indem er dessen beide Hände erfaßte