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— Nicht lange nachher bot die Walchen-Almende wieder ein Bild der Freude und-es Friedens, wie zuvor, wenn auch nicht so farblos und einfach, als es gewesen. —Nach den Mühen und Schrecken des Tages galt es, für den Herzog Mahl und Nacht-lager zu rüsten, denn ergriffen von dm wunderbaren Ereignissen, die an ihm vorüber-gegangen, wollte er den Schauplatz derselben nicht so bald verlassen, und gedachte, dieHeimfahrt über den See bis zum kommenden Morgen zu verschieben. Das Bedürfniß
machte erfinderisch, aus Manteln und Decken wurden leichte Zelte über Spießen auf-
gehangen und ein einfaches Mahl, zu dem Wald und Wasser schnell Beisteuer gegeben,war der Vollendung nahe.
Da trat der greise Herzog in die Mitte der Seinen und führte Placida hervor,ihr nochmals Alles zu danken, was sie gethan. Sittsam und bescheiden stand sie da undwagte nicht, die Augen aufzuschlagen: sie mochte fürchten, dem brennenden Blicke Mar-kglf's zu begegnen, der gegenüber stand, noch immer des Augenblicks harrend, der es ihmmöglich machen würde, sie zu sprechen und die letzte Frage an sie zu richten. „Der
Herr ist gnädig mit uns gewesen," sagte der Herzog, „er ist in seiner ganzen Furcht-
barkeit an uns vorübergezogen, aber wie ein Verderben drohendes Gewitter hat er unsnur Segen zurückgelassen. . . Wir wollen deß eingedenk sein und ihm hier eine An-dachtsstätte erbauen, die allen Nachkommen ein Zeuge und Zeichen unseres Dankes sei...Dich aber, wackere Jungfrau, deren reiner, hcldenmüthigcr Sinn uns nächst Gott auSdem Wirrsal geführt, in das wir gerathen waren . . . Dich will ich belohnen, daß derEdelste meines Landes sich geehrt fühlen soll, wenn Du ihm Deine Hand als Gattinreichen willst . . . Kraft meines herzoglichen Amtes nehme ich dm Makel Deiner unfreienAbstammung von Dir und mache Dich und Deine Sippe zu freien Leuten, wie dieFreiestcn ini Lande ... Du sollst ein schönes Gut zur Mitgift von mir erhalten ..."
„Nicht also, edler Herr," unterbrach ihn Placida mit bescheidener Festigkeit; „ichnehme die Freiheit dankend an für mich und die Mcinigeu. . . der Aussteuer und Mit-gift bedarf ich nicht. Ich will eine arme Magd bleiben, die frommen Jungfrauen inder Salzburg werden auf Euer Fürwort eine solche aufnehmen, die ihnen dienen und dieGlocke zur Hora läuten kann..."
Bewegung entstand im Kreise der Versammlung; Markulf wollte vortreten, derHerzog erwidern; ehe sie dazu kamen, war der alte Chriembcrt, der inzwischen herbeige-kommen und Alles erfahren hatte, schon neben Placida getreten und hatte ihre Hand er-faßt: „Ich habe Dir Unrecht gethan, Mädchen," sagte er, „ich habe Dich verkannt undgeschmäht, weil ich glaubte, meinen Sohn vor Dir wahren zu müssen ... ich sage esDir jetzt offen vor Allen nnd bitte Dich, daß Du mir verzeihst ... Ich habe Dich alsmeine Schwieger verschmäht, jetzt aber komme ich, selber um Dich zu freien, und wennDu es in Deinem Gemüthe finden kannst, wie ich es geglaubt, so sage Ja und ich willzu Deinem Vater gehen und wie eS Brauch ist, um die Walchendirne für meinenMarkuls werben..."
Sie schwieg; das glühende Antlitz gesenkt.
„Sie schweigt, Vater," rief Markulf, der vorgeeilt war, „sie hat keine Antwortfür Dich und mich!"
„Welch' eine Antwort begehrst Du noch, Du thörichter Gesell!" entgegnete derHerzog. „Traun, gälte dieß liebliche Erröthen mir, ich wüßte wohl, es zu deuten!"
„Ist es wirklich, Placida? rief Markulf, und faßte ihre Hand. „Dürft' ich esglauben? So wäre doch nicht wahr gewesen, was Du meinem Vater gesagt?"
Sie hob das Auge etwas empor: ihre Blicke begegneten sich. „Es war," flüstertesie — „aber es ist nicht mehr! Ich liebe Dich, Markulf, und will die Deine sein!"
„Und ich segne Euren Bund," ,rief der Herzog, „mit einer Freude und Zuversicht,wie sie mir selten zu Theil geworden! Ihr werdet einander ganz angehören, denn Ihrhabt einander erworben: Ihr werdet glücklich sein, denn Ihr habt in den Stunden der