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aber auch ohne ihren Ton fühlt sich Jeder, der die grüne Einsamkeit besucht hat und imZortrudern darauf zurückblickt, von einem Hauche der Anmuth umweht und von demGeiste des Friedens begrüßt, der nirgends so heimisch ist, als auf dem grünen Eilandvon Sanct Barthclmä!
(Ein gelehrter Fähnrich.) Es war bereits im Jahre 1721 an einem Sommer-nachmittage, da saßen zu London im Buttonschen Kaffeehause drei Gelehrte und deliberirtenüber den Sinn eines lateinischen Verses. Sie führten das Gespräch so, daß wohl mit Fugund Recht ein Zuhörer beichetden sich hätte einmischen können. Dieß geichah auch von Seiteneines Gardefähnrichs, eines blutjungen Menschen, der erröthend das Wort nahm. — Gentle-men, sagte er, mir scheint, daß der Sinn dieses Verses wohl deutlich sein möchte, wenn manam Schlüsse anstatt des Punctes ein Fragezeichen setzt. Es fand sich, daß der junge MannRecht hatte. Die drei Gelehrten bissen sich auf die Lippen und schämten sich, aus so un-schuldigem Munde Belehrung erhalten zu haben. Aber einer von ihnen, es war der berühmteDichter und Uebersetzer Pope (die andern Congreve und Parnal), fand sich am empfindlichstengetroffen, denn er war trotz seiner verwachsenen Gestalt, oder vielleicht iu Folge derselben,übertrieben eitel und arrogant. Nun mein geehrter Herr, sagte er verächtlich zu dem jungenFähnrich, wissen Sie denn überhaupt schon, was ein Fähnrich ist? Nun. ich hoffe wohl,antwortete der junge Krieger und warf einen bedeutsamen Blick auf Pope's Höcker, es istein kleines krummes Ding, das Fragen auswirft!
(Beefsteaks aus lebenden Ochsen.) Ein Correspondent des ^„Standard"lieferte dem genannten Blatte nachstehende etwas schwer zu glaubende Geschichte: „DreiOfficiere des vierten englischen Regiments sahen in Fokado (Abessinien) die Operation des Aus-schneidens eines FleischstUckes aus dem Leibe eines lebendigen Ochsen. Sie trafen die Einge-bornen, als diese gerade damit beschäftigt waren. Der unglückliche Ochs ward niedergeworfenund seine vier Beine wurden zusammengebunden. Der Operateur machte hierauf einenEnschnitt in die Haut, nahe dem Rückgrat, gerade hinter dem Hüftengeleuke, blies in denselbenhinein, um die Haut vom Fleische zu trennen, machte dann zwei andere Einschnitte in rechtenWinkeln nach dem ersten hin und hob hierauf ein Stück Haut von vier oder fünf Geviertzollin die Höhe Aus diesem schnitt er eincnKlumpeu Fleisch heraus, indem er mit dem Messerunter der Haut hcndurchfubr, so daß die herausgenommene Fleischmasse größer war, als derunbedeckte Theil. Dann füllte der Operateur die offene Stelle mit Kuhdüngcr, legte dasHautstück wieder darüber, bepflasterte es mit Lehm, band die Füße des armen Thieres los,welches während der Operation ein dumpfes Schmerzgefühl geäußert hatte, gab ihm einenFußtritt, um es zum Aufstehen zu bringen — und Alles war vorbei. Noch muß ich er-wähnen, daß der Operateur zwei oder drei Schnitte in der Nähe der Wunde machte, wiees scheint, als ein Zeichen, daß das Thier an diesem Theile operirt worden war. DieOfficiere bemerkten, daß mehrere andere Stücke Vieh der nämlichen Hecrdc in ganz ähnlicherWeise bezeichnet waren. Sie kehrten in ungefähr einer halben Stunde zurück und sahen,daß das Thier umherging und ruhig weidete. Ich habe nicht erwähnt, daß es, als mandie Operation an ihm vornahm, nur sehr wenig blutete."
Charade.
(DreisiMo.)
I.
Geheimnisse mir anvertraut
Auch ohne den geringsten Laut
Ich schnell an Ort und Stelle bringe.
II.
Das erste und noch and're Dinge,
Die werth man schätzt und hoch anschlägt,
In mir man ein- und nieder legt.
III.
Wer mich Verlorne wieder findet,
Erachtet's für ein großes Glück,
Wer ehrlich ist, gibt mich zurück,
Weil oben Ehrlichkeit ihn bindet, —
Die ach mit jedem Augenblick'
Vom Erdkreis mehr und mehr verschwindet.
Auflösung der Charade in Nr. 24:„Zuckcrhut."
Druck, Lerlaa und Reduktion de« Merarischen Instituts von vr. M. Huitter.