Ausgabe 
28 (13.9.1868) 37
 
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Hände nach der Gruppe ausgestreckt, dann zuckte sein Körper zusammen, und besinnungs-los, ohnmächtig, fiel der alte Mann in die Arme der Seinen, die Herbeigesprunge«waren, um ihn zu umarmen, ihn nun glücklich auffingen und vor einem Sturze bewahrten.

Das war stark!"

Zu stark war es für die im Hofe Versammelten, denn diese vermochten kein Wort,keinen Laut hervorzubringen, keine Bewegung zu machen. Selbst die Männer, welche daSSeil hielten, überhörten den Ruf Hcubach's, welcher dringend verlangte mit seinem Fundeaus dem nichts weniger als angenehmen Aufenthalt hinaus befördert zu werden.

Es war aber auch eine Ueberraschung! eine größere, gewaltigere konnte esnicht geben.

Da stand Herr Laibcl-Wallborn und seine Frau, seine beiden Kinder die manin der Tiefe des Brunnens gesucht, schon so gut als Leichen gefunden, standen bei ihm,frisch, lebendig und kerngesund!

Es war, wie gesagt, zu stark!

Den ohnmächtigen Schwiegervater noch immer im Arm, schaute Herr Laibcl, denwir nun bei seinem rechten Namen von Wallborn nennen wollen, die Anwesendender Reihe nach und mit beängstigendem Ernste an.

Was geht hier vor, in meinem Hause? Wer hat Euch die Erlaubniß gegeben,hier einzudringen?" So fragte er mit einem Tone, der schon merklich unangenehm klang.Daß ihm vor der Hand keine, nicht die allerkleinste Antwort wurde, wird sich der Leserwohl denken können.

Und sie hatten Ursache zu schweigen und schwiegen.

Nur im Brunnen ertönte die Stimme des Gevatters Heubach, welcher immer drin-gender verlangte, hinaufgezogen zu werden.

Doch auch auf den armen allzukühncn Mann wurde nicht gehört, er mußte nocheine Weile in seinem feuchten Gefängnisse bleiben.

Endlich platzte Meister Andres los.

Gott sei gelobt und gepriesen! Er hat seine Frau und seine Kinder nichtumgebracht!"

Und ein lautes Echo weckten diese merkwürdigen Worte im Hofe, unter der Thor-halle wie auf der Gaste, und allerwärts jubelten die guten Bewohner von T ... sie mitwahrhaft freudigem Herzen nach.

So zieht mich doch hinauf, um Gotteswillen, damit ich auch erfahre, was esgibt!" So jammerte Gevatter Hcubach, der einzige Nichtwistende, in einem fort und mitgar kläglich klingenden Tönen.

Doch noch immer achtete man seiner nicht. Es war eben nicht möglich, die Leutehatten sich noch nicht gefaßt, konnten sich von der großen Ueberraschung noch nicht erholthaben. Mit finsterm Blick schaute Herr von Wallborn den Tischlermeister an undwollte die sonderbare Rede mit einer gewiß nicht minder sonderbaren erwidern, als deralte Herr von Frcikamp die Augen wieder aufschlug.

Führe den Vater und die Kinder hinauf, Dore," sprach Herr von Wallborn,ichwill allein mit den Herren reden und werde schon erfahren, was sich hier zugetragen."

Dieß geschah, und nach wenigen Augenblicken war Herr von Wallborn mit demUntcrsuchungs-Richter, den Spitzen der Behörden und Zeugen, den eigentlichen Erfinderndieser entsetzlichen Criminalgeschichte, allein.

Auch die Menge hatte sich verlaufen natürlich nur, um die seltsame Mähr vondem Mörder, der kein Mörder war, von den Umgebrachten, die lebendigen Leibes, undsogar zu Wagen, wieder heimgekehrt, kurz, von dem furchtbaren Verbrechen, das nichtbegangen worden war, allerwärts und so rasch als möglich zu verbreiten.

Darf ich nun bitten, Herr" sprach nun so ernst als möglich Herr von Wall--