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born, sich an den Untcrsuchungs-Richter wendend, der ihm die Hauptperson dieses sondernbaren Auftritts in seinem Hause zu sein schien.
Und der Herr Untersuchungs-Nichter sprach, erzählte alles, was die guten Bewohnervon L. . . angerichtet, geglaubt und gesehen, gedacht und ausgesagt, und was er selbst>— den Umständen Rechnung tragend — gethan.
Herr von Wallborn schaute finster, fast ergrimmt darein. Doch dauerte dies glück-licher Weise nur wenige Augenblicke, dann hellten seine Züge sich wieder auf, und sogarein Lächeln war auf seinem ausdrucksvollen Gesichte zu schauen.
Er hörte gelassen die ganze Schauergeschichte mit an, dann sprach er unerwartet ruhig:
„Es sind da allerdings manche Umstände zusammengetroffen, welche die Leute zuentschuldigen vermögen, ihnen auch wohl ein Recht gaben — besonders da sie mich nichtim Mindesten kannten — auf ähnliche Vermuthungen zu verfallen. Ich halte es daherfür Pflicht, Ihnen die betreffenden Punkte, welche Sie als Vcrdachtsgründe betrachteten,aufzuklären."
„Ich bitte darum — in Ihrem eigenen Interesse — Herr von Wallborn," sagteäußerst höflich der Herr Untersuchungs-Richter.
„So zieht mich doch hinauf!" jammerte abermals der im Brunnen Gefangene.„Ich muß doch auch sehen und hören, was geschehen und wie das Alles zusammenhängt."
Und sie zogen den armen, kühnen Gevatter und Schlosscrmcister Hcubach endlichherauf — und noch dazu mit seinem Funde, der in nichts Wenigerem bestand, als indem großen Schöpfeimer des Brunnens, den er aus dem Wasser gefischt und nun nebensich auf den Rand des Brunnens stellte.
„Sie kennen bereits meinen rechten Namen, wie ich höre, und so werden Sie wohlauch durch meinen Schwiegervater Näheres über meine Verhältnisse erfahren haben,"sprach Herr von Wallborn ruhig. '„Ich kann mich daher kurz fassen."
„Ein Verwandter von mir, ein Schwager, befand sich in mißlichen Verhältnissen,die er indessen — ich darf dies wähl sagen — selbst verschuldet. Oftmals habe ich ihm,auf Kosten meiner eigenen Existenz und durch meine gute Frau dazu angehalten, geholfen,doch immer von Neuem belästigte er mich. In vergangener Woche traf er hier in derNähe meines Wohnorts ein, auf dem Gute der Tante meiner Frau. Ich beschloß, seinemDrängen ein für allemal ein Ende zu machen — er hätte mich und die Mcinigcn nochvollständig ruinirt. Nach Amerika wollte ich ihn schaffen. Dies mag Ihnen die vonmeiner mehr als plauderhaftcn Magd aufgefangenen Worte erklären.
„Meine Tante wollte zu gleicher Zeit eine Versöhnung zwischen meinem Schwieger-vater und mir bewerkstelligen, ein Augenblick, den ich wohl herbeigewünscht, doch ausmancherlei Ursachen nicht selbst herbeiführen konnte, noch wollte. Am vergangenenSamstag sandte sie ihr Gefährt hierher, um meine Frau und die Kinder abzuholen.Diese gingen dem Wägelchen eine Strecke entgegen. Ich hatte noch Geschäfte unkblieb daheim."
„Deßhalb hat man die Frau und die Kinder zum letzten Mal auf der Landstraßegesehen!" rief der noch auf dem Brunnenrand sitzende und noch immer gleich eifrigeGevatter Heubach .
„So ist es! — Als ich meine Arbeit beendet, wollte ich mit dem Nachtzuge nach V.Das Gefährt der Tante sollte mich in der Frühe an der dortigen Station abholen.Daselbst angekommen, fand ich den Wagen nicht und ging ihm entgegen. Daher meinescheinbare Flucht, mein Verschwinden."
„Doch das wandelnde Licht —?"
„Die herausgerissenen Comode-Schubladen — das hcrabgezcrrtc Tischtuch?"
So riefen fast zu gleicher Zeit die bisherigen Zeugen.
„Auch das sollen Sie erfahren, meine Herren," sagte von Wallborn lächelnd,„denn eS liegt mir daran, jeden aufgetauchten Verdacht so vollständig als möglich zu beseitigen.