Ausgabe 
28 (20.9.1868) 38
 
Einzelbild herunterladen

301

ja in gedrängter Gesellschaft, abenteuerlich mit Lichtern bewaffnet das facht das Feuerseiner Unterhaltung an, und leicht sprühen die Funken umher, um schnell zu verlöschen.Es geht eine steile, hochstufige Wendeltreppe tief hinab. Der Gedanke: wenn einer einenFehltritt thäte, seine Vorderen mit sich fortrisse, die brennenden Lichter Frauenkleidcr iuBrand steckten, erregt unwillkürlich ein Gruseln; aber das ist nach den Umständen einwahres Glück, denn es ist die einzige Gelegenheit zu Schaucrgefühlen, die sich bietet, unddie einem doch zu solcher Stunde so erwünscht sind. Sagen wir kurz dem, der es nochnicht weiß, was es für eine Bcwandtniß hat mit diesen unterirdischen Räumen. Es sindalte Steinbrüche, in dem Maß umfangreich, als sie Material für eine so große Stadtgeliefert haben. Obige Steinbrüche nun waren seit langen Zeiten verlassen und über-baut. In dem Stadtviertel aber, welches sich über sie hin erstreckte, verbreitete sich mitder Zeit ein dumpfes Gefühl von drohender Gefahr des Einsturzes, das endlich gerecht-fertigt wurde durch vorkommende Fälle. Gleichzeitig überfüllten sich mehrere große Kirch-höfe, die vermöge der Erweiterung der Stadt, in deren Inneres versetzt waren. Diezu Rathe gezogenen Ingenieure schlugen vor, die Gebeine dieser Kirchhöfe dort hinabzu-führen, und zugleich das Ganze durch gehörige Unterbauten zu sichern. Aus der Aus-führung dieses Planes sind die Pariser Katakomben hervorgegangen. Uebrigens war dielange Reihe der Besucher der Katakomben selbst das Schönste an der Sache. Man sahoft weit vor sich hin die dunkeln Silhouetten in gemessenem Schritte sich zwischen rohenSäulen längs der Schüdelwände Hinwinden, fliegende Schatten an die feuchte Deckewerfend, im röthlichcn Fackelschein. Indessen die Stufen aufwärts wurden einem rechtleicht, und das Tageslicht,weil es noch glüht," war unaussprechlich willkommen.Wo aber waren wir? Selbst die Pariser hatten keine Ahnung davon. In einer kleinenGaste standen wir, nirgends ein Merkmal. Um 1 Uhr waren wir angetreten; es war2>/j Uhr.

Aus der Kinderstube eines Prinzen.

Pädagogische Skizze.

Der Prinz von Wales, der Sohn der Königin von England, war in seinerKnabcnzcit das, was wireinen schlimmen Buben" zu nennen Pflegen. Wenn derzehnte Theil dessen, was man sich in den Jockey-Clubs Londons von dem dercinstigeuErben der Krone Großbritanniens erzählt, wahr ist, so trifft das Sprichwort zu:WasEssig werden soll, das wird bald sauer."

Schon alskleiner Baby" verrieth der Erstgeborene Viktoria's viel Essig. PrinzAlbert , der Vater, war ein Mann von großer Intelligenz; er verband einen durch-dringenden geistigen Blick mit dem Ernst eines Philosophen, und indem er die Erziehungund intellektuelle Entwicklung seines Sohnes überwachte, war er sich bewußt, daß vordem Gelingen oder Mißlingen seines Werkes das Wohl und Wehe einer ganzen Gene-ration abhängig sei.

Auch in constitutioncll entwickelten Staaten hängt von der Person des Kroncnträgerssehr viel ab, und es ist nicht gleichbedeutend, ob auf dem Thron ein wahnwitziger Georgoder eine weltkluge Viktoria sitzt.

Die schlimmen Neigungen und zeitweiligen Unarten feines Sohnes machten demstrengen Vater oftmals schwere Sorgen, und er strengte alle seine Kräfte an, um diesel-ben zu unterdrücken, was einem Kinde gegenüber, das Prinz von Wales in der Wiegeschon heißt, allerdings eine schwere Aufgabe war. Ein Prinz von Wales ist in derWiege schon ein gewaltiger Machthaber, die Größe seiner Zukunft tritt ihm allüberallentgegen, er ist ein Chics Lord selbst seinen Eltern gegenüber, seine Geschwister sehenin ihm nicht nur den Erstgeborenen, der mit jeder Stunde ihr Lord und Gebieter zuwerden bestimmt ist, sondern sie muffen auch daran gewöhnt werden, in ihm den Bevor-