Ausgabe 
28 (20.9.1868) 38
 
Einzelbild herunterladen

303

Lbel nehmen, wenn ich Eure Hoheit zu bitten wage, mir zu gestatten, daß ich Jhr^

Majestät die Königin von diesem Vorfalle alsogleich in Kenntniß setze."

Ich werde in Gegenwart meiner Mutter die Worte wiederholen, die ich Ihnengegenüber ausgesprochen habe, Sie können sich darauf verlassen. Aber das sage ichIhnen ein für allemal, ich mag und werde kein Französisch lernen."

Eure Hoheit haben zu befehlen, doch hier nicht; Ihre erhabene Majestät mögedarüber entscheiden."

Nachdem die Königin, welche von Miß Jeanette herbcigcbeten worden war. Allesvon derselben vernommen hatte, sagte sie mit Würde zu der Lehrerin:Miß Jeanette,Sie kennen die Wünsche und Befehle Seiner Hoheit! Ich ersuche Sie demnach, sich vonhier zu entfernen, und die weiteren Befehle des Prinzen von Wales abzuwarten."

Die Worte wurden in einem scharfen, schneidenden Tone von der Königin vorge-bracht, der kleine Prinz stand wie versteinert, er zupfte an seiner Hemdkrause, blickte ver-wirrt zur Erde und vergaß sich so weit, sich niederzubücken, um das Buch, das er zuvor

zur Erde geschleudert hatte, aufzuheben.Lassen Sie das, mein Sohn," sagte die Köni-

gin,dazu sind Ihre Diener da. Sie haben Recht, mein Sohn, keinen Augenblickdaran zu vergessen, daß Sie der Prinz von Wales sind, ja ich, Ihre Mutter, ich bitteSie darum; Sie thun recht daran, auf die große Gnade Gottes stolz zu sein, der Sieauf dem Throne Großbritanniens geboren werden ließ. Also spricht die Königin vonEngland zu Ihrem Sohne, der, so Gottes Vorsehung es zuläßt, einst König vonEngland werden soll."

Doch nunmehr ein Wort zu Dir, mein Sohn, als Deine Mutter, als Mutter-sage ich Dir, Knabe, daß Du ein mißrathener Knabe mit bösem Herzen bist, daß Du,irregeleitet von Deinem Hochmuthe, dem Verfalle nahe bist, einem solchen Kinde gegen-über hat die Mutter keine Macht, keine Gewalt, da ist cS die Pflicht des Vaters, seinen

Sohn aus den rechten Pfad zu bringen. Ich habe den Prinzen Albert, Deinen Vater,Herbeibitten lassen, da ist er schon, möge er entscheiden, ich als Mutter verhülle meineAugen und weine."

Sie haben Recht, meine theure Königin und Gemahlin," sagte Prinz Albert ,nachdem er angehört hatte, was vorgefallen war,doch in Einem thaten Sie Unrecht, MißJeanette, welche von meinem Sohne beleidigt worden ist, Hütte nicht entfernt werden sollen."

Höre, mein Sohn," sagte der Vater mit sanfter Stimme, welche vor Bewegungzitterte,Du bist der Prinz von Wales, Du bist die Hoffnung und die Freude derfreien Briten. Wir, Deine Eltern, sind vor Gott und der Geschichte dafür verantwortlich,daß diese Hoffnung einer großen Nation dereinst nicht bitter getäuscht werde. Gott , der

Herr, hat uns da eine schwere Bürde ausgelastet. Sein Name sei immerdar gelobt.

Ich, Dein Vater, theurer Sohn, will nicht, daß kommende Geschlechter unserem Andenkenfluchen; meine, des Vaters Pflicht ist es, Dich auf den Pfad der Tugend und desRechtes zu geleiten. Nehme, mein Sohn, diese Bibel, das heilige Buch zur Hand somein Sohn jetzt nunmehr lese mir mit lauter Stimme in Gegenwart Deiner Mutter,Ihrer erhabenen Majestät, diese Worte Jischa's vor, des Propheten, der da spricht imNamen des Herrn."

Die Königin richtete sich hoch auf, sie blickte majestätisch auf ihren Sohn herab,wie eine Königin blickt, die einen Hochverräther entlarvt hat. Der Prinz von Wales blickte scheu nieder auf das Buch, Prinz Albert veränderte seine Miene nicht.Lese,mein Sohn, was der Prophet spricht."

Der Prinz las:Höret, Ihr Fürstensöhne, so spricht der Herr, in Euere Handlegte ich die Macht über die Völker, damit sie Euch dienen und Unterthan seien, damitsie Euch gehorchen und Euch folgen auf den Wegen, auf denen Ihr sie geleiten werdet.Wehe den Nationen, so da sich nicht beugen vor meinen Auserwählten. Doch, IhrSöhne der Fürsten , so Ihr nicht wandeln werdet die Pfade, die ich Euch gezeigt habe.