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Auch an andern Orten Deutschlands hat man die Elodca bereits argetriffei; sobei Leipzig und in einem Teiche bei Trier ; jedoch nicht in der Masteuhaftigkeit, wie inder Havel .
Bon der Einführung eines gleichen Pflanzen - Ungeheuers in England gibt derNaturforscher Nr. Otto Uhle in Halle in seiner „Natur" eine treffliche Humor stischeSchilderung, die aber leider nicht dazu angethan ist, die Besorgnisse vor jenem andernPflanzen-Ungeheuer, das sich auch beim sogenannten Katzcngraben in der Spree (beiKöpcnick) angesiedelt haben soll, zu verscheuchen.
Ein englischer Vikar und Botaniker, Mr. Topper zu Stickton, hatte ein besonderesSteckenpferd an Wasserpflanzen, die er in den Sümpfen, Canälen und Teichen, an denendie Umgegend seines Wohnortes reich ist, mit Behagen studiren und Pflegen konnte. Ertrat mit dem ägyptischen Professor Redschid Fellah in Alcxandrien in Corrcspondenz underhielt von dort viele Lotosnymphcn des heiligen Nilstromcs.
Eines Tages — es war im Jahre 1856 — sandte ihm der Freund, mit einemBegleitschreiben, in einem kleinen, starken und luftdichten Stcingcfäß die Wurzel der da-mals in Europa noch gänzlich unbekannten Wasserpflanze 6rovv1'ori;vra uguuiUis. Alsdas versiegelte Gefäß geöffnet wurde, sprang, wie aus einem sogenannten Bexirkästchen,eine üppige Masse von pcitschenstielartigen Stengeln und Blättern heraus, nicht voneiner Wurzel, sondern von Hunderten, die sich mit großer Hartnäckigkeit au den innerenWänden des Stcinkruges festgesogen hatten. Letzterer mußte mit einer Axt zerschlagenwerden, um die Pflanze herauszuziehen. Sie ward in den kleinen Fischteich neben die-Lotosnymphe gesetzt, die sich schon nach einigen Minuten fest und zärtlich von derLandsmännin umarmt fand. Nach einer halben Stunde lag sie auf der Wasserfläche —-ein zerdrückter Leichnam. Den übrigen Pflanzen aing es bald nicht bester; dietHroevlorövru nahm nach mehreren Stunden den ganzen großen Teich ein und machteMiene, den grünen Platz im Sturm zu erobern.
Am andern Tage erhielt Mr. Topper ein Schreiben von dem Director der bota-nischen Gesellschaft in London , welcher von der Ankunft der seltsamen Pflanze erfahre»hatte. Er erklärte, daß dieselbe-der größte Fluch in dem Reich: der Vegetation sei. —Ihr fabelhaft schneller Wuchs, ihre unglaubliche Vcrinehrungskraft und ihre Lebens-zähigkeit vereinigen sich, sie überall, wo sie einmal Wurzel gefaßt, unvertilgbar zumachen. Unter - Äegypten sei von ihr auf Hunderte von englischen Meilen verwüstetworden; der Nil werde nur durch die Menge von Krokodilen schiffbar gehalten, weil siegerade diese Pflanze leidenschaftlich gern fressen und ebenso schnell verzehren, wie siewächst. „Bergesten Sie nicht," lautete die Warnung an Mr. Topper, vor allen Din-gen die Elsenröhre, durch welche Ihr Teich mit Master versorgt wird, fest zu schließen."
Doch die Warnung kam zu spät. Gleich nach Empfang der Schreckens - Nachrichtmeldete sich ein Schiffer, der die seltene Pflanze bereits im Eanale gefunden. Mit derVerzweiflung eines Selbstmörders eilte Mr. Topper an den Fischteich — doch ertränkenhätte er sich nicht können — derselbe war von der entsetzlichen Pflanze ganz und garangefüllt. Er arbeitete mit der Hand hinunter nach der Eisenröhre — sie war vonhundert Wurzelsprosten verstopft und ausgefüllt. — „Aber sie kann doch nicht in einerNacht bis in den Canal selbst geschaffen sein!" dachte er mit noch einiger Hoffnung,,und eilte mit einem tüchtigen Stopfer nach der entgegengesetzten Oeffnung der Röhre imCanal. Entsetzlicher Anblick! Das Ungeheuer war nicht nur durchgeschossen, sondernstreckte seine Wurzelarme auch bereits nach allen Seiten aus. Tausende derselben hallensich schon am Ufer entlang festgesogen. Er schnitt die Hauptwurzel am Eingänge derRöhre zwar ab, aber die Sprößlinge besaßen überall schon selbstständige Lebenskraft, wiesich bald zum allgemeinen Schrecken der ganzen Umgegend erwies. Mit der Zeit wurdeder ganze Stickton-Canal von der furchtbaren Pflanze so durchwuchcrt, daß kein Kahnmehr fahren konnte; Wassermühlen und Schifffahrt ständen meilenweit still.