mit sich selbst, unterlag, weinte, betete, rang abermals, um immer wieder zu unterliegen.Lieschen wollte sich nicht aus seinem Herzen reißen lasten, obgleich sie dasselbe ge-brochen hatte.
Erst nachdem er in einem langen Briefe an Lieschen sein Herz ausgeschüttet, wurdeer etwas ruhiger. Mit sanften, eindringlichen Worten hatte er sie auf all' die Gefahrenaufmerksam gemacht, denen sie durch die vertraute Bekanntschaft entgegen gehe. Vonseiner Neigung und seinen Hoffnungen schweigend, hatte er blos ihr Wohl in's Augegefaßt und in diesem Sinne als bloßer Freund ermähnt und gewarnt. Dieses Schreibenließ er am andern Morgen Lieschen durch ihre Schwester zukommen, mußte aber mittiefem Schmerze erfahren, wie auch dieser wohlgemeinte Schritt keine Wirkung auf dieBethörte hervorbrachte, welche geflissentlich jedem Zusammentreffen mit ihrem vorigenBräutigam auswich. Von nun an ward diesem das Haus, in welchem der Lieutenantmehr als in dem seinigen war, zur Hölle, welche er daher am frühen Morgen floh unddie er erst am Spätabends wieder betrat. Agathe litt doppelt; sie trauerte über dieVerblendung ihrer Schwester, wie über das Dahinsiechen ihres thenren Lehrers, der sichaufzureiben drohte.
(Fortsetzung folgt.)
Ueber die Zucht des japauesischen Seidenspinners (Domdvx-Xams-ms^u.)
(Bamberg .) Wie allgemein bekannt, ist der Maulbeerspinner (komb^x mari)seit mehreren Jahren von einer Seuche heimgesucht, die abwechslungsweise mehr oder minderverheerend auftritt und das Ergebniß der Seidenzucht in neuerer Zeit sehr bedeutend be-einträchtigt. Die eigentliche Ursache dieser Krankheit konnte ungeachtet aller Bemühungen bisjetzt nicht ermittelt werden. Sie wurde theils in der Beschaffenheit des FuttcrS, theils in derBehandlung der Raupen, dann in dem ungeeigneten Zustande der Lokalitäten gesucht, welchezur Raupenzucht benutzt worden sind. Allein vielfache Erfahrungen haben gelehrt, daß keineder angeführten Ursachen der ausschließliche Grund der Raupcnseuche sein kann, weil beianscheinend ganz gleichen Verhältnissen an einem Orte die Seuche geherrscht hat, währendein anderer Ort davon verschont geblieben ist. Der äußerst betrübende Einfluß,welchen diese Krankheit auf den Seidenbau ausübte, hat nun die Veranlassung gegeben,daß seit einigen Jahren auch mit anderen Seidenspinnern Zuchtversuche angestellt wurden.Unter diesen befand sich namentlich auch der Uomd^x-Vamu-mayu oder Vama-mni,welcher auf Eichen lebt und in Japan bereits seit längerer Zeit zur Seidengewinnungkultivirt wird. Von diesem Seidenspinner gelangten im Jahr 1861 nach Frankreich , imI. 1863 nach Holland und im I. 1864 nach Preußen und Oesterreich Eier ausJapan , mit denen an mehreren Orten Zuchtversuche mit theilweise glänzendem Erfolgeangestellt wurden. Im I. 1865 gelang es dem Pros. Dr. Hoffmann (einem geb. Bayern )in Leyden, eine ansehnliche Quantität frischer Eier des Xama-ma^u direkt aus Japan zuerhalten, welche an verschiedene Interessenten in den Niederlanden und in Deutschland vertheilt wurden, und von denen durch Vermittlung des Naturalienkabinet-Jnspektors undLyceal-Profestors I)r. Haupt in Bamberg auch eine Partie hieher kam. Auf Veranlassungeines von demselben im Gartenbau-Verein Bamberg gehaltenen Vortrages wurden nochim nämlichen Jahre Zuchtversuche angestellt, und ein Züchter hatte das Glück, seine Be-rnühungen von so günstigem Erfolge begleitet zu sehen, daß der im I. 1865 empfangenejapanesische Same sich bereits in der vierten Generation fortpflanzte und die schönsten undkräftigsten Exemplare an Raupen und Cocons lieferte. Auf diese glücklichen Zuchtversuchein Bamberg ist bereits im Kreisamtsblatt für Obcrfrankcn Nr. 55 vom 27. Juni 1868durch das landwirthschaftliche Kreiskomits, sowie in mehreren naturwissenschaftlichen Zeit-schriften (u. a. im „Zoologischen Garten", Frankfurt Jahrg. 1867, Heft 12, S. 481;in der „HstlsoIirM voor LntomoioAie v. I. IX. 1866; im „Lotos", Prag 1367,