Ausgabe 
28 (25.10.1868) 43
 
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gegen eine so hohe Person erhoben, ja, sie sogar körperlich angegriffen hast. Nun^wie Gott will" sprach er gefaßt, indem er sich entkleidetein seiner Hand stehtmein Geschick, er wird es lenken in seiner Weisheit, wie es mir zum Besten frommt.Auf ihn will ich bauen und nicht verzagen."

Am andern Morgen begann die Capitulation zwischen dem Hofmeister und dessenBelagerungs-Corps. Olearius, um nur einigermaßen leidlich aus dem bösen Handel zukommen, blieb seiner Rolle treu und schüchterte die ihn Blockirenden durch Drohungendermaßen ein, daß man ihm endlich freien Abzug versprach.

Als der Candidat jedoch, dem gegebenen Ehrenworte trauend, die Thüre öffnete,den Gefangenen auslieferte und sich anschickte, den Platz zu räumen, sah er sich Plötzlichvon drei Husaren umringt, welche mit gespanntem Hahnen auf der Pistole ihn nöthigten,sich in eine bcreitgehaltene Kutsche zu setzen, in welcher sie ihn nach der nächsten Garni-sonsstadt brachten.

Hier wurde er vor den Obristen des Regiments, einem nahen Anverwandten derGräfin geführt, welcher ihm die Alternative stellte; entweder als Rekrut in sein Regimenteinzutreten, oder dem Peinlichen Gerichtsverfahren übergeben, um dann wahrscheinlich zulangwieriger Gefängnißstrafe verurtheilt zu werden.

Der arme Candidat wußte nicht, welches von diesen beiden Uebeln das schlimmeresei. Der Obrist aber ließ ihm nicht lange Zeit, sich zu besinnen, sondern verlangtekurzen und bündigen Entscheid.

,Jn Gottes Namen denn" seufzte Olearius,wenn es denn sein muß, sowerde aus einem Streiter Gottes ein königlicher Kriegsknecht."

Mit Thränen in den Augen zog er seinen alten, ihm so lieb gewordenen Frackaus, und bekam dafür einen Dollmann. Hierauf mußte er zur Fahne schwören, undnun war er königlich preußischer Soldat geworden und wurde als solcher in die Listecinregistrirt.

(Fortsetzung folgt.)

Die Taufhandlung in der russisch -griechischen Kirche.

Eine griechisch-russische Taufe ist eine viel umständlichere und eindrucksvollere Feierlichkeit,als der sakramentale Ritus, durch welchen Kinder, Mitglieder z. B. der anglikanischenKirche werden. Obwohl sie in einem einzigen Akt vorgenommen wird, besteht sie dochaus vier abgesonderten Ceremonien:1. der Absagung und dem Glaubensbekenntniß;2. dem wirklichen Sakrament der Taufe; 3. der Salbung, und 4. der Waschung, mitdem Abschneiden des Haares." Das Absagungsverfahren ist sehr eigenthümlich, und fürBeobachter, welche keine innere Theilnahme für die hl. Handlung empfinden, sondern sieblos als eine äußerliche Ceremonie betrachten, dürsten einige Bestandtheile derselben etwassehr läppisches haben.

Die Taufhandlung wird von dem Priester eröffnet, wenn er noch nicht in seinemvollen Ornat ist, und bloß seinen Chorrock an hat; er nähert sich dem Kindlein (welches,man vergesse das nicht, vollkommen nackt ist, obgleich eingewickelt in seine verschiedenenTücher und seine Seidendecke), bläst ihm in's Gesicht, und bekreuzigt es dreimal überAugenbraunen, Lippen und Brust. (Die Geistlichkeit macht das Zeichen des Kreuzesdadurch, daß sie die Spitze des Daumens mit denen des Ring- und Mittelfingers ver-einigt, die Laien dadurch, daß sie den Daumen mit dem Mittel- und Zeigefinger inVerbindung bringen, und die Hand so bewegen, daß sie ein Kreuz in der Luft bildet,nicht aber so, als ob eine Linie gezogen wäre; die Bewegung gleicht mehr einem sanftenSchlag.) Dann legt er seine Hand auf den Kopf des Kindes, und liest über demselbenein Gebet, welchem die Beschwörung oder die Tcufelaustreibung folgt, worin dem Bösenmit allen seinen Engeln und Legionen befohlen wird, von dem Kindlein zu weichen'