Ausgabe 
28 (25.10.1868) 43
 
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Ein zweites Gebet ist an Gott den Allmächtigen, den Herrn der Heerschaaren, gerichtet,auf das er das Kind vor allem geistigen und leiblichen Schaden bewahre, und ihm den *

Sieg gewähre über alle bösen Geister. Dann haucht er auf die Augenbraunen, dieLippen und Brust des Täuflings, und spricht dreimal:Möge jeder böse und unreineGeist der sich in Deinem Herzen verborgen, und Wohnung darin genommen hat, vonDir weichen." Die weitere Taufhandlung hat Ähnlichkeit mit der in der englischenKirche üblichen. »

Die nämlichen Fragen, oder vielmehr Fragen zu demselben Zweck, werden an die Pathengestellt, aber dreimal wiederholt. Wenn der Priester fragt:Entsagst du rc.," so wenden sowohler als die Pathen, die Amme und das Kindlein dcm Taufstein den Rücken, d. h. sie richten !

ihre Blicke gegen Westen, wo die Sonne untergeht, und von wannen kein Licht kommt, sondern !

im Gegentheil Dunkelheit und Schatten, die Sinnbilder des Fürsten der Finsterniß, undist die letzte Antwort erfolgt:Ich habe ihm entsagt," so spricht der Priester:dannschlag' und spei nach ihm," und geht selbst mit dem Beispiel voran, indem er einen

leichten Schlag führt und die Gcbcrdc des Anspeiens eines ungesehenen Feindes macht, !

als ein Zeichen des Abscheues und des Hasses gegen ihn. Dann drehen sie sich wieder

gegen das Bild des Gekreuzigten (oder nach Osten, wenn die Taufe in der Kirche vor- ^

genommen wird), worauf die Fragen in Betreff des Glaubens der Pathen gestellt werden, ^und der Vorleser dreimal für sie das Nicäische Glaubensbekenntniß wiederholt. Vorjeder Wiederholung werden wiederum Fragen an die Pathen gestellt. Priester:HastDu Christus bekannt?" Pathe:Ich habe ihn bekannt." Priester:Und glaubst Du anihn?" Pathe: Ich glaube an ihn als König und Gott." Am Ende der letzten Wieder-holung des Glaubensbekenntnißcs wird die Ermahnung beigefügt:Fallet nieder undbetet ihn an", worauf die Pathen antworten:Ich bete an den Vater, den Sohn undden heiligen Geist, die im Wesen einige und nntheilbare Dreifaltigkeit," und gleichzeitigniederfallen.Gelobt sei Gott, " ruft der Priester aus,der da wünscht die Errettung ,

aller Menschen, und daß sie alle kommen mögen zur Erkenntniß seiner Wahrheit. Jetztund fürdcrhin und immerdar. Amen." f

Nach einem kurzen Gebet verlassen die Eltern das Zimmer, und ziehen sich gemeiniglich !in's Schlafgcmach zurück, um Gottes Segen zu erflehen für das Kindlcin; sie dürfenbei der eigentlichen Taufhandlung nicht anwesend sein, da man annimmt, daß sie ihrKind gänzlich den Pathen übergeben haben. Diese Sitte wird streng beobachtet; selbst indem Hofzcrcmoniell, das in Betreff der im Kaiserhause vorkommenden Taufen in denZeitungen veröffentlicht wird, findet sich stets die Klausel:Anmerkung. Se. kais. Maj.

(oder Se. k. Hoheit) werden dann die Kapelle verlassen und sich in ein inneres Gemachzurückziehen."

Die wirkliche Taufe besteht aus drei vollständigen Untertauchungen des Kindleins, -

dessen physische Kraft angedeutet wird durch die Art und Weise, in welcher es eine !

Behandlung auszuhalten vermag, die unstreitig der körperlichen Gesundheit zarter Säuglingeschädlich ist. Nachdem der Priester zuerst seine weiten Aermel aufgerollt, und dann dem '

Vorleser empfohlen hat, sie außerhalb des Wassers zu erhalten, ergreift er das Kind undtaucht es drei Mal nacheinander in das reinigende Element. Während dieser Theil der s

Taufhandlung verrichtet wird, spricht der Geistliche:Der Diener Gottes (Alexis) istgetauft im Namen des Vaters, Amen. Und des Sohnes , Amen. Und des heiligen ^

Geistes, Amen," indem jeder dieser einzelnen Namen gleichzeitig ausgesprochen wird miteiner der drei Untertauchungen, die mit solcher Raschheit ausgeführt werden, daß, selbstwenn dem Täufling der volle Gebrauch seiner Lungen gestattet wäre, er zwischen der ^

ersten und der dritten Tauchung keine Zeit zum Athmen oder Schreien finden könnte. I

So lange er in den Händen des Priesters ist, wird jede Vorsichtsmaßregel zur Sicherungdes Stillschweigens ergriffen.Er verstopft (sagt Frau Romanoff in ihren Llcvtolwsok tlle Uitös nnci Lustoms o5 tlls Oreco-Uussian Lllurell) die Ohren des Täuflings