mit seinem Daumen und seinem kleinen Finger; hält dessen Äugen zu mit dem Ring-und Zeigefinger der rechten Hand, und bedeckt mit der flachen Hand dessen Mund undNase; mit der linken hält er den Leib desselben, und taucht ihn mit abwärts gewendetemGesicht unter. Nicht scder Priester hat die Fertigkeit, diese schwierige Aufgabe gut aus-zuführen. Man erzählt mir (was jedoch selten vorkommt), daß einige gerade in demAugenblick ertrunken seien, in welchem man sie zu Christen gemacht hatte. Wahrscheinlichaber sind diese Kinder sehr schwach, vielleicht sogar dem Tode schon nahe gewesen, daein Priester kaum der Aufgabe sich unterziehen würde, wenn er sich "derselben nicht ge-wachsen fühlte.
Nach ausführlicher Schilderung der vier verschiedenen Ceremonien bemerkt FrauNomanoff etwas spöttisch: „Solcher Art ist die Taufhandlung der griechisch-russischenKirche, werde sie nun im Hause oder in der Kirche vorgenommen: im letzteren Fallbietet sie gemeiniglich ein ebenso sonderbares als unterhaltendes Schauspiel, trotz derFeierlichkeit der Sache selbst, besonders wenn die Pfarrei eine große ist. Beinahe überallin großen Landstädten findet nämlich der Markt am Sonnabend statt, meist aber dauerter bis Sonntag Mittag, und den größten Zusammenlauf von Bauern kann man frühMorgen am Sabbath sehen. Die Gelegenheit zwei Bögel mit einem Stein zu tödtcn,d. h. ein Knäblein taufen zu lassen und zu Markt zu gehen, um entweder zu kaufenoder zu verkaufen, macht, daß die Taufpathen fast ansschließlich am Sonntag in dieStadt kommen, und daß nach der Messe vierzig bis fünfzig Kinder von ihren Babuschkasherbeigebracht werden. Diese setzen sich dann an der westlichen Thür auf eine Bank inder Kirche, oder, wenn es an Raum fehlt, auf den Boden, während die Messe vorsich geht. Das Geschrei der Kinder und die Trostesworte, mit welchen die Babuschkassie zu beschwichtigen suchen, üben nicht den geringsten Einfluß auf den Verlauf der Messeund das Abhalten der Predigt. Am Schlüsse der Feierlichkeit, nachdem Alles abgemachtist, eine Reihe von Arbeiter- und Baucrnfrauen ihren Kirchgang gehalten haben, undwährend vielleicht das Begräbniß irgend eines armen Dorfbewohners noch nicht ganz zuEnde gekommen, wird der Taufstein aus seinem Winkel hervorgeholt, und in die Mitteder Kirche vor die Hauptthore gestellt. Die Borlescr beschäftigten sich sodann damit, diePathen in einem Drcivicrtelkreis um den Taufstein zu ordnen, indem zwischen diesemund den Hauptthoren ein offener Platz gelassen wird, so daß Niemand denselben denRücken 'zukehrt. Sie stehen paarweise, jedes Paar mit seinem besondern Täufling unddessen Babuschka. Ein Name für alle Knaben, welche sich auf der einen, und für alleMädchen, die sich auf der andern Seite befinden, wird je nach dem Datum des Sonntagsaus dem Kalender ausgewählt, ohne vorgängige Berathung mit den Pathen, ob derKnabe einen Bruder oder eine Schwester gleichen Namens habe, und daher ereignet essich häufig, daß in einerund derselben Familie mehrere Johannes, Peter und Prascowassind. Ein besonders eifriger Pathe oder Babuschka erkundigt sich indeß sorgfältig, welcherName beigelegt werden solle, und bittet, wenn bereits eines der Familienglieder ihnführt, um einen andern. Man kann beim Anhauchen unmöglich ein Lächeln unterdrücken,wenn man sieht, wie der Priester mit gespitzten Lippen jedem Kind ins Gesicht bläst,und dies hundertundzwanzig Mal thun muß (zu geschweigen von Wasser und Teufel),wenn 40 Kinder vorhanden sind. Die Raschheit und Geschicklichkeit, womit die Untertauchungenvorgenommen werden, die genaue Ähnlichkeit des Ausdrucks in jedem der kleinen Gesichterund die Stellung der Arme beim Hervortauchen aus dem Wasser, wo der Täuflingeinen Augenblick lang gegen Osten gehalten wird, ist ebenfalls sehr auffallend. Eingesundes Kind wirft stets seinen Kopf, zurück, nach Luft schnappend; seine Augen undsein Mund sind offen, seine Arme unbewußt nach Osten ausgestreckt, und es schreitsofort laut, sobald es ein wenig Athem schöpfen kann. Ein schwächliches Kind hängtschweigend Kopf und Glieder, und es fehlt ihm der fast intelligente Kampf, welcher daskräftige Kind kennzeichnet.