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ertönen, welchen Gruß der König mit einem gnädigen Winken seiner Hand erwiederte.Schon war das militärische Schauspiel beinahe beendet. Der letzte Zug, bei welchemOlearius sich befand, ritt eben an dem Monarchen vorüber und ließ sein vorschrifts-mäßiges „Hurrah" ertönen, da scheuchte Plötzlich das Pferd des Candidatcn vor einemweißen Steine, der im Wege lag, und den die in demselben Augenblicke zwischen denWolken durchbrechenden Sonnenstrahlen mit glänzendem Lichte erhellte, zurück, bäumte sichhoch auf, und ehe es Olearius gelingen konnte, mit fester Hand die Zügel zu ergreifen,stürzte das Roß hintenüber und begrub, mit seiner ganzen Wucht auf den unglücklichenReiter fallend, denselben tief im Sande.
Sogleich commandirte der König selbst „Halt!" und befahl einigen Husaren abzu-steigen und ihren armen Kameraden von der Last des Pferdes zu befreien. Mit vielerMühe gelang dies endlich, denn der Gaul hatte einen Fuß gebrochen und konnte nichtzum Stehen gebracht werden. Ein anwesender Chirurg untersuchte sodann den bewußtlosdaliegenden Candidatcn und constatirte, daß zwar kein Glied gebrochen sei, daß manaber nicht wissen könne, ob nicht eine innerliche Verletzung stattgefunden habe.
Mittlerweile hatte der König den Obristen zu sich herangewinkt: „Wie heißt derMann?" fragte er.
„Gottfried Oehlig, genannt Olearius, Majestät."
„Olearius?" fragte der Monarch erstaunt. „War der Husar früher nicht Candidatder Theologie?"
„Zu Befehl, Majestät!"
„Und wie kommt der in den Soldatenrock, ist er freiwillig eingetreten?"
„Halten zu Gnaden, Majestät" — erwiderte der Obrist, der Candidat Oleariushatte sich thätlich an seiner Brodherrschaft, der Gräfin von Koblenz und deren Enkelvergriffen, es blieb ihm nur die Wahl zwischen Festung oder Soldat, und so wählte erdenn Letzteres."
„So! Hm! Schon gut!" machte der Monarch, indem sich seine Stirne in leichteFalten zusammenzog, — „sorg Er mir dafür, daß der Mann in gute Pflege genommenwird, und laß Er mir zeitweise sein Befinden rapportircn. Mit seinem Ncgimcnte binich zufrieden, sag' Er das seinen Soldaten, Adieu!"
Während der König mit seinem Gefolge davonritt und das Regiment in die Kasernezurückkehrte, wurde Olearius auf eine Tragbahre gelegt, nach dem Krankenhaus gebrachtund dort alle möglichen Wiederbelcbungs-Vcrsuche mit ihm vorgenommen. Endlich, nachungefähr einer halben Stunde, schlug er die Augen wieder auf und schaute mit unstätcnBlicken um sich. Der Oberarzt trat nun zu ihm heran, und indem er seinen Pulsfaßte, fragte er freundlich: „Wie befindet Er sich?"
Einige Sekunden lang starrte Olearius den Doktor lautlos an. Dann aber schiensein Bewußtsein nach und nach wiederzukehren, und mit der freien Hand langsam nachseinem Kopse und über die Stirne fahrend, stieß er einen tiefen, schmerzlichenSeufzer aus.
„Thut Ihm der Kopf weh?" fragte der Oberarzt.
Olearius nickte und schloß dann wieder die Augen, regungslos daliegend wie vorher.
„Er hat eine Gehirnerschütterung davon getragen" — sagte der Oberarzt zu seinenCollegcn — „wir dürfen ihn diesem apathischen Zustande nicht überlasten, sonst ist erverloren. Sie Alle, meine Herren, misten, daß Se. Majestät sich persönlich um denMann interessirt, also hoffe ich, daß Jeder an diesem Krankenlager seine Pflicht er-füllen wird."
Nach diesen Worten ordnete er das Nöthige an und verließ sodann den Saal„um dem Obristen über den Thatbestand Bericht zu erstatten.
Wochen und Monate vergingen, Olearius schwankte immer zwischen Leben und,Sterben. In seiner Fieberhitze phantasirtc er stets nur von Lieschen und ein Physiologe