Ausgabe 
28 (8.11.1868) 45
 
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gelegen hatte, überwältigte mich die Müdigkeit und ich schlief ein. Plötzlich aber erwachteich wieder, hörte um mich herum einen Höllenlärm, und als ich vollständig zur Besin-nung gekommen war, sah ich, daß ich mich nicht mehr in meinem Bette befand, sondernmitten im Zimmer lag und ringsum die Trümmer des zerbroäienen NachttischchcnS undder Lampe . Ich hatte geträumt, ich befände mich auf der Maschine, der Zug gehe denDamm hinunter, und meinem Vorsätze getreu, hatte ich mein Leben durch einen Sprungnach dem Hauptgeleise zu retten versucht ..."

Dein

Wenn du noch eine Mutter hast.

So danke Gott und sei zufrieden;

Nicht allen auf dem ErdenrundÄst dieses hohe Glück beschicken.

Wenn du noch eine Mutter hast.

So sollst du sie mit Liebe Pflegen,

Daß sie dereinst ihr müdes HauptÄm Frieden kann zur Ruhe legen.

Mutter.

Sie lehrte dir den frommen SpruchSie lehrte dir zuerst das Reden;

Sie faltete die Hände deinUnd lehrte dich zum Vater beten.

Sie lenkte deinen Kindessinn,

Sie wachte über deine Äugend;

Der Mutter danke es allein.

Wenn du noch gehst den Weg der Tugend.

Denn was du bist, bist du durch sieSie ist dein Sein, sie ist dein Werden;Sie ist dein allergrößtes Gut,

Und ist dein größter Schatz auf ErdenDes Vaters Wort ist ernst und streng,Die gute Mutter wilden's wieder;

Des Vaters Segen baut das Haus,

Der Fluch der Mutter reißt es nieder.

Sie hat vorn ersten Tage anFür dich gelebt mit bangen Sorgen;Sie brachte Abends dich zur RuhUnd weckte küssend dich am Morgen.Und warst du krank, sie pflegte dein.Den sie mit tiefem Schmerz geboren;Und gaben Alle Dich schon auf

Die Mutter gab dich nicht verloren.

Wie oft hat nicht die zarte HandAuf deinem lockigen Haupt gelegen;Wie oft hat nicht ihr frommes HerzGesicht für dich uni Gottes Segen!Und hattest du die Lieb' verkannt.Belohnt mit Undank ihre Treue:

Die Mutter hat dir stets verzieh'«,Mit Liebe dich umfaßt aus'S Neue.

Und hätte selbst das MuttcrhcrzFür dich gesorget noch so wenig;Das Wen'gc selbst vergiltst du nie.Und wärest du der reichste König!Die größten Opfer sind geringFür das, was sie für dich gegeben;Und hätte sie vergessen dich,

So schenkte sie dir doch das Leben.

Und hast du keine Mutter nichr,

Und kannst du sie nicht mehr beglücken,So kannst du doch ihr frühes GrabMit frischen Blumenkränzen schmücken.Ein Muttergrab ein heilig' Grab!

Für dich die ewige heil'ge Stelle.

O wende dich an diesen Ort,

Wenn dich umtobt des Lebens Welle!

Frage: Welcher Rath thut Einem oft die besten Dienste?Antwort:-h,vaaoF" ao(§

Druck, Verlas ünd Redaktion des iiterarilchen Instituts vvu Lr. M. Huttier.