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zurückzukehren, ein krampfhaftes, schmerzliches Schluchzen entrang sich ihrer Brust, unddas schöne Haupt in die zarten Händchen bergend, brach sie in bitterliches Weinen aus. 'Unfähig, sich länger zu halten, sprang Olearius auf, umfaßte die Liebliche, und die nichtWiderstrebende an sich ziehend, und die kostbaren Perlen aus den blauen Augen küssend,rief er, nicht länger im Stande, sein Gefühl zu verbergen:
„Agathe, ja, ja, Du liebst mich! O, sag' an, theures Mädchen, willst Du meinWeib werden? Willst Du vertrauungsvoll Dein ferneres Geschick in meine Hände ilegen? Ich will Dich wahren und schützen vor aller Unbill des Lebens und Dich liebenIren und innig bis zum letzten Athemzuge."
Agathe jedoch erwiederte nichts, sondern barg ihr Köpfchen an seine Brust. Als eraber leise ihr Haupt emporhob, um die Antwort in den schönen Augen zu lesen, da trafnhn aus denselben ein solcher Strahl reinster, überglücklichster Liebe, daß er voll seligenEntzückens das theure Mädchen in seine Arme schloß, Und einen glühenden Kuß auf die ;rosigen Lippen drückend, den Bund zweier reinen Herzen besiegelte. ^
In demselben Augenblicke öffnete sich leise die Stubenthüre, und Frau Silbermaier .auf die Schwelle tretend, klatschte freudig in die Hände und rief: j
„Bravo ! — bravo Kinderchen, — das habt ihr gut gemacht, gratulire, gratulire !von Herzen." r
Erschrocken fuhren die Beiden auseinander und Agathe wollte hochcrröthcnd entfliehen. i
Olearius aber ergriff ihre Hand, und die leise sich Sträubende mit sanfter Gewalt >
zurückhaltend, neigte er leicht das Haupt und sagte:
„Segnen Sie uns, ehrwürdige Frau, denn wir haben uns so eben vor dem Herrnverlobt und den Schwur der ewigen Treue abgelegt." ^
Mit Thränen in den Augen hob die alte Frau die Hände, und sie auf die Häupter -der beiden Liebenden legend, sprach sie mit sanfter, gerührter Stimme:
„Gott segne Euch, Ihr guten, edlen Menschen. Möget Ihr so glücklich werden, !als Ihr es verdient." !
Ein fröhliches Mahl vereinte auch heute die Glücklichen, und als die Frau Silber-inaier um Mitternacht endlich an's Schlafengehen mahnte, da wußten sie nicht, wo die 'Zeit hingekommen sei, denn ihnen waren die Stunden gleich Minuten verflogen. Nocheinen herzlichen Kuß drückte Olearius auf die schwellenden Lippen seines seligen Bräut-chcns, dann schob ihn die gutmüthig scheltende Alte zur Thür hinaus und überließ esihm, seine glühende Stirne von der frischen Nachtluft abkühlen zu lassen.
Am Sonntage darauf wurden der Hofprediger Gottfried OlcariuS und AgatheWcintraut zum ersten Male von der Kanzel herab als Verlobte verkündigt, und vierWochen später fand die Trauung in der alten Stadtkirche statt. Ganz Langcnsalza nahmTheil an Agathens Wonne, und wenn auch vielfach beneidet, gönnte mau ihr doch vonHerzen ihr Glück, und von allen Seiten regnete eö Glückwünsche und Geschenke auf sienieder. Nach Beendigung der kirchlichen Feier vereinigte der Hochzcitsschmaus sämmtlicheHonoratioren der Stadt in der Krone. Als aber nach Tische die Pfropfen knallten und-er Wein die Zungen anfing zu beleben, führte Olearius sein kleines Weibchen heimlichaus dem Saale , hieß sie ihr bräutlich Gewand mit einem einfachen Kleidchen vertauschen,und hob dann die glücklich Lächelnde in die schon im Hofe harrende Postkutsche. Miteinem herzlichen Händedruck schieden sie von dem Wirthe und der guten Frau Silber-maicr, der die hellen Thränen über die vollen Backen rannen, dann stieß der Schwagerjn's Horn, und dahin rollte das junge Ehepaar seiner neuen Heimath, Berlin zu.
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Unsere Erzählung ist hiermit zu Ende. Doch wollen wir der wißbegierigen schöne»Leserin noch verrathen, daß der große König nach Verlauf eines Jahres, bei einer ge-wissen Feierlichkeit, in der Schloß-Kapelle zugegen war und dem Vater des neuen Welt-bürgers als Pathengcschenk ein Dekret überreichte, welches ihn an Stelle des pensionirten