Ausgabe 
28 (15.11.1868) 46
 
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Collegcn zum Oberhofprediger ernannte. Auch erfuhr Olearius später, daß den gewissen-losen Verführer Lieschens schon hier auf Erden seine wohlverdiente Strafe ereilt habe,indem er, da es sich herausgestellt hatte, daß er schon Jahre lang Defrandation an denihm anvertrauten Casscn verübt, infam cassirt, und nach Erstehung einer mehrjährigenFestungsstrafe aus dem Heerverband ausgestoßen und ihm die preußischen Lande verbotenwurden. Er verschwand spurlos und niemals wieder hat man von ihm etwas gehört.

Auf Lieschens Grab aber ließ der Oberhofprediger einen schönen Stein setzen unddem Andenken an die arme, so früh Verblichene, errichteten die beiden Glücklichen «ine«heiligen Altar in der Tiefe ihrer Seelen.

Ein Herbst-Abend.

Nebelschleier umhüllt Erde dein Angesicht,

Kalt wie Schweiß auf der Stirn eines VerscheidendenTräufts vom Himmel, vom Dache,

Träufts von Baum und von Felsenwand.

Uhu hör' ich nur schrei'n, Naben und Elsterbrut,Trüb' wie Todcsgestöhn seufzet und ächzt der Wald.Mußt du sterben Natur, dieReich uns Blüthen und Frucht gebar?

Plötzlich, eh' noch des Tag's Leuchte geschieden ganz.Dringt, obsiegend, das Licht nieder in's dunkle Thal:Glutroth brennt das Gewölk', zuTausendmalen vom Licht getheilt.

Ha! welch' Wunder geschah während der trüben Zeit,

Wo nur Raben gehaust, Nebel die Welt umhüllt?Goldgelb glänzt das Gebüsch nun.

Purpurn pranget der Buchenwald !

Neues Leben entquoll doch nicht dem Erdenschooß,

Daß schon Frühling uns nah', eh' noch der Winter floh;Doch dies Farbengcmisch mahntFreundlich uns an den fernen Lenz.

So wohl blickt noch im Tod auf mit entzücktem Aug',Wem aufleuchtet ein Strahl aus dem verheißnen Land.Friedvoll hebt er die Brust ihm,

Nochmal färbt er die Wang' ihm roth!

A. Rirdl.