Ausgabe 
28 (15.11.1868) 46
 
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Ei« Brief Maria Theresia s aus dem Jahre 1778.

Jedermann in Europa weiß, welche Rechnung «an auf den König von Preußenund seine Worte machen kann. Frankreich hat es bei vielen Gelegenheiten erfahren, undüberhaupt ist kein Fürst in Europa seinen Perfidien entgangen. Und ein solcher Königwill sich zum Dictator nnd Protector von Deutschland auswerfen! Indessen noch merk-würdiger ist, daß nicht alle Mächte zusammenhalten, um ein solches Unheil abzuwehren,das früher oder später auf alle zurückfallen muß! Seit 37 Jahren ist dieser Manndurch seine despotische Militär-Monarchie, durch seine Gewaltthätigkeiten das UnglückEuropa's . Er hat sich losgesagt von allen anerkannten Principien des Rechtes nnd derWahrheit; er spottet jeglichen Vertrages und jeglicher Allianz. Wir sind die nächst ihmBlosgcstellten, und mau verläßt uns! Wir werden uns vielleicht noch dieses Malherausziehen, sei es wohl oder übel."

Aber ich rede nicht für Oesterreich. Was ich sage, betrifft alle Mächte Europa's .Die Zukunft liegt nicht lachend vor mir. Ich werde es ja nicht mehr erleben; aber meineKinder und Enkel und meine guten Völker werden es nur zu sehr erfahren. Wir fühlenja doch jetzt schon den grundsatzlosen, aber kraftvollen Despotismus dieser Militär-Monarchie,die keine andere Richtschnur ihres Handels kennt, als ihren Vortheil. Wenn man diesespreußische Princip noch immer mehr Boden gewinnen läßt, welche Aussicht bietet sichda für diejenigen, die einst nach uns kommen werden? Denn dieses System istdarüber darf man sich nicht täuschen in stetem Wachsthum."

Man wolle sich doch durch die Schmeicheleien der Preußischen Politik nicht irreführen lassen. Der König macht sie, um seinen Zweck zu erreichen, aber nach Erreichungdesselben thut er immer gerade das Gegentheil und hält nie sein Wort. So handelt ergegen alle, nur nicht gegen die eine Macht, die er fürchtet. Es ist Rußland ."

Der Brief schließt mit folgenden prophetischen Worten:

Es handelt sich um alle heiligen Güter, um unsere eigenen Interessen. Wir werdenüberrannt und zu Boden gestoßen werden der eine nach dem anderen, wenn wir nicht imfesten Bunde entgegentreten."

Also Maria Theresia vor neunzig Jahren!

Der «eue Wein.

Die Erde gibt den Saft,

Die Lüfte geben Kraft,

Die Sonne gibt den Geist;

Gar schön der Wein beweist,

Was er empfing für Leben.

Weil er's kann wiedergeben "(M-ses).

(Vorn Rhein, Ende Oktobers.) In unsern Weinbauenden Rhein - und Mosel-gegenden versteht man bekanntlich unterHerbst " nicht allein die Jahreszeit dieses Namens,sondern spezieller gerade die Weinlese, und unterHerbsten " demgemäß das Lesen undNach-hauseschaffen der Trauben. In diesem Sinne spricht der Winzer von einem guten oderschlechten rc. Herbst, und wenn wir in gleicher Anschauung heute sagen, daß der Herbstbeinahe überall beendet sei, so kann Dieses keinem Mißverständnisse unterliegen. Ja unsererebenumfponnenen Berge waren in den letzten Wochen sehr belebt, und unsere Winzer machtenäußerst vergnügte Gesichter. Vor etwa zwei Monaten waren die Hoffnungen auf dieQuantität sehr gering, denn auf das dürre Erdreich schaute mit ewig heiterer Mienederunbewölkte Zeus", und aller Herzen Sehnsucht ging dahin, daß nun JupiterPluvius einmal das Szepter ergreifen möchte, um den vertrockneten Fluren sowohl, alsauch den gar unscheinbar gebliebenen Beeren des Wcinstocks eine gründliche Erquickung