Ausgabe 
28 (15.11.1868) 46
 
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Nicht so ungefährlich wie diese Conflikte wurde ein Streit zwischen O'Connell undD'Estcrrc zum Austrag gebracht. Der große Agitator hatte eine gewisse öffentliche Kör-perschaft mit gewohnter Derbheit als diebettclhafte Corporation von Dublin" bezeichnet.D'Estcrrc war ein Mitglied derselben und forderte die übliche Genugthuung. Sie trafensich in Bishop's Court, einer Besitzung des Lords Ponsonby. Se. Herrlichkeit hatte denDuellanten seinen Park zur Verfügung gestellt, wie man es heute bei einem Feste zueinem wohlthätigen Zwecke thut. D'Esterre feuerte zuerst und fehlte. O'Connell durch-schoß seinem Gegner beide Schenkel. Längs der ganzen Straße herrschte ein allgemeinerJubel, als man den Agitator unverletzt zurückkehren sah. D'Estcrrc starb am Abend desdritten Tages. Dieser Ausgang war seiner Partei unbegreiflich, denn er war ein sichererSchütze und konnte seinen stämmigen Gegner eigentlich gar nicht fehlen. O'Connell wurdevon dem Schicksal seines Feindes tief gerührt. Er ging mit seinem Sekundanten in dieKirche und leistete einen feierlichen Schwur, niemals wieder eine Herausforderung an-nehmen zu wollen. Der Wittwe des unglücklichen D'Esterre bot er eine Pension, welcheso viel betrug, als ihr Mann verdient hatte, aber die Körperschaft, zu welcher der Ver-storbene gehört hatte, setzte der Dame dieselbe Summe jährlich aus und O'Conncll'sAnerbieten wurde zurückgewiesen. Später übernahm Morgan O'Connell die Zweikämpfe,welche die zügellose Zunge seines Vaters hervorrief, und bekam sehr viel zu thun. UnterAnderem schlug er sich mit Lord Alvanley und wurde am Tage darauf von dem jetzigenPremier-Minister Disracli gefordert.

Der Herzog von Wellington hatte hinsichtlich des Duells ganz und gar die herge-brachten Ansichten seines Standes und Berufes. Als das zehnte Regiment in Dublin so unbeliebt geworden war, daß seine Versetzung beantragt wurde, entschied der Herzog,daß es bleiben solle.Ich halte es nicht für unmöglich," schrieb er,daß es zu einigenDuellen kommt, aber das ist ja ohne alle Bedeutung." Nach diesen Ansichten selbst zuhandeln, war er jederzeit bereit. 1829 forderte er Graf Winchelsea auf,ihm für seinBenehmen die Genugthuung zu geben, die ein Gentleman zu verlangen das Recht habeund die ein Gentleman niemals verweigere." Der Grund des Zwistes war ein politischerund stand mit der Emanzipation der Katholiken in Verbindung. . Die Gegner trafen sichauf den Feldern von Battersea, wurden aber durch gewöhnliche Leute sehr belästigt.Wohl zwanzig Gärtner und Tagelöhner hatten sich versammelt, welche die Gesetze desvornehmen Duells nicht kannten, und die Duellanten wiederholt beschworen, die Sachemit den Fäusten auszumachen.

Unseren Zeiten näher treffen wir Sir Robert Perl, der Dr. Lusington und JosephHume fordert, weiter Roebuck mit dem Beinamender Zerreißcr," den er sich selbst bei-gelegt hat und den er zu verdienen suchte, als er Herrn Black und Lord Powerscourtaus ein Gericht Kugeln einlud. Noch 1840 erschoß Lord Cardigan den Rittmeister Tuckettauf dem Anger von Wimbledon. Als Peer wurde der edle Lord vor das Oberhausgestellt und bei der Umfrage antwortete ein Lord nach dem andern:Auf meine Ehre,nicht schuldig." Blos der Herzog von Cleveland machte einen Zusatz und sagte:Nichtschuldig vor dem Gesetz." Lord Cardigan gab dann noch einen Beweis im Großen,wie er fremdes und eigenes Leben verachte. Bei der Belagerung von Scbastopol sollteer eine russische Batterie nehmen. Er erstürmte sie, um sofort mit seinen sechshundertleichten Reitern sich auf eine feindliche Uhlancmnasse zu werfen, die von Artillerie unter-stützt wurde. Dieser unsinnige Angriff kostete mehr als dreihundert Reitern das Leben.

(Schluß folgt).