Ausgabe 
28 (22.11.1868) 47
 
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Nr. 4?.

ZZ, Novbr. 1868

Augsburger

Richt ein Tyrann, ein christlicher MonarchSind wir und unsre Leidenschaft der GnadeSo unterworfen, wie in unsern KerkernVerbrecher, angefeffclt.

, Shakespeare , Heinrich V. A. I. Z.

Maximilian s Ende.

Queretaro. Blätter aus meinem Tagebuch in Mexiko. Von Felix , Prinzen zu Salm-Salm.

" Nebst einem Auszug aus dem Tagebuchs der Prinzessin Agnes zu Salm-Saim. Zwei Bände.

(Stuttgart , A. jdröncr.) Mit mehreren Porträts, Planen" u. s. w.

Prinz Felix Salm-Salm scheint etwas von der Natur eines mittelalterlichen Lanz-kiechts in sich zu haben.Ich war mit Leib und Seele Soldat", sagt er. De»amerikanischen Bürgerkrieg hatte er als Oberst, dann als Brigadegencral der Republik mitgemacht; allein dort im Heer zu bleiben entsprach nicht seinen Wünschen, obschon esihm anAnerkennung seiner im Feld geleisteten Dienste" nicht fehlte. Er nennt ganzunbefangen als seinen hauptsächlichen Grund: das Leben dort zu Lande habe ihm nichtbesonders zugesagt, weil man sich vonJugendcindrücken und, wenn man will, vonVorurthcilcn" nicht freimachen könne. Zum angenehmen Daseyn in Friedcnszeiten Mochteer also eines Hofes und adeliger Genossen bedürfen. Er ging mit guten Empfehlungennach Mexiko ; doch der österreichische Gesandte Graf'Thun verhinderte nach Kräften diegewünschte Anstellung im Heere Maximilian's.Ihm und seinem Verwandten^ demGeneral Thun, welcher das österreichische Korps befehligte, ist es zuzuschreiben, daß nichtein einziger Preuße in dasselbe ausgenommen wurde." Der Preußische Gesandte BaronMagnus setzte es endlich durch, daß der Prinz (1. Juli 1866) zum Obersten im General-stab ernannt ward. Von allen unbefangenen Beurtheilen! ist das Unternehmen dcSErzherzogs Maximilian im Voraus als hoffnungslos bezeichnet worden. Um eineHerrschaft über Mexiko zu begründen, Hütte der Erzherzog einen Märaktcr von.Stahl,eine tiefe Mknschcnkcnntpiß, die rascheste Entschlossenheit im Handchi und die kältesteRücksichtslosigkeit besitzen müssen. Das waren aber gerade die Eigenschaften, die ihmfehlten, und für welche seine Persönliche, Tapferkeit einen sehr geringen; seine Milde undLiebenswürdigkeit, sein redlicher Wille gar keinen Ersatz bieten/ konnten. Dazu war erein Fremder, was ein romanisches Volk um so weniger verzeiht, je niedriger es aus derStufe geistiger Entwickelung steht. DerFremdling" war den Gegnern ein Ziel unzer-störbaren Hasses und den eigenen Anhängern nur ein' Werkzeug ihres Interesses undEhrgeizes ; und früher oder später das Verderben unvermeidlich über den Kaiser zu bringen,dazu genügte schon der einx Umstand, daß das Kaiserthum die Schöpfung eines Bonapartewar. Wenn es auch in Mexiko an ehrlichen Männern nicht fehlte, die dem Kaiserthumdeßhalb beitratxn, weil sie die endliche Herstellung geordneter Zustünde von ihm hofften,so hätte doch der Erzherzog, wenn er jenen klaren Blick besaß, ohne den die Durchführungeiner so schweren Aufgabe überhaupt unmöglich war, sich darüber nicht täuschen dürfen,daß sein Recht wie seine Macht nur , auf den französischen Bajonnettcn beruhte, und daßdiese nicht um Mexiko's noch um seinetwillen, sondern allein um napoleonischer Zweckewillen verwendet wurden. Aber er täuschte sich und täuschte sich gern: Er begab sichin eine Stellung, deren Klippen und Abgründe er nicht ermessen hatte, zu Land undLeuten, die er nicht kannte, auf Männer vertrauend, die ihm keine Bürgschaft zu gewähre».