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i« Stande warm, auf eine Partei sich stützend, deren Wesen und Ziele ihm im tiefsten Herzenwiderstrebten. Prinz Salm gibt uns flüchtige, leider zu flüchtige Zeichnungen von denMännern, die seine Helfer und Vertheidiger sein sollten. „General Don Leonard»Marqucz ist ein kleiner, sehr lebhafter Mann, mit schwarzem Haar und schwarze»,.sehr stechenden Augen. "Er trägt einen vollen, schwarzen Bart, um eine entstellendeSchußwunde in der Wange zu verbergen. Er hat sich durch seine schändliche Grausamkeit,den Namen dcS Alba von Mexiko erworben. Zu früheren Zeiten schon das Haupt deralten Kirchenpartei, war er auf sehr vertrautem Fuße mit allen Geistlichen und Kloster-brudern. Obwohl sehr tapfer, war er doch als General von geringer Bedeutung, da ervon strategischen Bewegungen gar keinen Begriff hatte. Sein Haupttalent bestand im, Orgaisisiren." seinen Charakter malt auch noch folgender Vorgang bei Gelegenheit eines^ von den Kaiserlichen gewonnenen Treffens: „General Marquez wollte die Gefangene»^ erschießen lassen; allein der Kaiser widersetzte sich diesem Befehl auf das Entschiedenste.Trotzdem, sagt das Gericht, ließ der blutdürstige General sie in der folgenden Nachtheimlich erschioßen." Marquez verübte zuletzt, als es mit dem Kaiscrthum bergab ging,an Maximilian einen noch unwürdigeren Verrath als Lopez, „der Judas bon Queretaro".„Pater Fischer ist ein großer, stattlicher Mann von großem Verstand und eben so großemEhrgeiz Er ging in bürgerlicher Tracht und war erst ganz kürzlich zum KabiuetSsckretärdes Kaisers ernannt worden. Ueber sein Moral zirkulirten nicht eben sehr erbaulicheGerüchte, und es war bekannt, daß er an verschiedenen Orten Kinder besaß. Sein Einflußauf den Kaiser war bedeutend. Ihm war cS hauptsächlich, nächst Marqucz und Miramon,zuzuschreiben, daß der Kaiser sich, zur großen Bestürzung des Marschalls Bazaine unddeS von Napoleon abgesandten Grafen Castelnau, entschloß, nicht abzudanken, sonder»in Mexiko zu bleiben. Marquez und Miramon versprachen dem Kaiser freilich hoch undtheuer, daß ihn die Kirchenpartei mit Geld und Soldaten hinreichend unterstützen würde,und waren mit ihrem Ehrenwort sehr verschwenderisch; allein da der Kaiser den Werthdieser Versprechungen keineswegs überschätzte, so wußte Pater Fischer, der seinen groß-herzigen Charakter besser kannte, ihn dadurch festzuhalten, daß er ihm das traurigeLooS seiner Anhänger nach seiner Abreise ausmalte. Pater Fischer meinte es gut mitdem Kaiser; allein bei ihm war das Interesse desselben dem der Kirche bei Weitem unter-geordnet." „Don Miguel Miramon war einer der vorzüglichsten Generals,der Kirchen-parter^ind sogar schon in seinem 25. Jahre Präsident der Republik gewesen. Er warnun ein schöner Mann von einigen 30 Jahren, von mittlerer Größe, schöner Figur,eleganten Manieren, dunklem Haar. Er hatte viel Verstand, war außerordentlich ehr-^ geizig und dabei tapfer und unternehmend, allein kein wissenschaftlich gebildeter Soldat»nd kein besonderer Strategiker " „Don TomäS Mejia war ein kleiner, gelber, merk-würdig häßlicher Indianer von etwa 45 Jahren, mit einem ungeheuer großen Mundund einem Paar struppigen schwarzen Haaren darüber. Er war ein durchaus ehrenwerther,zuverlässiger Mann, der dem Kaiser treu ergeben und ein tüchtiger Kavalcriegencral, derwegen seiner persönlichen Tollkühnheit berühmt war. Sobald es zum Angriff ging, nahmer stets einem seiner Leute eine Lanze ab und stürzte damit voran in den Feind. Infrüheren Jahren hatte er einmal den Liberalen Queretaro abgenommen. Als er in dieStadt eindrang, flüchteten die letzten Feinde in den ersten Stock des Rathhauscs. Mejlaerschien an der Spitze einer Reiterabtheilung vor demselben, sprengte, die Lanze iu derHand, die Treppe hinaus, ritt in den großen-RathhauSsaal und zwang die hieher gc-flüchtcten Feinde, sich zu ergeben. Dann ritt er an den Balkon heran und brachte seinensiegreichen Truppen ein Hurrah." „Don Ramon Mcndcz war ein kleiner, fetter Indianermit hübschem Gesicht und schwarzbraunem Haar und Bart, der in seiner rothen mexikanischenHusarenjacke mit Generalsabzcichen sehr gut aussah. Er trug einen Sombrero (breitrandigenHut) wie der Kaiser. Mendcz war ein außerordentlich guter Parteigänger, sehr tapfer»ud von seinen Soldaten vergöttert, allein leider zur Grausamkeit geneigt Er war dein
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